"Eine fantastische Möglichkeit"

Mai 2017: Ab und an das Berufsbild wechseln? Das macht Alumnus Berthold Best (BAU 1985 bis 1989) etwa alle zehn bis 15 Jahre: erst Fernmeldeoffizier, dann Bauassessor, jetzt Hochschullehrer.
"Eine fantastische Möglichkeit"

Berthold Best lehrt aktuell in Australien

 

Aktuell untersucht Berthold Best in „Down Under“, was uns die australische Straßenverwaltung voraushat. Am Herzen liegt ihm jedoch nicht nur das Straßenwesen, sondern auch die Ausbildung des Nachwuchses: Sehr gerne würde er beim Oberprüfungsamt für das Technische Referendariat auch einmal ehemalige Offiziere prüfen, denen er diesen Karriereweg ausdrücklich empfiehlt.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr Bauingenieur-Studium in Neubiberg?

Ich zehre noch heute sehr intensiv von den Erinnerungen an meine Professoren. Wir waren nur 22 Studenten, in der Vertiefungsrichtung Verkehr bei Professor Schmuck dann nur noch zu sechst. Die „Vorlesungen“ fanden also fast schon in einem privaten Rahmen statt.

Nach dem Studium waren Sie Fernmeldeoffizier in Heidelberg und hatten keinerlei Bezug mehr zum Bauingenieurwesen. Wie verlief der Übergang in die zivile Karriere nach der Dienstzeit?

Der Berufsförderungsdienst hat eine Veranstaltung über Berufsmöglichkeiten im Öffentlichen Dienst angeboten. Da hat ein Ausbildungsleiter Straßenverwaltung Rheinland-Pfalz vorgetragen und für die Laufbahn des Höheren Technischen Verwaltungsdienstes geworben. Die Entscheidung dafür bedeutete, dass sich ein zweijähriges Technisches Referendariat an meine Dienstzeit anschloss. Ich habe das seinerzeit als eine fantastische Möglichkeit empfunden, Fachkenntnisse auf den neuesten Stand zu bringen. Die Ausbildung habe ich von der Tiefe und der Intensität her als erstklassig in Erinnerung. Wie viel Zeit - im Rückblick betrachtet - die erfahrenen Kollegen sich genommen haben, wo ich überall mitgehen durfte und lernen konnte.

Ein Referendariat zu machen bedeutet monetär aber zunächst einen Rückschritt, oder?

Es ist in der Tat so, dass man nur ein Ausbildungsgeld bekommt, das relativ gering ist. Aber ich hatte ja Anspruch auf die Übergangsgebührnisse der Bundeswehr. So war ich während meines Referendariats nie schlechter gestellt als in meinem letzten Dienstjahr, und nach zwei Jahren machte ich die Große Staatsprüfung zum Bauassessor.

Warum ist das Technische Referendariat speziell geeignet für ehemalige Offiziere?

Viele Offiziere sind bei der Bundeswehr in erster Linie als militärische Führer und eben nicht als Fachmann in dem Gebiet, das sie studiert haben, eingesetzt. Durch das Referendariat haben sie die Möglichkeit, die Kenntnisse nochmal aufzufrischen und zu vertiefen. Offiziere hatten zudem bereits in mannigfaltiger Weise mit der Wehrverwaltung zu tun. So ist sichergestellt, dass sie sich in Verwaltungsabläufe sehr leicht einfinden. Und gerade das verschafft ihnen einen großen Vorteil zu Bewerbern, die aus der freien Wirtschaft wechseln oder eben Berufsanfänger sind und von der Hochschule kommen. Denn denen fehlt die Verwaltungserfahrung.

Was waren denn spannende Projekte, die Sie selbst in der Bauverwaltung betreut haben?

Ich habe zum Beispiel mitgebaut an der S-Bahn Rhein-Neckar, dem neuen Bahnhof mitten in der Stadt Ludwigshafen. Das letzte große Projekt, das ich mit angeschoben habe, ist das Projekt City West in Ludwigshafen. Eine der beiden Hochstraßen wird abgerissen und durch eine ebenerdige Stadtstraße ersetzt. Das ganze Projekt, mit europaweiten Ausschreibungen der Ingenieurleistungen, habe ich betreut, bis ich an die Technische Hochschule nach Nürnberg gewechselt bin.

Warum noch einmal dieser Wechsel, der ja beruflich und geografisch große Veränderung brachte?

Ich habe über die Jahre, allein 15 Jahre bei der Stadtverwaltung Ludwigshafen, ein sehr breites Fachwissen angesammelt. Und ich habe mir immer überlegt, wie schaffe ich es, dieses Fachwissen nicht nur an meine Mitarbeiter weiter zu geben, sondern an eine breitere Zielgruppe. Und so reifte in mir der Entschluss, mich für eine Professur zu bewerben. An der TH Nürnberg lehre ich seit 2012 als Professor Straßen- und Eisenbahnbau. Das ist ein Wechsel, den ich bis heute keinesfalls bereue.

Für die nächsten Monate verlassen Sie aber auch Nürnberg schon wieder …

Ich habe ein halbes Jahr eine Gastprofessur in Australien, am Royal Melbourne Institute of Technology. Ich lehre Transport Engineering. Und ich werde mich meinen Forschungen in dem Bereich systematische Straßenerhaltung widmen. Da ist Australien sehr weit, insbesondere die Straßenverwaltung von Westaustralien, die sich sehr viel mit KPIs, Key Performance Indicators, beschäftigt hat. In Deutschland überlegt man, diese auch im Straßenwesen einzuführen.

Weitere Informationen zum Technischen Referendariat:

www.oberpruefungsamt.de

www.bmvi.de

 

 

Ihr Interview auf den
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