"Karrieresprung mit Risiko"

April 2014: Thiemo Fojkar, Pädagogik-Student von 1977 bis 1981, ist heute Vorsitzender des Vorstandes des Internationalen Bundes, einem Anbieter von Dienstleistungen in den Bereichen Soziale Arbeit und Berufliche Bildung mit 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Deutschland. Im Interview berichtet Fojkar über seinen Karriereweg.
"Karrieresprung mit Risiko"

Thiemo Fojkar, Vorstandsvorsitzender des Internationalen Bundes

Kürzlich erschien in der Wirtschaftswoche ein Artikel mit dem Titel „Was Manager von Offizieren lernen können“, z.B. bezüglich Führungs- und Entscheidungsstärke oder Stressresistenz. Sind Offiziere tatsächlich die besseren Manager?

Mit der Entscheidungsstärke ist es immer so eine Sache, das ist auch eine Persönlichkeitsfrage. Aber Stressmanagement und in jungen Jahren bereits Verantwortung zu übernehmen, lernen Offiziere. Von diesen Erfahrungen profitiere ich bis heute. Ich vergleiche oft Situationen, die ich im Unternehmen habe, mit Situationen, die ich bei der Bundeswehr hatte. Da hat man schon eine sehr gute Grundlage bekommen für den weiteren Lebensweg.


 

Sie sind Ihrem Studienfach Pädagogik treu geblieben und haben im Bildungssektor Karriere gemacht. Wie verlief Ihr Aufstieg?

Bei der Bundeswehr war ich zuletzt – 1988 – Kompaniechef in Koblenz. Dann bin ich zum Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft gegangen. Ich habe dort als Referent Seminare begleitet und konzipiert. Für einige Jahre bin ich zum Arbeitgeberverband  Südwestmetall in den Bereich Bildungspolitik gewechselt. Zurück beim Bildungswerk habe ich zunächst die stellvertretende Geschäftsführung und 2005 die Geschäftsführung übernommen. Im Jahr 2009 bin ich zum Internationalen Bund nach Frankfurt in den Vorstand gekommen. Seit 2013 bin ich Vorsitzender dieses Vorstands.

Gab es rückblickend einen Zeitpunkt, der besonders entscheidend war für den weiteren Karriereverlauf?

Das war das Jahr 2009. Ich war ja schon 21 Jahre beruflich aktiv im Umfeld Bildungswerk Baden-Württembergische Wirtschaft, das sehr stark zusammenhängt mit den Arbeitgeberverbänden. Da war es eine große Entscheidung, aus diesem mir bekannten Umfeld herauszugehen und eine neue Herausforderung zu suchen. Ich habe das als Chance erkannt und den Sprung zu einem privaten Anbieter aus dem Bereich „Bildung und Soziale Arbeit“ gewagt – mit einem entsprechenden Risiko. Es hat sich gelohnt, aber das hätte genau so gut auch anders laufen können, und ich hätte diesen Schritt bereut.

Was sind Ihre Hauptaufgaben und Herausforderungen als Vorstandsvorsitzender?

Ich habe vor allem die Aufgabe der strategischen Weiterentwicklung und Repräsentanz des Internationalen Bundes, auch auf politischer Ebene in Berlin. Die größte Herausforderung zurzeit ist die Umstrukturierung des Unternehmens. Das bedeutet, interne Veränderungen so zu gestalten, dass sie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nachvollziehbar sind, und gleichzeitig das Kerngeschäft nicht zu vernachlässigen.

Sie haben als Diplom-Pädagoge steile Karriere gemacht. Der Berufseinstieg ist für Pädagogik-Absolventen oft schwieriger als für Absolventen aus dem IT- oder Ingenieurbereich. Was sind Ihre Tipps für die Karriere nach der Bundeswehrzeit?

Es gehört auch eine Portion Glück dazu. Vorstandsvorsitzender eines großen Unternehmens zu werden kann man anstreben – aber nicht planen. Es ist natürlich notwendig, professionelle Arbeit abzuliefern und über den Tellerrand hinauszuschauen. Das habe ich immer gemacht: Also nicht nur in einer Unternehmenseinheit verharren, sondern die Augen offen halten, was machen die anderen, welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es und sich aktiv um neue Herausforderungen bemühen. Und man sollte beharrlich sein Ziel verfolgen, auch Rückschläge einstecken können. Eine Karriere wie in den technischen Berufen ist in Bereichen wie der Pädagogik so kaum darstellbar. Da gibt es keine Karrierepläne, die man von vorneherein über 20, 25 Jahre verfolgen kann. Da kommt es wirklich auf ein großes Maß an Eigeninitiative an.
 

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