„Mutig und schnell entscheiden“

April 2015: Die Karriere von Helmut Neuweg hat immer mal wieder abrupt die Richtung verändert. Das begann schon mit dem Studium: Nach einem Jahr wechselte er von Luft- und Raumfahrttechnik zum Studiengang Bauingenieur- und Vermessungswesen, den er 1983 abschloss. Dass er nicht Berufssoldat blieb, sondern Bürgermeister von Hilpoltstein wurde, hat er allerdings einem Friseurbesuch zu verdanken …
„Mutig und schnell entscheiden“

Pilot, Bauingenieur, Berufssoldat, Bürgermeister: Helmut Neuweg hat eine bewegte Karriere

 

Wie kamen Sie als junger Mann dazu, die Offizierlaufbahn einzuschlagen?

Ich bin als Wehrpflichtiger in die Bundeswehr gekommen. Ich hatte eigentlich schon einen Studienplatz für Mathematik in Würzburg. Aber dann kam die Möglichkeit, sich für den fliegerischen Dienst zu bewerben. Das war für mich eigentlich schon immer das Non plus Ultra – und ich dachte: „Warum nicht probieren?“ Es hat geklappt mit der Fliegerei. Und dann – wenn schon, denn schon – habe ich die Offizierlaufbahn begonnen und bekam damit die Möglichkeit zu studieren.

Und wie ging es nach dem Bauingenieurstudium weiter?

Im Studium habe ich mich auf Wasserbau spezialisiert und erhielt noch als Student ein sehr interessantes Angebot von Siemens, bei einem riesigen Staudammprojekt in Peru mitzuarbeiten. Aber ich entschied mich dann doch für eine Laufbahn als Berufssoldat und blieb bei der Fliegerei. Das war im Nachhinein die richtige Entscheidung. Ich konnte eine Phase der Bundeswehr nutzen, bei der die Leute lange am Standort blieben. Ich bin 1984 nach Roth gekommen und bin dort stationiert geblieben. Das war sehr schön, dadurch hat man auch eine Heimat gefunden. Heimat heißt auch, sich zu engagieren in der Kommune.

Dieses Engagement hat bei Ihnen ja dazu geführt, dass Sie 1998 1. Bürgermeister von Hilpoltstein wurden – im Hauptamt! – und dafür die Bundeswehr verlassen mussten.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich in der Fliegerei alles erlebt, es war absehbar, dass da nichts mehr hätte kommen können. Eines Tages war ich beim Friseur, einem Freund von mir und auch Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, und ich fragte ihn, ob die CSU denn nun schon einen Bürgermeisterkandidaten hat. Er sagte, er hätte schon viele gefragt, aber findet niemanden. Da ist mir ein folgenschwerer Satz entrutscht: „Ich tät‘ das sofort machen.“ 14 Tage später ruft der bei mir an und sagt: „Wie schaut’s jetzt aus? Du hast doch gesagt, Du würdest das machen …“

Und Sie haben gleich zugesagt?

Bei dieser Entscheidung hatte ich schon Bedenken, ich hatte ja einen guten Beruf, keine Ahnung von Kommunalpolitik. Ich habe dann mit meiner Frau gesprochen. Ausschlaggebend war für mich schließlich das Thema Verantwortung: Etwas machen, was die Heimat bewegt. Also habe ich Wahlkampf gemacht – und bin erschrocken, als ich gewählt worden bin! Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich hatte eigentlich gedacht, vielleicht sechs Jahre später, bei der nächsten Wahl, hätte ich Chancen.

Half Ihnen beim Bürgermeisteramt die Führungs- und Managementerfahrung als Offizier?

Das war genial. Wenn ich heute einem Bürgermeisterkandidaten eine Ausbildung empfehlen sollte, dann soll er ein Wasserbaustudium mitbringen und eine gewisse Führungsfähigkeit. Die Ausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg war Gold wert. Ich habe schnell im Amt Fuß gefasst, ich habe schnell bestehende Pläne umgeschmissen und sie finanziell überarbeitet. Mein Ziel war, eine stark verschuldete Kommune innerhalb von zehn Jahren auf null zu entschulden. Und das habe ich – nach einer Wiederwahl – auch geschafft.

Was raten Sie jungen Leuten heute für ihr Studium, ihre Laufbahn und ihr Leben?

Es gibt drei wichtige Kompetenzen, die man meines Erachtens haben muss: Das eine ist die soziale Kompetenz. Es ist unabdingbar, dass man mit anderen Menschen umgehen können muss, wenn man überhaupt irgendwas erreichen will. Dann braucht man Führungskompetenz, dazu muss man handwerkliche Grundlagen beherrschen, v.a. wie man schnell strukturiert und schnell Informationen bündelt. Und das dritte ist die Freizeitkompetenz. Man muss wissen, wie Anspannung und Entspannung laufen – und auch mal durchschnaufen können. Schließlich noch eine Sache, die bei mir immer wichtig war: mutig und schnell zu entscheiden. Den Mut haben, auch mal unkonventionelle Wege zu gehen. Alles, was ich schnell entschieden habe, hat sich später als richtig herausgestellt.

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