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Entwicklung eines Decision-Support-Systems zur Generierung einer zuverlässigen, lokalmaßstäblichen Gefahrenbeurteilung potentieller Hangmurbereich

Dipl.-Geol. Friederike Meyer

        Derzeit werden zur Frühwarnung bzw. zur Erstellung nationaler und regionaler Gefahrenhinweiskarten vornehmlich GI-Systeme eingesetzt, die sich als mobiler Erfassungsclient darstellen und zum Ziel haben, neben Fachleuten wie Geologen und Bodenmechanikern, vor allem Nutzern ohne fundierte geotechnische Fachkenntnis vor Ort im Gelände bei der Gefahrenabschätzung zur Verfügung zu stehen. Trotz steter Bemühungen um eine möglichst präzise Simulationstechnik zur Ausscheidung potentieller Gefahrenpunkte, leiden GIS-gesteuerte Systeme durch data-, processing- and measurement Fehler nach wie vor unter Pauschalisierungen. Desweiteren können sie nur unzureichend auf spontan eintretende natürliche Änderungen im Einzugsgebiet eingehen.

        Es wird daher am Institut für Bodenmechanik und Grundbau der Universität der Bundeswehr München ein Decision-Support-System (DSS) für Hangmuren entwickelt, das auf Grundlage geologisch, hydrogeologisch und geotechnisch relevanter Faktoren einen präzisen, besonders für Laien verständlichen Leitfaden zur Generierung einer detaillierten, lokalmaßstäblichen Gefahreneinschätzung als Appendix zu bereits bestehenden, generalisierenden Gefahrenhinweiskarten an die Hand gibt, ohne eine aufwendige Kartierung im Gelände voranzustellen. Es wird bei der Verfolgung dieser Ziele durch Einbeziehung aller nach aktuellem Stand des Expertenwissens relevanten Faktoren eine Wissensbasis generiert, die zusammen mit einer gezielten, quasi geführten Vor-Ort-Begehung Pauschalisierungen und Übertragungsfehler minimiert und somit in punkto Genauigkeit Analyseergebnisse von Simulationssystemen verfeinert (Abb. 1).

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Abbildung 1: Aufbau der Wissensbasis

        Für den Anwender wird mit dieser Vorgehensweise die Komplexität der Simulation umgangen. Sie gibt vor allem Nutzern mit nur geringen Kenntnissen in Kartierung und Laborarbeit eine zuverlässige Bearbeitungsgrundlage für eine präzise Risikoquantifizierung ihres Projektgebiets. Vordergründig verfolgt die vorliegende Arbeit jedoch das Ziel, mit einer aktuellen Zusammenfassung und Quantifizierung aller entscheidenden geogenen und anthropogenen Parameter eine Diskussions- und Entscheidungsgrundlage zu schaffen, die für bestehende GI-Systeme einen Leitfaden zur Datenakquise darstellt und einen interdisziplinären Bogen spannt zu höherer Präzision von Simulationen. Bei Beurteilung sowohl der Grunddisposition als auch weiterer zusätzlicher Parameter wird Änderungen im Prozessgeschehen durch die Berücksichtigung aktueller Klimaprognosen mit einem erhöhten Lastfall Klimaveränderung Rechnung getragen (Abb. 2).

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Abbildung 2: Aufbau des DS-Systems

Mittels einer Kombination aus Statistik und Standsicherheitsberechnungen bietet das DS-System unter Berücksichtigung der Vielfältigkeit einflussreicher Parameter eine ergebnisrelevante Entscheidungsgrundlage, die stets eine Anpassung ans die örtliche Hangsituation sucht und dabei nicht von durch Karten festgeschriebenen Umweltbedingungen und Annahmen ausgeht.

        Die Arbeit wird von der Schweizer Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in der Schweiz durch die Bereitstellung umfangreicher Datenreihen zu flachgründigen Hangbewegungen unterstützt.

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