Lohnendes Studium

Lohnendes Studium

Die Karriereanalyse 2001 von Absolventen der Universitäten der Bundeswehr[1] belegt, dass es den Zeitoffizieren gelingt, nach Ablauf ihrer Verpflichtungszeit ohne größere Schwierigkeiten in einem adäquaten Zivilberuf Fuß zu fassen und dort Karriere zu machen. Das spricht für die persönlichen Fähigkeiten der Offiziere und ihr Engagement, aber auch für die Qualität der akademischen Ausbildung und für die Verwertbarkeit von Kenntnissen und Erfahrungen aus der Dienstzeit. Die empirischen Studien belegen, dass nur die Kombination von akademischem Studium plus Führungs- und Organisationserfahrung ein weitgehend problemfreies Überwechseln in die zivilberufliche Karriere garantiert.

Fast 15.000 Absolventen der Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München sind bereits aus den Streitkräften ausgeschieden. Von diesen Absolventen wurden für die Karriereanalyse 2001 in einer repräsentativen Untersuchung per Fragebogen 1.050 angeschrieben, der Gesamtrücklauf betrug 375 und erscheint verlässlich. Mit dieser Karriereanalyse finden Untersuchungen des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr aus den Jahren 1985 und 1987/88 und des Instituts für Personal- und Organisationsforschung an der Universität der Bundeswehr München aus den Jahren 1991 und 1996 ihre Fortsetzung.

Von den betroffenen Offizieren wird das Studium mit überwältigender Mehrheit als „gut“ bzw. „sehr gut“ bewertet. Für die große Mehrheit der Offiziere auf Zeit ist die Aussicht auf ein Studium an einer der Universitäten bei der Bundeswehr das Hauptmotiv für eine Verpflichtung. Nicht so positiv lautet das Urteil über die unmittelbare Verwertbarkeit des Studiums im Rahmen der militärischen Verwendung. Nur ein Viertel der studierten Offiziere konnte das erworbene Fachwissen „gut“ oder sogar „sehr gut“ verwerten, allen voran die Informatiker. Bei dieser Einschätzung wird übersehen, dass auch die Absolventen öffentlicher Hochschulen ihr universitäres Fachwissen im Zivilberuf nur selten unmittelbar anwenden können. Auch wird der prägende Einfluss eines gebildeten Offizierkorps auf das innere Gefüge der Streitkräfte meist unterschätzt. Fachwissen veraltet überdies heutzutage schnell. Viel wichtiger als dieses ist die Aneignung von Lernverfahren und -strategien sowie der Erwerb von Schlüsselqualifikationen.

Es ist demnach kein eindeutiger Vorteil für eine positive zivile Karriereentwicklung, in einem bestimmten Tätigkeitsbereich der Streitkräfte gedient zu haben. Ein tatsächlicher Einfluß der Abschlussnoten auf den Karriereerfolg ist auch anhand der Karriereindizes nicht nachzuweisen.

Die Karriereanalyse zeigt auch, dass die Studien- und Dienstzeit rückblickend als außerordentlich positiv empfunden wird. Nur wenige sind mit ihrer Karriere in der Bundeswehr unzufrieden. Die große Mehrheit der ausgeschiedenen Offiziere erklärt, sie würden sich heute wieder so entscheiden wie damals, als sie ihre Verpflichtung als Soldat auf Zeit eingingen. Wahrscheinlich gibt es keine andere Berufsgruppe mit einem so hohen Grad an „Gesamtzufriedenheit“ wie die ehemaligen Offiziere der Bundeswehr mit Hochschulabschluß (46,9 % sehr zufrieden und 41,7 % zufrieden, nur 11,5 % mit schlechterer Bewertung der Zufriedenheit).

Einstiegs- und heutiges Bruttojahresgehalt nach Branchen/Sektoren – Mittelwerte (DM) 
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Einstiegs- und heutiges Bruttojahresgehalt nach dem Studium ausgewählter Studiengänge – Mittelwerte (DM)  
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Die Karriereverläufe von Absolventen der Universitäten der Bundeswehr, ihre Zufriedenheit mit ihrer Karriere und die Multiplikatoreffekte ehemaliger Zeitoffiziere in Wirtschaft und Verwaltung liefern die besten Argumente für die Werbung des Offiziernachwuchses.  

Wer in der Bundeswehr seinen Weg gemacht hat, wird ihn auch im Zivilleben erfolgreich gehen.

 Weitere Informationen siehe:
Rainer Marr (Hrsg) Kaderschmiede Bundeswehr? Vom Offizier zum Manager. Neubiberg 2001.
ISBN 3-9807539-1-3

Universität der Bundeswehr München

Prof. Dr. Rainer Marr – Fakultät WOW
Werner-Heisenberg-Weg 39

85577 Neubiberg
E Mail: rainer.marr@unibw-muenchen.de

[1] Rainer Marr (Hrsg) Kaderschmiede Bundeswehr?