Barrierefreiheit beim Internetauftritt

Barrierefreiheit in der Informationstechnik

Am 17.07.2002 wurde durch das Bundesministerium des Innern die „Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz“ oder kurz BITV erlassen, verbunden mit der Pflicht zur Umsetzung dieser Verordnung zum 31.12.2005 für alle Behörden der Bundesverwaltung. Damit ist auch die Universität der Bundeswehr (im Unterschied zu den Landesuniversitäten) direkt betroffen. Konsequenz aus dieser Verordnung ist, dass sich zu Beginn des kommenden Jahres keine öffentlich zugänglichen Webseiten im Angebot der Universität befinden dürfen, welche nicht konform zu den Regelungen dieser Verordnung sind. Ausnahmeregelungen sind nicht vorgesehen. Dieser Artikel soll einen Einblick in die Zusammenhänge zur Gestaltung barrierefreier Inhalte bieten und Lösungsmöglichkeiten anzeigen. Er soll keine detaillierte Anleitung zum Erstellen von barrierefreien Inhalten sein. Weitere Informationen sowie insbesondere auch praktische Hinweise zur Umsetzung dieser Verordnung speziell zur Gestaltung von barrierefreien Webseiten finden sich auf unseren Internetseiten (Link siehe unten)

Während der Geltungsbereich dieser Verordnung sehr weit gefasst ist und auch „mittels Informationstechnik realisierte grafische Programmoberflächen“ einschließt, werden die konkret anzuwendenden Regelungen über eine Anlage spezifiziert, welche (mit sehr geringen Abweichungen) lediglich eine deutsche Übersetzung der durch das Web-Konsortium (W3C) bereits 1999 verabschiedeten „Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 1.0“ darstellen. Diese wiederum bezieht sich ausschließlich auf die barrierefreie Gestaltung von Inhalten auf Webseiten.

Der Begriff Barrierefreiheit im Sinne der BITV ist allerdings sehr weit zu fassen. Im Sprachgebrauch des Internets wird oft nur ein Teilaspekt betrachtet und es werden Begriffe wie „Internet für Blinde“ benutzt. Wirkliche Barrierefreiheit ist jedoch weit mehr. Wikipedia beispielsweise definiert Barrierefreiheit als „uneingeschränkte Nutzung von Gegenständen, Gebrauchsgütern und Objekten durch alle Menschen“. Noch sehr viel detaillierter wird Paragraph 4 des Deutschen Behindertengleichstellungsgesetzes (auf welches sich die BITV direkt bezieht) mit der Definition: „Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind“. Damit ist der Geltungsbereich der BITV sehr weit gefasst. Alle Arten von Behinderungen, von Köperbehinderung über Farbfehlsichtigkeit bis hin zu kognitiven Einschränkungen müssen dabei beachtet werden. Die BITV gibt in ihrer Anlage derzeit allerdings nur Hinweise auf die Umsetzung webbasierter Inhalte.

Für viele Autoren (Autor hier im Sinne von Entwickler als auch Einpfleger von Webseiten) von Internetseiten ergibt sich dadurch ein ernstes Problem. Während die bisherige Gestaltung von Internetseiten sich meist ausschließlich am äußeren Erscheinungsbild  bei völliger Gestaltungsfreiheit orientierte, sehen sich nun die Autoren gezwungen, ganz bestimmte Techniken anzuwenden bzw. von einigen gewohnten Techniken wieder Abstand zu nehmen. Durch eine Vielfalt von Werkzeugen zur Seitengestaltung haben wir uns daran gewöhnt, analog zur Gestaltung von Druckdokumenten auch unsere Webseiten aufzubauen. Mit dem angebotenen Komfort war eine grundlegende Kenntnis der Seitenbeschreibungssprache HTML nicht mehr erforderlich, mit der Konsequenz, dass Inhalt, Gestaltung und Layout meist untrennbar miteinander verbunden waren. Aber genau diese Trennung wird bei konsequenter Umsetzung der BITV zwingend notwendig.

Die Einhaltung der in der BITV (bzw. WCAG) genannten Anforderungen lässt sich nur durch eine konsequente Trennung von Inhalt, Layout und Darstellung erreichen. Die Möglichkeiten dazu sind auch durch die vom Web-Konsortium (W3C) betriebenen Entwicklungen vorhanden und müssen nur umgesetzt werden. Dies betrifft vor allem die konsequente Nutzung der Techniken Cascading Stylesheets (CSS) sowie der Erweiterung von HTML nach XHTML mit einer deutlich strengeren Regelauslegung. Die Problematik dabei ist jedoch, dass insbesondere durch die Anwendung von CSS eine neue Komplexität in die Gestaltung von Webseiten Einzug hält. CSS ist bei durchgängiger Anwendung in den Bereichen Layout und Darstellung nur mit größerem Einarbeitungsaufwand (insbesondere im Vergleich zum traditionellen HTML) zu beherrschen.

