Teil 2

Teil 2: Die Studentenschaft im Wandel der Zeit

Du studierst jetzt also auch hier?

Durch etliche Ordner musste sich Andrea Ciecierski, Mitarbeiterin des Prüfungsamts der Universität der Bundeswehr München wühlen, bis sie fündig wurde. Schließlich hielt sie die gesuchte Originalakte in Händen: Karl-Heinz Marx aus Rheinland-Pfalz war der erste an der Hochschule der Bundeswehr München immatrikulierte Student. Mit der Immatrikulationsnummer 73-001 wurde er zum Studienjahr 1973/1974 in der Fachrichtung „Luft- und Raumfahrttechnik“ zugelassen. Im Oktober 2012 immatrikulierte das Prüfungsamt mit der Nummer 1-12-0852 den letzten Studenten des aktuellen Bachelor-Jahrgangs 2012, einen Offizieranwärter im FH-Studiengang „Wirtschaft & Journalismus“. Zwischen diesen beiden Studenten liegen knapp 40 Jahre – und viele tausend Studierende, die auf dem Neubiberger Campus gelebt und gelernt haben.

Über 20.000 Absolventen in 40 Jahren

Mit der überschaubaren Anzahl von 185 Studenten startete der Studienbetrieb im Oktober 1973 in Neubiberg. Seitdem haben 32.000 Studierende ein Studium auf dem Campus begonnen, rund 70 Prozent von ihnen schlossen es erfolgreich ab. D.h. über 20.000 Absolventen verließen die Universität mit einem Diplom-, Bachelor- oder Masterzeugnis. Der erste immatrikulierte Student Karl-Heinz Marx machte an der Universität im Dezember 1976 seinen Abschluss als Diplom-Ingenieur. Nach dem Studium war der Luftwaffenoffizier noch bis 1984 innerhalb der Bundeswehr tätig, bevor er seine Karriere in der Wirtschaft startete. Ein typischer Lebenslauf für einen Studenten der Universität der Bundeswehr München: Denn die Studierenden sind in der Regel Zeitsoldaten, die sich für mittlerweile 13 Jahre bei der Bundeswehr verpflichten. Doch auch wenn die Offiziere und Offizieranwärter weiterhin die Hauptklientel der Universität bleiben, hat sich die Studierendenschaft im Vergleich zu Karl-Heinz Marx Studienzeiten deutlich verändert.

Anfang des Jahrtausends erobern die Frauen den Campus

In den ersten drei Jahrzehnten ihrer Geschichte bildete die Universität der Bundeswehr München ausschließlich Männer aus. Eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2000 trug dazu bei, dass heute auch Studentinnen ein selbstverständlicher Anblick auf dem Neubiberger Campus sind. Damals entschied der EuGH, dass Deutschland Frauen nicht vom Dienst an der Waffe ausschließen darf. Die Bundeswehr öffnete folglich alle Laufbahnen uneingeschränkt auch für Frauen. Bereits im Herbst 2001 nahmen die ersten Offizieranwärterinnen aus Luftwaffe und Marine ihr Studium an der Universität der Bundeswehr München auf, 2004 folgten die ersten weiblichen Offiziere des Heeres. Aktuell sind 376 der 2.846 Studierenden an der Universität der Bundeswehr München Frauen. Damit ist der Frauenanteil mit 13 % etwas höher als in der Bundeswehr insgesamt, wo der Anteil der weiblichen Berufs- und Zeitsoldaten bei knapp 10 % liegt.

Bundeswehruni – nicht mehr nur für Soldaten

Anfang des Jahrtausends ermöglichte eine Änderung des Bayerischen Hochschulgesetzes der Universität der Bundeswehr München, auch Studierende aufzunehmen, die sich nicht als Zeitsoldaten bei der Bundeswehr verpflichtet haben. So begannen 2001 die ersten „zivilen“ Studierenden ein Studium in Neubiberg. Industrieunternehmen oder Bundesbehörden übernehmen in diesen Fällen die Studiengebühren. Es etablierten sich beispielsweise ein erfolgreiches Programm mit der Versicherungswirtschaft sowie weitere Kooperationen mit Industrieunternehmen, die zivile Studierende in den Ingenieurwissenschaften fördern.

Das Studienangebot wächst

Nicht nur die Studierendenschaft, auch das Studienangebot hat sich im Laufe der vergangenen 40 Jahre gewandelt und wurde aktuellen Entwicklungen in Bundeswehr, Hochschullandschaft und Industrie angepasst. Neu hinzu kamen:

• 1988 Staats- und Sozialwissenschaften
• 1991 Sportwissenschaft
• 2000 Wirtschaftsinformatik
• 2007 der von mehreren Fakultäten getragene Studiengang Mathematical Engineering
• 2009 Wehrtechnik (für zivile Studierende, entsandt vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr)
• 2010 Wirtschaft und Journalismus (ersetzt den Studiengang Betriebswirtschaft)
• Oktober 2013 Psychologie

Im Zuge der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge wurden außerdem zahlreiche Studiengänge reformiert und umbenannt.

Aus Studenten werden (prominente) Absolventen

An der Universität der Bundeswehr München erhalten die Studierenden eine wissenschaftliche Ausbildung, innerhalb der Bundeswehr übernehmen die Offiziere früh Führungserfahrung. Eine Doppelqualifikation, die den Absolventen in der Regel viele Karrierewege öffnet, egal ob als Berufssoldaten bei der Bundeswehr oder nach dem Ausscheiden in der freien Wirtschaft. Der erste Student der Universität Karl-Heinz Marx brachte es beispielsweise bis zum Hauptabteilungsleiter Logistik beim Produktionswerk für schwere LKW der Iveco in Ulm. Mit dem amtierenden Generalinspekteur der Bundeswehr Volker Wieker ist der höchstrangige Soldat in Deutschland ebenfalls ein Absolvent der Universität der Bundeswehr München; er studierte in den 70er Jahren Geodäsie in Neubiberg. Der prominenteste Absolvent der Universität ist Brigadegeneral Thomas Reiter, der in seiner Karriere besonders hoch hinaus kam: Der ESA-Astronaut war zwei Mal im Rahmen internationaler Missionen im Weltall. Heute ist er Direktor für Bemannte Raumfahrt und Betrieb der ESA. Über sein Studium in Neubiberg sagt er im Rückblick: „Das schnelle und qualitativ hochwertige Studium der Luft- und Raumfahrttechnik hat mir bei meinem Werdegang sehr geholfen. Von den fachlichen Kenntnissen, aber auch von den hier ausgebildeten Fähigkeiten, effektiv und zielorientiert zu lernen, profitiere ich noch heute.“

Studenten damals

Studenten heute

Die Mode und die Lehrmittel haben sich geändert - aber Lernen müssen die Studenten damals wie heute sehr intensiv!