Die Bestimmung der Schwingunsmittellage bei Vermessungskreiseln

Schriftenreihe
des Instituts für Geodäsie

Heft 38-2/1990


 
Die Bestimmung der Schwingungsmittellage
bei Vermessungskreiseln

Wilhelm CASPARY / Robert SCHEURING
 

In: SCHÖDLBAUER, Albert (Hrsg.) [1990]:
Moderne Verfahren der Landesvermessung
Teil II: Nivellement / Teil III: Vermessungskreisel.
Beiträge zum 22. DVW-Seminar, 12.-14. April 1989.

Schriftenreihe des Studiengangs Vermessungswesen der Universität der Bundeswehr München, Heft 38-2, Neubiberg, S. 471-500.
 



Zusammenfassung

Nach einer Darstellung des Meßprinzips des nordsuchenden Kreisels und der Erläuterung der wichtigsten Beobachtungsverfahren und Rechenformeln zur Bestimmung des Kreiselazimuts wird ausführlich auf die Möglichkeiten eingegangen, die Genauigkeit herkömmlicher, nicht automatisierter Kreisel zu steigern. Dazu werden quasikontinuierliche, manuelle Beobachtungsverfahren vorgeschlagen, die ohne Verlängerung der Beobachtungszeit zu einer deutlichen Genauigkeitssteigerung im Vergleich zu den üblichen einfachen Verfahren führen.

Die mathematischen Modelle zur Auswertung dieser Beobachtungen werden entwickelt und ausführlich diskutiert. Als Ergebnis wird empfohlen, die Schätzung der Schwingungsmittellage mit iterativer Variankomponentenschätzung in einem Modell vorzunehmen, bei dem die Kreisablesung am Theodoliten α und die Zeit t als Beobachtungen eingeführt werden. Die Beobachtungsmethoden mit und ohne Nachführung, sofern beide mit dem betrachteten Instrument durchführbar sind, werden als gleichwertig angesehen. Alls Aussagen sind durch praktische Messungen abgesichert, deren Ergebnisse auszugsweise mitgeteilt werden.

Die Standardabweichung eines Azimuts, das mit dem Aufsatzkreisel GAK 1 und dem empfohlenen Beobachtungs- und Ausgleichungsverfahren bestimmt wird, beträgt bei Labormessungen 1-2 mgon und im Feld 2-4 mgon. Die benötigte Meßzeit betrgät für einen geübten Beobachter etwa eine Stunde. Mit automatisierten Kreiseln ist in derselben Meßzeit eine noch höhere Genauigkeit (~ 1 mgon) erzeilbar. Kreiselmessungen stellen somit eine praktikable Methode dar, Azimute bzw. Richtungsanschlüsse überall dort zu messen, wo eine Sichtverbindung zu geeigneten Festpunkten fehlt.
 



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