Als Prof zurück an die Uni

April 2016: Vor eineinhalb Jahrzehnten saß er selbst in den Hörsälen der Universität der Bundeswehr München, als Student der Elektro- und Informationstechnik 1999 bis 2002. Auch heute ist Andreas Knopp wieder oft im Hörsaal zu finden – allerdings ganz vorne und meistens muss er stehen: Er ist Professor für Informationsverarbeitung an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik. Wie es dazu kam? Er hat einfach nie aufgehört, wissenschaftlich zu arbeiten – und hatte verständnisvolle Personalführer.
Als Prof zurück an die Uni

Bleibt der Bundeswehruni treu, aber hat die Seiten im Hörsaal gewechselt: Prof. Andreas Knopp

 

Mal ganz ehrlich – auf welcher Seite des Hörsaals ist es angenehmer: als Student in einer der hinteren Sitzreihen oder als Professor ganz vorne an der Tafel?

Keine ganz einfache Frage. Grundsätzlich ist die Seite, auf der ich jetzt bin, schöner. Weil man die Aufmerksamkeit hat und die Dinge so machen kann, wie man sie selbst gut findet. Das genieße ich schon. Manchmal beneide ich aber auch die Studenten, die einfach nur drin sitzen und sich das Wissen abholen. Gerade wenn man sich viel Mühe gemacht hat und ins Schwitzen kommt, um es gut rüberzubringen. Da denk ich mir schon: „Du hast es gut. Du sitzt da und hörst Dir das einfach an“.

Waren Sie selbst denn ein guter Student?

Einigermaßen. Ich war schon ganz ok.

Ticken die Studenten heute anders?

Ich habe nicht den Eindruck. Allerdings haben sie heute ein deutlich durchgeplanteres Studium. Diesen Unterschied zwischen Master und Diplom, den erkennt man schon. Die Freiräume sind geringer geworden. Viele Studenten sind ernsthafter. Die müssen die Taktung einhalten, können sich keine Lücken leisten. Wir hatten ja früher Prüfungsblöcke. Da gab’s schon auch mal eine Phase, in der man nicht 100-prozentig am Ball war.

Als Sie 2002 Ihr Diplom in Händen hielten – hätten Sie da gedacht, dass Sie als Professor wieder auf den Campus zurückkommen?

Nein, überhaupt nicht. Nicht, weil ich das nicht wollte, sondern weil ich nicht der Typ bin, der das so geplant hat. Ich bin fasziniert davon, wie in dieser wissenschaftlichen Welt manche Leute ganz früh ihre Karriere planen. Das war bei mir gar nicht so. Was ich gerne machen wollte, war eine Promotion. Mein Betreuer, Prof. Tröndle, hat sich sehr dafür eingesetzt. Und in der Bundeswehr kommt es ja darauf an, wer Dein Personalführer ist. Ich hatte einen, der gesagt hat, ja, das ist gut. Der hat mir das ermöglicht, drei Jahre als militärischer Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Danach habe ich für das erste Satellitenkommunikations-Projekt der Bundeswehr gearbeitet.

Hatten Sie Optionen, zum Dienstzeitende in die Privatwirtschaft zu wechseln?

Ja. Aber meine Erkenntnis war: Die zahlen deutlich besser, aber deswegen macht es noch lange nicht mehr Spaß. Und das war für mich entscheidend. Geld – das war mir nicht ganz so wichtig. Ich wurde technischer Verwaltungsbeamter im jetzigen BAAINBw.

Und wie ging es zurück an die Bundeswehruni?

Ich hatte während der ganzen Zeit weiter wissenschaftlich gearbeitet. Bei einem Kolloquium hier sprach mich ein Kollege an, ob ich nicht jemanden kenne, der sich für eine Professur bewerben könnte. Da habe ich gesagt: „Ja, mich!“

Was sind die Themen an Ihrer jetzigen Professur für Informationsverarbeitung?

Wir forschen auf dem Gebiet der Satellitenübertragung. Dabei machen wir von der Theorie bis zum praktischen Nachweis alles. Das ist auch ein Anspruch, den ich an jede Promotion stelle. Bei mir geht hier keiner promoviert raus, der nicht ein Stück Hardware in der Hand hatte. Denn dafür sind wir Ingenieure geworden, das gehört einfach dazu.

Haben Sie Tipps für Studierende und Alumni, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben?

Die Bedingungen für militärische Wissenschaftliche Mitarbeiter sind nicht mehr so gut, wie sie waren. Ich verstehe die Argumentation der Bundeswehr nicht, warum das nicht als normale Dienstzeit anerkannt wird. Aber wenn es darum geht, wissenschaftlich dran zu bleiben, ist das wichtigste, nach dem Studium einfach weiter zu machen. Die Angebote stehen. Es ist ja noch kein ehemaliger Student, der gesagt hat, er möchte an einem Thema weiterarbeiten, abgewiesen worden. Wenn die Bereitschaft da ist, kriegt man immer Unterstützung. Das hat nichts mit mir zu tun, das machen die Kollegen nicht anders.

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