Reproduktionstechnische Anwendungen und kartographische Bearbeitung

Schriftenreihe
des Instituts für Geodäsie

Heft 24/1987


 
Reproduktionstechnische Anwendungen und
kartographische Bearbeitung

Gustav NEUGEBAUER, München
 

In: NEUGEBAUER, Gustav (Hrsg.) [1987]:
BRENTA-MONOGRAPHIE.
Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Hochgebirgskartographie

mit Beiträgen von D. Beineke, H. C. Berann, W. de Concini, G. Hell, D. Herm, H. Immel, U. Kleim, G. Neugebauer, K. Ringle.
Schriftenreihe Studiengang Vermessungswesen, Universität der Bundeswehr München, Heft 24, Neubiberg, S. 109-125.
 



Einleitung

Eine wesentliche Voraussetzung für die Erneuerung der "Karte der Brentagruppe" 1:25.000 von 1908/38 war deren topographische Fortführbarkeit. Die Frage konnte im Jahre 1982 geklärt und positiv entschieden werden (siehe III/4 "Geländeerkundung").

Eine weitere wichtige Voraussetzung war kartographischer Art. Sie betraf die Felsdarstellung. Nur wenn es gelingt, diese in möglichst originaler Qualität zu reproduzieren, ist die Erneuerung zu vertreten. Gelingt das nicht, dann ist sie in Frage zu stellen, denn nur ein qualitativ hochwertiges Ergebnis bei der Felswiedergabe rechtfertigt das aufwendige Vorhaben.

Wie aber ist dieses Ziel zu erreichen?

Die erste Überlegung ging dahin, den Rohn'schen Felsgravurstein für eine direkte oder indirekte Reproduktion der Felsdarstellung zu verwenden. Ein hochwertiger Abdruck auf entsprechendes Kontrastpapier, etwa Barytpapier, hätte eine gute Vorlage für die photographische Aufnahme geliefert; vorausgesetzt, der Druck vom Gravurstein mit 70 x 100 cm Größe und 160 kg errechnetem Gewicht ist zu verwirklichen. Dies aber war bereits 1982 aus technischen und anderen Gründen recht fraglich und dürfte heute, vier Jahre später, noch fragliche rgeworden sein. Ein Versuch sollte dennoch nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Wo aber befindet sich der Druckstein? Es sind immerhin an die 50 Jahre vergangen, seitdem das letzte Mal von diesem Stein gedruckt wurde. Die Firma Freytrag & Berndt in Wien, die dem DÖAV (Deutscher und Österreichischer Alpenverein) vertraglich verpflichtete Druckerei, hat den Steindruck mit dem Aufkommen neuer Druck- und Kartenherstellungsverfahren aufgegeben und das Steinlager für die AV-Karten Ende der 60er Jahre aufgelöst. Die Drucksteine sind daraufhin dem ÖAV in Innsbruck zugestellt worden. Ein Verzeichnis über die ausrangierten, in den Augen vieler wertlose gewordenen Steine, ist von keiner Stelle erstellt worden. Mit den Jahren wurde viele unregistriert an Interessenten vergeben, um den Lagerraum für andere Zwecke frei zu machen.

Die Suche nach dem Brentadruckstein, der die Felsgravur enthielt, konzentrierte sich vor allem auf die Verwaltungssitze des DAV und ÖAV, München und Innsbruck. In München fand er sich nicht, so kam nur noch Innsbruck in Frage. Dort wurde am 14.11.1979 in einem Tageseinsatz der Herren H. Moser (ÖAV), R. Blanke (DAV), sowie H. Wintges und G. Neugebauer das Gros der Gravursteine (ca. 140 an der Zahl) aus der Zeit der klassischen AV-Kartographie auf dem Städtischen Bauhof vorgefunden und Stück für Stück kontrolliert. Die Steine befanden sich in diesem Notdepot in einem äußerst bedauerlichen Zustand. Teils waren sie im Freien abgelegt und der Witterung ausgesetzt, teils in Schuppen unbeschützt unter Baugerüst und Mörtelbrocken begraben. Gefunden wurden der Brenta-Höhenlinien- sowie der Brenta-Gewässergravurstein, nicht aber der Felsgravurstein. Er blieb auch trotz intensiver privater Nachforschung im Verlauf der weiteren Jahre verschwunden. *) Die Hoffnung auf höchstmögliche Qualität in originaler Form bei der Wiedergabe der Felsen in der Neubearbeitung der "Karte der Brentagruppe" 1:25.000 jatte damit einen ersten Rückschlag erlitten.

...

*)  Erst 1986 wird er durch Zufall im Besitz eines Privatmannes in der Nähe von München entdeckt. Leider zu spät, um ihn noch in den Neubearbeitungsprozeß der "Karte der Brentagruppe" 1:25.000 einbeziehen zu können.
 




Karte 1 - Kartenprobe
Ausschnitt aus der "Karte der Nrentagruppe" 1:25.000 von 1908/38. Dreifarbiger Nachdruck 1987 unter Verwendung von Scanner-Farbauszügen, hergestellt am Bayerischen Landesvermessungsamt 1986.
 




Karte 2 - Kartenprobe
Ausschnitt aus der "Karte der Brentagruppe" 1:25.000 von 1908/38 mit grüner Waldflächenfarbe und rotem Wegeüberdruck im Aussehen der AV-Karten in der Zeit um 1960. Ergänzend bearbeitet durch das Kartographische Ingenieurbüro Tourneau, München 1987.
 




Karte 3 - Kartenprobe
Ausschnitt aus der "Karte der Brentagruppe" 1:25.000 von 1908/38 in der Neubearbeitung durch den Lehrstuhl für Kartographie und Topographie der Universität der Bundeswehr München, 1986/87 (Druckversuch).
 



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