"Konsequent die Chance ergreifen"

Januar 2014: Günther Schmitz, heute Vizepräsident des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA) mit rund 2.500 Mitarbeitern, studierte von 1973 bis 1976 Maschinenbau (2 Trimester) und Luft- und Raumfahrttechnik an den Universitäten der Bundeswehr Hamburg und München. Im Interview spricht er über entscheidende Weichenstellungen in seiner Karriere.
"Konsequent die Chance ergreifen"

Günther Schmitz, Alumnus und Vizepräsident des DPMA

Wie erlebten Sie als ein Student des ersten Jahrgangs das Studium bei der Bundeswehr? 

Sowohl in Hamburg als auch in München war die Hochschule noch ein Provisorium. Man hat aber ganz deutlich die Aufbruchstimmung gespürt und sich von den Umständen nicht stören lassen. Es gab einen großen Zusammenhalt unter den Studierenden. Wir waren uns schon alle darüber im Klaren, dass wir eine neue Generation von Offizieren sind, die eine besondere Erwartungshaltung zu erfüllen haben. Was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist der hohe Leistungsdruck: 1. Oktober 1976 – bis dahin musste das Studium abgeschlossen sein, denn die Personalplanung für die Zeit danach stand schon fest.

 

Nach dem Studium arbeiteten Sie als Hubschrauberpilot und Technischer Offizier. Wie gelang der Übergang zum Deutschen Patent- und Markenamt?

Mein General hat eigentlich von mir erwartet, dass ich Berufsoffizier werde. Ich habe aber für mich die Entscheidung getroffen, es beim Zeitoffizier zu belassen. Denn ich habe frühzeitig begonnen, mich auf dem Markt umzusehen. Aus familiären und geografischen Gründen fiel die Entscheidung auf München. Das Patentamt gab mir die Perspektive, technisch in der Breite tätig zu sein und bot viele Entwicklungsmöglichkeiten. Das hat sich dann ja auch als richtig herausgestellt.

Sie sind beim DPMA vom Patentprüfer zum Vizepräsidenten aufgestiegen. Was waren entscheidende Momente dieses Aufstiegs?

Ich bin als Offizier so erzogen worden, dass man sich Ziele setzt. Ich habe mir sicher nicht das Ziel gesetzt, Vizepräsident zu werden. Aber ich habe mir schon ein Ziel gesetzt, das ich von vorneherein anzustreben versucht habe. Ich habe mich in unterschiedlichen Aufgabenbereichen positioniert, z.B. an Richtlinien mitgearbeitet: Kleine Sonderaufgaben, die letztendlich dazu führen, dass man nicht in der Masse verschwindet. Der wesentliche Moment kam aber erst sehr spät. Da bin ich vor die Entscheidung gestellt worden, ob ich meinen Weg hier beim Patentamt fortführen möchte und die Stelle des Vizepräsidenten annehme oder zum Bundespatentgericht gehe und Vorsitzender Richter werde. Das war eine ganz entscheidende Weiche in meinem Leben.

Ist das eine Entscheidung, die man mit dem Kopf oder mit dem Bauch fällt?

Das ist eine Entscheidung, die man nur mit dem Kopf treffen kann – wobei man den Bauch nicht außer Acht lassen soll. Die Tätigkeit eines Vorsitzenden Richters in einem Bundesgericht unterscheidet sich signifikant von der eines Vizepräsidenten. Dies hier ist eine Managementaufgabe, eine Führungsaufgabe, eine Entscheidungsaufgabe. Täglich müssen Entscheidungen getroffen werden. Man muss von vielem viel, aber nicht alles verstehen. Ich sehe mich aufgrund meiner Tätigkeit bei der Bundeswehr eher als eine Führungspersönlichkeit. Insofern war das schon konsequent, die Chance zu ergreifen, weiterhin eine Führungsaufgabe wahrzunehmen.

Sie sind seit über 25 Jahren beim DPMA – würden Sie das Amt auch unseren Alumni als Arbeitgeber empfehlen?

Auf jeden Fall. Wir stellen in den nächsten Jahren jedes Jahr mindestens 20 neue Patentprüferinnen und -prüfer ein. Gegenüber der Industrie punkten wir mit besseren Arbeitsbedingungen, mit einem sicheren und zukunftsfähigen Arbeitsplatz, mit den ganzen Rahmenbedingungen des öffentlichen Diensts wie flexibler Arbeitszeitgestaltung und Telearbeitsplätzen. Wir haben in unseren Reihen eine durchaus bemerkenswerte Anzahl studierter Offiziere. Was uns an den meisten der jungen Leute, die wir aus dem Bereich der Bundeswehr eingestellt haben, so wichtig war, ist die praktische Erfahrung mit technischem Gerät. Ansonsten muss der technische Prüfer eine gewisse  Neugier für Erfindungen mitbringen. Wir entwickeln den Stand der Dinge ja nicht selbst weiter. Wir prüfen bloß, ob das, was uns vorgelegt wird, schon da ist oder nicht. Man muss an Neuem interessiert sein, man muss neugierig sein, ob das was bei uns angemeldet wird, auch wirklich neu ist.
 

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