Massive Bogenbrücken

Massive Bogenbrücken des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

Massive Bogenbrücken des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

Das 19. Jahrhundert wird in der Bautechnikgeschichte weithin als das Jahrhundert des Eisens bezeichnet. Das Aufkommen der Eisenbahn, die Industrialisierung und die wachsende Mobilisierung der Menschen spiegeln sich in einzigartigen Brückenbauwerken wider. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Rückbesinnung auf massive Brückenkonstruktionen. Billigere Rohstoffe, einfacherer Transport, einfachere Herstellung, weniger Aufwand für den Unterhalt der Konstruktionen und nicht zuletzt auch ein geändertes ästhetisches Empfinden ließen zahlreiche massive Brücken entstehen.

Stellte zunächst noch das Mauerwerk den beherrschenden Materialtyp für Brücken dar, eröffnete die Entwicklung des Portlandzementes neue Möglichkeiten im Bau weitgespannter Bogen. Die Entwicklung vom Mauerwerk über Bruchstein-Zement bis hin zur Verwendung von Beton wird in diesem Projekt beleuchtet.

Hierbei liegt ein besonderer Schwerpunkt der Forschung auf der Verwendung von Stampfbeton. Diese Bauweise entwickelte sich aus der Pisé-Bauweise, bei der Lehm in Schalungen gestampft und so verdichtet wurde. Insbesondere in ländlichen Gegenden Frankreichs wurden zahlreiche Gebäude dieser Art erstellt. Die Verwendung anderer Bindemittel, nicht aber die grundsätzliche Änderung der Bauweise stellte die weiteren Entwicklungsschritte dar. Anstelle des Lehms wurde zunächst Kalkmörtel verwendet, später dann Zement. Die Entwicklung ging dabei von Frankreich aus, wo François-Martin Lebrun in den 1830ern mit ersten Stampfbetonbogentragwerken experimentierte. In Deutschland begann der Bau derartiger Tragwerke in den 1870er Jahren. Um die Jahrhundertwende tauchten dann bautechnische Verbesserungen wie die Verwendung von Gelenken auf: Da die massiven Konstruktionen immer wieder Risse aufwiesen, wurde den Konstruktionen durch den Einbau von Gelenken eine Bewegungsmöglichkeit gegeben.

Viele Brücken wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, zahlreiche Brücken mussten auch nach dem Krieg Neubauten weichen – oft auch weil die zuständigen Tragwerksgutachter die Stampfbetonbauweise nicht kannten und das Tragverhalten nicht einschätzen konnten. Ein wichtiges Anliegen ist es daher auch, das Tragverhalten zu untersuchen und Hinweise für die heutige Beurteilung der Tragfähigkeit geben zu können.

 

Methodik:

  • Recherche von noch vorhandenen Brückentragwerken
  • Dokumentation vorhandener Brückentragwerke (deutschlandweit mit Schwerpunkt in Bayern und Baden-Württemberg)
  • Recherche zeitgenössischer Literatur und Archivalienforschung

Ziele:

  • Erfassung der Brückenbauwerke
  • Dokumentation noch vorhandener Brückentragwerke
  • Entwicklungsgeschichte der Massivbogenbrücken insbesondere im Hinblick auf die Verwendung von Zement
  • Rekonstruktion der Bauweise anhand vor Ort gefundener Befunde sowie Hinweisen aus der Literatur
  • Einordnung hinsichtlich Konstruktion und Tragverhalten

Publikationen aus dem Projekt:

  • Veihelmann, Karen; Holzer, Stefan: Early concrete bridges without reinforcement. In: Jasienko, Jerzy (Hrsg.): Proceedings of the International Conference on Structural Analysis of Historical Constructions, SAHC 2012. Breslau, 15.-18. Okt. 2012, Bd .3, S.2245-2250.

 

Bearbeiter:  Dipl.-Ing. Karen Veihelmann M.A., Univ.-Prof. Dr.-Ing. Stefan M. Holzer