Forschungsentwicklungen

Von Reinräumen, Marsmissionen und autonomen Autos

Als die Hochschule der Bundeswehr 1973 in Neubiberg ihren Betrieb aufnahm, blickte die Wissenschaftswelt mit unverhohlener Skepsis auf diese Neugründung. Wissenschaftler und Studierende ziviler Universitäten befürchteten eine „Militarisierung“ der bundesdeutschen Wissenschaft. Und auf dem Campus selbst waren die Voraussetzungen in den 70er Jahren alles andere als ideal für Forscher: Nicht alle Professuren waren besetzt, Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter sowie für Laborpersonal fehlten. Am 1. Oktober 1973 startete der Lehr- und Forschungsbetrieb mit lediglich 16 Professoren, 3 Assistenzprofessoren, 61 Fachhochschullehrern, 18 wissenschaftlichen Mitarbeitern und 186 nichtwissenschaftlichen Mitarbeitern. Außerdem waren die meisten Lehr- und Laborgebäude noch nicht fertiggestellt. Doch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten arbeitete die Hochschule nicht nur in der Lehre, sondern auch in der Forschung an der Steigerung von Qualität und Reputation. Nach außen wurde diese Entwicklung durch die Übertragung des Promotionsrechts (1980) und des Habilitationsrechts (1981) sichtbar. Diese wichtige Anerkennung, als Hochschule den eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs ausbilden zu dürfen, führte einige Jahre später folgerichtig zur Umbenennung in „Universität der Bundeswehr München“ (1985).

Von 3 auf 27 Millionen

Trotz der schwierigen Bedingungen in den Anfangsjahren warben die Wissenschaftler der Hochschule der Bundeswehr bereits in den 70er Jahren die ersten so genannten „Drittmittelprojekte“ ein. Drittmittelforschung definiert das Hochschulrahmengesetz (§ 25) so: „Die in der Forschung tätigen Hochschulmitglieder sind berechtigt … auch solche Forschungsvorhaben durchzuführen, die nicht aus den der Hochschule zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln, sondern aus Mitteln Dritter finanziert werden.“ Das heißt die öffentliche Hand, die Privatwirtschaft oder Stiftungen stellen zusätzliche Gelder für konkrete Forschungsvorhaben zur Verfügung. Diese Auftragsforschung ist nicht unumstritten, u.a. wegen zunehmender Fremdfinanzierung der Hochschulen und möglicher Einflussnahme der Geldgeber. So fragte auch der Hochschulkurier der Universität der Bundeswehr München in einer Ausgabe vom März 1992 kritisch nach: „Drittmittel – Gefahr oder Chance?“. Doch wie an den meisten deutschen Hochschulen nahm auch an der Universität der Bundeswehr München die Drittmittelforschung in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zu. 1979 erhielt die Hochschule der Bundeswehr Forschungsaufträge in Höhe von 3 Millionen DM, 1990 waren es bereits 15 Millionen DM, im Jahr 2012 warben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität der Bundeswehr München 27 Millionen Euro ein. Rund ein Drittel der Gelder stammt aus der Industrie, ein weiteres Drittel aus Förderprogrammen des Bundes und der EU, die weiteren Geldgeber sind Behörden und Ministerien. Verwendet werden die Einnahmen für die technische Ausstattung, v.a. aber um zusätzliche wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzustellen. So werden derzeit z.B. allein an der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik 100 Stellen aus Drittmitteln finanziert.

Ein Auto, das alleine fährt

Die Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik ist die forschungsstärkste Fakultät der Universität, die an zahlreichen großen, erfolgreichen und renommierten Projekten beteiligt ist. Seit Jahrzehnten ein Vorzeigeprojekt ist die Forschung am „autonomen Fahren“. Vorreiter war Prof. Ernst Dieter Dickmanns, dem es im Rahmen des Projekts PROMETHEUS erstmals gelang, ein Auto – mit Kameras, Radar, Sensoren, Rechnern ausgestattet – selbstständig im öffentlichen Straßenverkehr fahren zu lassen. Heute führt Prof. Hans-Joachim Wünsche mit der Versuchsfahrzeugreihe MuCAR die Forschung an autonomen Fahrzeugen fort. Ebenfalls an der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik forschen Prof. Roger Förstner und Kollegen an Raumfahrtprojekten. So sind sie z.B. mit dem Projekt MIRIAM an einer Technologiemission beteiligt, deren Ziel es ist, die Atmosphäre des Planeten Mars zu untersuchen. Ein Beispiel für die mittlerweile erstklassige Laborausstattung an der Universität der Bundeswehr München ist der Reinraum des Instituts für Physik, in dem im Bereich der siliziumbasierten Nano- und Mikrosystemtechnik geforscht wird, und den in dieser Qualität nur wenige Hochschulen in Deutschland bieten können. Ein gesellschaftlich hochaktuelles Projekt bearbeiten Wissenschaftler der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften mit SIRA – Sicherheit im öffentlichen Raum. Es untersucht in Bezug auf Informationssicherheit und Luftverkehrssicherheit, welche Faktoren die Akzeptanz bzw. Ablehnung von Sicherheitsmaßnahmen beeinflussen.

Punktuelle Spitzenforschung

Schon diese wenigen Beispiele zeigen, dass die Universität der Bundeswehr München den Vergleich mit anderen Universitäten nicht zu scheuen braucht. Die Forschungsstärke sichtbar zu machen und sich mit bestimmten Schwerpunkten in der nationalen und internationalen Forschungslandschaft zu positionieren, ist die neueste Entwicklung im Bereich der Forschung an der Universität der Bundeswehr München. Zu diesem Zweck wurden in den vergangenen drei Jahren die Forschungszentren CODE (Cyber Defence), MIRA (Munich Integrated Research on Aerospace), MOVE (Modern Vehicles) und RISK (Risiko, Infrastruktur, Sicherheit und Konflikt) gegründet, die jeweils bereits bestehende Forschungsschwerpunkte bündeln und nach außen vertreten.

Öffentliche Forschungskolloquien im Jubiläumsjahr

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität der Bundeswehr München sind stets bestrebt, ihre Forschung der Öffentlichkeit nahe zu bringen. Im Jubiläumsjahr veranstalten die Fakultäten Forschungskolloquien zum Thema „Innovation und Nachhaltigkeit“. Die Veranstaltungen finden an verschiedenen Terminen zwischen September und Dezember 2013 statt, mehr Informationen unter: www.unibw.de/40-jahre/veranstaltungen/kolloquium
 

 

Das Forschungsfahrzeug Prometheus ist mittlerweile museumsreif



Das Institut für Raumfahrttechnik erforscht die Atmosphäre des Mars