Geländeerkundung und topographischer Einsatzbericht

Schriftenreihe
des Instituts für Geodäsie

Heft 24/1987


 
Geländeerkundung und
topographischer Einsatzbericht

Gustav NEUGEBAUER, München
 

In: NEUGEBAUER, Gustav (Hrsg.) [1987]:
BRENTA-MONOGRAPHIE.
Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Hochgebirgskartographie

mit Beiträgen von D. Beineke, H. C. Berann, W. de Concini, G. Hell, D. Herm, H. Immel, U. Kleim, G. Neugebauer, K. Ringle.
Schriftenreihe Studiengang Vermessungswesen, Universität der Bundeswehr München, Heft 24, Neubiberg, S. 93-107.
 



Wie in I "Einleitung" bereits angesprochen, fand im Jahre 1982 eine 14-tägige Geländeerkundung mit topographischer Versuchskartierung statt, bei der die "Karte der Brentagruppe" 1:25.000 von 1908/38 in einem ca. 41 qkm großen Gebiet zwischen Monte Spinale im Westen, Campo della Flavona im Osten, Pietra Grande im Norden und Cima Brenta im Süden auf ihre Fortführbarkeit hin untersucht wurde.

Es war von vornherein klar, daß der Ausgang dieser Geländeerkundung darüber entscheiden würde, ob die in ihrer Situation (Wegenetz, Siedlungen, Bewuchsverhältnisse, sonstige Bebauung) stark veraltete, in der Geländedarstellung (Felszeichnung, Höhenlinien im Schutt und im Vegetationsgelände) nach topographischen Aufnahmekriterien der Jahre 1905-1907 entstandene Karte für eine Fortführung geeignet ist oder nicht. Die Versuchskartierung von 1982 hat die Eignung bestätitgt, das heißt, die veraltete Brentakarte ist als Fortführungsgrundlage verwendbar. Es hat sich ferner gezeigt, daß die Felsregion (Fels- und Schuttgebiete), abgesehen von den Gletschern, die geringsten, die mittleren Höhenbereiche (Wald, Almwiesen) unterschiedliche hohe, die niederen Lagen (Gebirgsfußgürtel, Talböden) sehr hohe Veränderungen aufweisen. Das hängt weitgehend mit dem funktionalen Zustand der Brentagruppe von heute zusammen und macht gleichzeitig die Entwicklung seit 1900 deutlich: Ausbau von Alpinwanderwegen und Klettersteigen in der Höhe zur Förderung von Hochtourismus und Bergsteigen; Neuanlage von Wegen und Skiabfahrten in den mittleren Höhen, ursächlich im Zusammenhang stehend mit der aktiven Forstwirtschaft und dem Wintersport; Siedlungswachstum und Verdichtung des Wegenetzes im unteren Bereich, dort woe sich der Massentourismus ausbreitet; teilweise auch im Mittelbereich, wenn Bergbahnen diesen erschließen.

Ein Entwicklungsvorgang, der sich um 1900 bereits ankündigte, zeigt sich heute in ausgeprägtester Form. Eine gute topographische Karte ist in der Lage, diese zeitgemäßen Zustände festzuhalten und zu überliefern. Sie ist somit nicht nur ein nützlicher Gebrauchsgegenstand, sondern auch ein hervorragendes Zeitdokument.

...
 



zurück zur Übersicht des Heftes 24