Ein weit verbreiteter Irrtum ist jedoch die Annahme, dass es für einen barrierefreien Webauftritt ausreicht zumindest die wesentlichen Seiten unter Verzicht auf Layout und Darstellung und damit in einer reinen Textform anzubieten. Dies widerspricht nicht nur dem Grundsatz der Gleichbehandlung von Menschen mit Behinderungen sondern macht auch die Pflege und Weiterentwicklung eines solchen parallelen Informationsangebots fast unmöglich.

Der einzig wirklich gangbare Weg zu einem Informationsangebot nach den Vorgaben der BITV unter Beibehaltung der grafischen Möglichkeiten, welche uns das Web entsprechend der heutigen Techniken auch bietet, erscheint der Einsatz von Content-Management-Systemen (CMS). Hier wird versucht, ein Rahmenwerk für Layout und Gestaltung zu schaffen, wobei die Autoren der einzupflegenden Webseiten von möglichst vielen der technischen Grundlagen befreit werden. Die Basis dazu ist die Bereitstellung eines einheitlichen Corporate Design (CD), welches nach den Regelungen der BITV in Form von Stylesheets hinterlegt ist. Dadurch reduziert sich der Aufwand zum Pflegen der Seiten auf ein Minimum, optimalerweise auf die Bereitstellung der Inhalte. Aber auch beim Einpflegen des Inhalts müssen die Autoren künftig auf die Bestimmungen der BITV achten. Wesentliche Elemente einer Seite müssen künftig konsequent ausgezeichnet werden. So sind beispielsweise Bilder mit passenden Texten zu hinterlegen, Abkürzungen entsprechend zu erklären oder auch fremdsprachliche Ausdrücke zu kennzeichnen. Alle diese Möglichkeiten werden von einem guten CMS-System angeboten, müssen aber letztlich von jedem Autor auch aktiv berücksichtigt werden. Hinweise auf diese Vorgaben finden sich auch auf unseren Internetseiten.

Für öffentlich zugängliche und damit den Vorgaben der BITV unterliegende Inhalte ist auch an unserer Universität ein Content-Management-System im Einsatz. Dieses System steht allen Mitgliedern der Universität zur Verfügung und kann somit auch genutzt werden, um bereits vorhandene aber nicht BITV-konforme Seiten zu konvertieren. Viele Bereiche haben ihre Inhalte bereits umgestellt. Sie profitieren damit von der Arbeit von Fachleuten, welche sich im Hintergrund um die technische Abwicklung sowie um grundsätzliche Probleme auch im Zusammenhang mit der Umsetzung der BITV kümmern, so dass die jeweiligen Autoren sich nur noch auf den Inhalt der Seiten konzentrieren müssen. Leider ist kein System von Anfang an perfekt, auch am hier eingesetzten CMS werden sicher noch einige Änderungen vorgenommen werden müssen. Nur wird dies auf den Inhalt der Seiten keinerlei Einfluss haben, da durch die vorgenommene Trennung von Inhalt, Darstellung und Layout alle eingepflegten Inhalte automatisch von den technischen Änderungen profitieren, ohne dass die Inhalte angepasst werden müssen. Nur durch dieses Vorgehen werden wir die Informationsflut künftig überhaupt noch bewältigen können.

Eine Umsetzung der BITV (bzw. WCAG) zu 100% wird es allerdings nie geben können. Einige Seiten bzw. Elemente auf Seiten werden durchaus gegen Anforderungen verstoßen. So lässt sich beispielsweise die Forderung nach Unabhängigkeit der Seiten vom jeweiligen Browser nie einhalten, da allein schon der oft zitierte (weil rein textbasierter) Browser Lynx keine Seiten mit SSL-Verschlüsselung verarbeiten kann, was natürlich aus Gründen der Sicherheit für einige Bereiche nicht aufgegeben werden darf. Aber zumindest das Bemühen um möglichst barrierefreie Seiten sollte vorhanden und auch klar erkennbar sein. Dazu sind mittlerweile auch verschiedene Testwerkzeuge verfügbar, auch wenn diese nie in der Lage sein werden eine vollständig automatisierte Prüfung auf BITV-Konformität zu liefern. Aber als Anhaltspunkt zur Vermeidung größerer und vor allem systematischer Fehler sind diese sehr sinnvoll.

Daher wird dringend empfohlen, die über den 31.12.2005 hinaus noch erforderlichen öffentlich zugänglichen Inhalte streng nach den Vorgaben der BITV anzupassen oder (bei wahrscheinlich weit geringerem Aufwand) diese Inhalte in das vorhandene CMS einzupflegen. Eine darüber hinaus gehende Übergangsfrist wird es für keinen Bereich unserer Universität geben. Nicht BITV-konforme Inhalte müssen nach diesem Termin aus dem öffentlich zugänglichen Bereich des Internets entfernt werden.

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