Wenn nicht jetzt, wann dann

Dezember 2015: Dienstzeitende? Der ideale Moment, um sich selbstständig zu machen, findet André Wehr. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Kommilitonen Markus Kriesch hat er das Startup Cayero gegründet. Für Unternehmertum interessierte er sich schon während seines Maschinenbaustudiums an der Universität der Bundeswehr München (2006 bis 2010). Die Geschäftsidee hat sich seitdem noch ein paar Mal verändert – die Begeisterung für die Selbstständigkeit hält an.
Wenn nicht jetzt, wann dann

André Wehr ist Maschinenbau-Alumnus und Startup-Gründer

 

Wann haben Sie begonnen, sich mit dem Thema Übergang militärische Karriere – zivile Karriere zu beschäftigen?

Zum Ende der Studienzeit habe ich schon viel Literatur gelesen zum Thema Entrepreneurship und Existenzgründung. Markus (Kriesch, Anm. d. Red.) war auch gleich Feuer und Flamme dafür. Direkt im Anschluss an die Studienzeit haben wir bei Prof. Werner Muntzinger eine freie wissenschaftliche Arbeit in Nebentätigkeit im Bereich Berechnung, Simulation und Finite Elemente aufgenommen. Wir haben bei vielen Projekten mitgearbeitet, Berechnungen durchgeführt und Studenten bei ihren Abschlussarbeiten unterstützt. Das war eigentlich das Gebiet, wo es für uns perspektivisch beruflich hingehen sollte: Wir bauen ein Ingenieurbüro für Simulationen und Berechnungen auf.

Diese Pläne änderten sich aber noch einmal, je näher das Ende der Dienstzeit kam.

Ja, wir haben uns dann selbst hinterfragt: Ist das wirklich das Thema, das uns weiter beruflich begleiten soll? Oder anders ausgedrückt: Wollen wir uns wirklich jeden Tag vor Analysen und Berechnungen setzen? Wir haben uns viel damit beschäftigt, was unser Schwerpunkt sein sollte und was uns wirklich Spaß macht. So ist eine ganz andere Idee entstanden: Wir wollen Soldaten, denen es ähnlich geht wie uns, bei den Themen „Bildung“ und „Karriere“ unterstützen und Lebenswege aufzeigen, die sie glücklich machen.

Was genau umfasst nun Ihr Angebot?

Wir haben eine GbR gegründet und sind 2015 Vollzeit in die Entwicklung der Web-Plattform Cayero eingestiegen, die seit diesem Oktober online ist. Die Plattform richtet sich als erste Zielgruppe an Soldaten. Sie hilft ihnen, berufliche Orientierung, die richtigen Bildungspartner und passenden Arbeitgeber zu finden.

Als studierter Maschinenbauer – ist Ihnen der Abschied vom Berufsbild des Ingenieurs denn gar nicht schwer gefallen?

Nein, das ist mir persönlich überhaupt nicht schwer gefallen. Mir hat das Studium zwar Spaß gemacht, aber ich habe dann reflektiert – wie bin ich eigentlich zu diesem Studium gekommen? War ich damals zum Ende meiner Schulzeit beeinflusst, von Freunden, von den Eltern? Vielleicht hätte mir das Thema Unternehmertum auch schon früher Freude gebracht. Aber die Bundeswehr bietet eben nicht alles als Studium an.

Wie gehen Sie mit dem wirtschaftlichen Risiko um, das der Schritt in die Selbstständigkeit mit sich bringt?

Auch in dieser Hinsicht ist jetzt der bestmögliche Zeitraum, den man nur haben kann, um sich selbstständig zu machen. Wir bekommen als ehemalige Offiziere ja über 24 Monate ein – wenn auch geringeres – Gehalt weiterbezahlt. So eine Chance gibt es nie mehr.

Typisch für Selbstständige, gerade in der Gründungsphase, ist ja, dass sich Tag und Nacht alles um die Arbeit dreht. Gelingt Ihnen die „Work-Life-Balance“?

Da habe ich für mich für den Alltag noch keine Lösung gefunden. Wir haben aber zumindest erkannt, dass wir die Chance nutzen sollten, viel flexibler zu arbeiten. Wir müssen nicht mit unseren Angestellten jeden Tag im Büro sitzen, sondern können raus oder von Zuhause aus arbeiten. Es fällt natürlich schwer, komplett abzuschalten. Andererseits kommen mir genau in solchen Situationen, z.B. auf dem Fußweg nach Hause, noch mal Einfälle, für die ich sonst wahrscheinlich stundenlang nachdenken müsste.

Welche Vorteile erkennen Sie bisher in der Selbstständigkeit?

Ich kenne ja sonst nur die Angestelltentätigkeit bei der Bundeswehr. Was mir aufgefallen ist – und das wird bei großen Wirtschaftsunternehmen ähnlich sein: Wenn ich der Typ bin, der gerne neue Vorschläge einbringt, die dann an anderer Stelle, vielleicht auch einige Hierarchieebenen drüber, kein Gefallen finden, kann das leicht demotivieren. Das war ein Aspekt für mich, jetzt die Chance zu ergreifen, Ideen und Wege mitzubestimmen. Und bisher sind die Monate nur so verflogen. Das ist immer ein gutes Zeichen, dass der Beruf Freude bringt. Ich hab nie den Blick auf der Uhr und sage, wann wird’s jetzt endlich 18 Uhr, dass ich nach Hause darf.

 

Wer passt zu mir?
Das Online-Portal Cayero vermittelt Bildungspartner

Welcher Lebenspartner passt zu mir? Welcher Bildungspartner passt zu mir? Auf den ersten Blick gibt es bei diesen Themen doch ganz erhebliche Unterschiede! Schließlich ist die Suche nach dem Partner fürs Leben eine Herzensangelegenheit, bei Bildungsangeboten geht es eher um Kopf und Karriere. Doch rein mathematisch betrachtet, sind die Unterschiede gar nicht so groß. Zumindest wenn man den Bereich der Online-Vermittlung betrachtet. Die beiden Alumni der Universität der Bundeswehr München, Markus Kriesch und André Wehr, haben gemeinsam mit Prof. Reinhard Finsterwalder von der Fakultät für Betriebswirtschaft, für ihr Online-Portal Cayero einen Matching-Algorithmus entwickelt, der speziell Soldaten auf der einen Seite und die Anbieter von Bildungsprogrammen auf der anderen Seite zusammen bringen soll. Der Algorithmus funktioniert ähnlich wie bei den üblichen Online-Partnervermittlungsbörsen. Der Nutzer hinterlegt Kriterien – in diesem Fall Bildungsthema, Wunschort, Zeitraum und Budget – und erhält eine Trefferliste, die ihm zeigt, welche Bildungsangebote am besten zu ihm passen. „Das soll dazu dienen, dass der Soldat sich Zeit spart und sich nicht durch Tausende von ähnlich anmutenden Angeboten wühlen muss, sondern aufgrund seiner Suchanfrage gleich passende Vorschläge bekommt“, so André Wehr.

 

 

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