Als Nichtraucher zum Zigarettenkonzern

August 2015: Gerhard Schermutzki, Personalberater aus Augsburg, organisierte im Rahmen des 6. Alumni-Kongresses das erste Treffen seines Jahrgangs Pädagogik 1973. Viele der ehemaligen Kommilitonen haben sich das erste Mal seit knapp 40 Jahren wiedergesehen. Da musste er als Organisator manchmal beim „Wiederkennen“ unterstützen und mit Namen auf die Sprünge helfen. Wie unterschiedlich die Berufswege seiner Kommilitonen verliefen – und wie er selbst entscheidende Momente seiner Karriere erlebt hat, berichtet er im Interview.
Als Nichtraucher zum Zigarettenkonzern

Gerhard Schermutzki zählt als Personalberater viele große Konzerne zu seinen Kunden

 

Sie haben nach langer Zeit viele Ihrer ehemaligen Kommilitonen wiedergesehen. Wie sind deren Karrieren nach dem Studium verlaufen?

Der überwiegende Teil des Jahrgangs ist Berufssoldat geworden, bestimmt 50 oder 60 Prozent. Der Rest hat ganz unterschiedliche zivile Karrieren gemacht, in der Verwaltung, oder bei EADS, heute Airbus; einer hat eine Personalleiterfunktion bei einem großen Unternehmen. Andere haben in der Selbstständigkeit Karriere gemacht – also unterschiedliche Karrieren, aber durchaus interessante.

Und wie war es bei Ihnen?

Mein erster Job war beim damals größten Fachverlag Deutschlands, dem WEKA-Verlag, im Anzeigenverkauf. Das war ein ziemlich hartes Geschäft, da habe ich mir die Hörner abgestoßen, eine Menge gelernt – und gemerkt: Ich kann auf Menschen zugehen, die hören mir zu. Ich bin dann zu einem Trainingsanbieter nach Wiesbaden gewechselt und habe aus diesem Job heraus an einem Buch mitgeschrieben: „Bewerbertraining für Zeitsoldaten“. Mit dem Buch war ich im Sommer 1988 auf der ersten Seite der Bildzeitung. Das hat für Aufmerksamkeit gesorgt, ich habe viele Telefonanrufe bekommen, u.a. von einem bekannten Personalberater aus München, der sagte: ‚Herr Schermutzki, ich habe da einen Job – haben Sie Interesse?‘ Ich war neugierig und habe mir das Angebot angeschaut. Es ging um Philipp Morris – und ich war doch Nichtraucher …

Sie haben es aber trotzdem gemacht?

Ja, ich wurde Personalreferent bei Philipp Morris, das war im Mai 1989. Und Sie wissen ja, was im November 1989 passiert ist … Da bin ich in eine Situation geraten, die ungewöhnlich war und die es so nie wieder geben wird, es war toll: Ich habe den gesamten Verkaufsaußendienst von Philipp Morris in den neuen Bundesländern mit aufgebaut. Ich war vier Jahre bei Philipp Morris, zuletzt als Leiter Personalentwicklung, danach gut zwei Jahre Personalleiter bei einem französischen Pharmaunternehmen. Dann hat mich jemand angesprochen, den ich schon lange kannte. Er ist heute Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit …

… Frank-Jürgen Weise?

Ja, der war damals Mitgeschäftsführer einer mittelgroßen Personalberatung in Frankfurt und da bin ich 1995 eingestiegen. Nach ein, zwei Jahren wollte ich eigentlich alles wieder hinschmeißen – aber just in dem Moment habe ich zwei große Mandate bekommen, nur auf Eigeninitiative. Da ist der Knoten geplatzt. 1998 habe ich mich mit meiner eigenen Beratung in Augsburg selbstständig gemacht – und habe es nicht bereut. Natürlich gibt es Ups und Downs, Wellentäler, die Sie mitmachen müssen. Die Branche ist abhängig von der wirtschaftlichen Situation im Land. Aber ich habe mich in der Personalberatung spezialisiert, ich besetze nur Human Resources Positionen und bin so auf dem Markt bekannt. Ich habe eigentlich nur große Kunden, in der Regel Konzerne. Ich arbeite nicht nur in Deutschland, sondern auch über die Grenzen hinweg.

Spielen bei Ihrer Personalberatung ausscheidende Zeitoffiziere eine Rolle?

Ich habe mittlerweile schon einige ausgeschiedene studierte Offiziere als Kandidaten platziert. Auf der anderen Seite habe ich auch ehemalige Offiziere als Auftraggeber. Studierte Offiziere finden Sie wirklich überall, in allen Branchen, in allen Hierarchiestufen.

Aus Sicht des Personalers: Wodurch zeichnen sich studierte Offiziere aus?

Es kommt natürlich in erster Linie immer auf den Einzelnen an. Aber wenn ich 20 Jahre Revue passieren lasse, dann sage ich: Überwiegend haben studierte Offiziere Eigenschaften, die auch Unternehmen schätzen: Das sind Verlässlichkeit, Entscheidungsfähigkeit, Durchsetzungsstärke. Und auch Loyalität ist bei Offizieren stark ausgeprägt – in der Regel sind das keine Job-Hopper.

Ihr Interview auf den
Alumni-Seiten

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