"Der Reiz der neuen Aufgabe"

August 2016: Hans-Christian Witthauer (MB 1986) hat einen der schwersten Jobs der Republik: mit über 5.000 Einstellungen im Jahr den aktuell großen Personalbedarf des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zu decken.
"Der Reiz der neuen Aufgabe"

Beim BAMF für die Personalgewinnung zuständig: Hans-Christian Witthauer

Sie sind als Gast und Redner am Tag der Bundeswehr auf den Campus Ihrer Universität zurückgekehrt – wurden da Erinnerungen an die eigene Studienzeit wach?

Ja, ich habe viele positive Erinnerungen, das Studium war eine tolle Zeit. Das Miteinander, die Kameradschaft war bei uns besonders ausgeprägt, weil wir mit nur 42 Personen ein kleiner Studienjahrgang waren. Aber es hat sich an der Universität seitdem auch sehr viel verändert.

Sie haben die Universität als diplomierter Maschinenbauingenieur verlassen – heute sind Sie verantwortlich für Personalentwicklung und Personalgewinnung. Passt das denn zusammen?

Im Studium geht es ja nicht nur um die Inhalte, sondern man lernt eine bestimmte Denk- und Herangehensweise kennen. Außerdem ist das Studium nur ein Teil der Offizierlaufbahn. Ich war jahrelang Soldat, habe auch die Generalstabsausbildung absolviert. Was einen Offizier ausmacht, ist, dass er in dem Feld Führung wirklich Kompetenzen und Fähigkeiten besitzt.

Wieso sind Sie nicht Berufssoldat geblieben?

Ich habe 2008 aus dem Status Berufssoldat heraus den Dienstherrn gewechselt und bin zur Bundesagentur für Arbeit gegangen. Frank-Jürgen Weise (Chef der Bundesagentur für Arbeit, Anm.d.Red.) hat in den Bereichen, in denen ich als Bataillonskommandeur tätig war, als Reserveoffizier geübt. Er schätzt die Fähigkeiten von Offizieren und suchte sie gerade für den Reformprozess, für den Umbau der Arbeitsagentur.

War der Wechsel eine schwierige Entscheidung für Sie?

Ich habe mir schon eine Entscheidungsmatrix aufgemalt und überlegt, was das bedeutet. Aber der Reiz der neuen Aufgabe war groß. Und mit meinen jetzigen Funktionen – ich bin Oberst der Reserve, ich bin im Beirat Innere Führung der Ministerin – ist die Verbindung zu den Streitkräften nach wie vor ganz intensiv gegeben.

Im vergangenen Herbst kam für die Bundesagentur für Arbeit eine Herkulesaufgabe dazu: das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Mit beruflichen Folgen auch für Sie …

Frank-Jürgen Weise hat die Leitung des BAMF übernommen und dazu Führungskräfte, unter anderem mich, aus der Bundesagentur für Arbeit mitgebracht. Meine Aufgabe ist im Schwerpunkt die Frage der Personalgewinnung. Das ist schon eine herausfordernde und gewaltige Aufgabe, allein der Faktor Zeit und die Dimension dessen, was wir machen: Mitte letzten Jahres hatte das BAMF knapp 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Ziel ist es, dieses Jahr auf 7.300 anzuwachsen. Für die Ebene der Entscheider und Bürosachbearbeiter haben wir fast 80.000, für die Führungskräfte ca. 6.000 Bewerbungen. Die müssen Sie alle mal in der Hand gehabt haben, sich die anschauen und eine Auswahl treffen. Bei den Bewerbungen für Führungskräfte sind übrigens auch Soldaten dabei. Ich habe über die Bundeswehr einen Aufruf gestartet für ausscheidende Zeitoffiziere. Aus den eingegangenen Bewerbungen werden wir einen Teil einstellen. Dabei ist der Studiengang für die Funktion nicht bestimmend. Ich suche eine Führungskraft – und da weiß ich, was ich beim Offizier bekomme.

Was ist beim BAMF bereits geschafft – was ist noch zu tun?

Wir haben im Moment knapp 6.000 Personen an Bord, darüber hinaus 1.800 Abordnungen. Wir sind unserem Ziel der 7.300 schon deutlich näher gekommen, aber ein Stück haben wir noch zu gehen. Momentan ist das Aufkommen an Flüchtlingen nicht ganz so hoch wie im letzten Jahr. Aber wir haben immer noch einen erheblichen Rückstau an Anträgen, die zu bearbeiten sind. Auch das arbeiten wir konsequent ab, und ich bin zuversichtlich, dass wir das bis zum Ende des Jahres schaffen.

Ihr Sohn studiert seit kurzem an der Universität der Bundeswehr München – haben Sie ihm zugeraten?

Meine Frau und ich haben ihn nie in den Offizierberuf gedrängt, den hat er sich selbst ausgesucht. Zu dem Zeitpunkt, als es darum ging, sich für die Laufbahn zu bewerben, habe ich mich sogar ganz bewusst zurückgehalten. Er macht das Psychologiestudium, und es gefällt ihm bislang sehr gut.

 

Ihr Interview auf den
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