Schießwettkampf der CISM-WM
Konzentration und gute Nerven: Darauf kommt es an beim Schießen. Das Ziel – die Ringscheibe – ist 300 Meter entfernt. Deren Mitte genau zu treffen bringt zehn Punkte. Mit zehn Präzisionsschüssen und zehn Patronen im Schnellfeuer gilt es möglichst viele davon zu erreichen. Im Gegensatz zu den kommenden Tagen bringen am ersten Wettkampftag Ruhe und Gelassenheit die besten Ergebnisse.
Konzentration ist das A und O
Die Militärischen Fünfkämpfer trafen sich auf der Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück bei München. Von Hektik keine Spur. Die Konzentration der Sportler ist förmlich zu spüren. „Das Wichtigste ist“, sagt Leutnant Melanie Günther, „das Du den Puls runter bringst. Nur so kannst Du den Schuss optimal platzieren.“ Das ist jedoch gar nicht so einfach, angesichts der Anspannung. Ein Österreicher ärgert sich nebenan: „Immer das Gleiche: Kurz bevor’s los geht habe ich Herzklopfen vor Aufregung!“ Die Athleten eines Durchgangs schießen die beiden Teildisziplinen hintereinander. Zuerst haben sie zehn Minuten Zeit, um zehn Schuss abzufeuern. Höchstpunktzahl beim Präzisionsschiessen ist 100 Punkte. Etwa drei Minuten nach dem Durchgang kann im Schnellfeuern die gleiche Punktzahl erreicht werden. Allerdings bleibt dem Schützen nur eine Minute um zehn Patronen des Kalibers 6 Millimeter zu platzieren. Auch fehlt ihm der bisher zur Verfügung stehende Kontrollmonitor. „Das geht schon an die Nerven“, erzählt Stabsunteroffizier Thomas Siegl kurz vor seinem Durchgang. Und auf die Wettkampfdistanz einer WM – 300 Meter – sei es fast unmöglich die Top-Wertung von 200 Punkten zu schießen.
Gute Ergebnisse
So ist die Freude in der deutschen Mannschaft groß, als Hauptfeldwebel Norbert Stracke seinen Durchgang mit 195 Punkten beenden kann. Damit liegt er auf Rang eins und schafft so schon am ersten Tag ein gutes Polster für die Mannschaftswertung. Die Mannschaft besteht aus sechs Athleten, jeweils die vier besten Ergebnisse zählen für den Wettbewerb der Teams. Auch Melanie Günther freut sich über ihre Leistung. Sie schoss 179 Punkte und fand sich damit auf Rang 15 wieder. „Für mich ein tolles Ergebnis. In meinem ersten Jahr so weit vorne zu landen ist ein Traum!“ Die erstplatzierte Chinesin Linna Tian schoss ebenfalls erstaunliche 195 Punkte.
Die Sportler haben unterschiedliche Methoden, um sich auf ihren jeweiligen Durchgang vorzubereiten. Ein letzter Check an der Waffe, Entspannen, Mitfiebern beim Durchgang der Kameraden. „In der Stellung nimmt man die Waffe aus dem Anschlag oder denkt kurz an etwas anderes.“ So beschreibt Günther die Konzentration während des Durchgangs. Man sich auch nicht auf sein Gesamtergebnis fixieren, sondern müsse jeden Schuss für sich betrachten und ins Ziel bringen. „Die Zehn zählt – sonst nix!“ darauf kommt’s halt an beim Schießen.
Schrecksekunde für die Deutschen
Großes Pech hatte Oberfeldwebel Martin Reichart. Er verpasste auf einer der äußeren Bahnen liegend das Signal zum Schnellfeuer-Durchgang. Die Schüsse seiner Konkurrenten deutete er als „Frühstart“. So schoss er nicht mit. Ein Protest gegen die Annullierung seines Durchgangs blieb zunächst erfolglos. „Den Pfiff habe ich nicht gehört“, bedauert er. Eine Betrachtung, der das Schiedsgericht aber schließlich folgen konnte und Reichart wieder in die Stellung brachte. Er schoss nach und so stehen für einen der Favoriten dieser Disziplin letztlich doch 191 Zähler zu Buche. Glück im Unglück, denn der damit verbundene Punkteverlust wäre andernfalls für die Mannschaftswertung in den nächsten Tagen nur schwer zu kompensieren gewesen. Nun liegen sie aber auf dem ersten Rang der Gesamtwertung, vor Nordkorea und Finnland.
Tolle Stimmung unter den Sportlern
Dennoch ist die Stimmung gut. Das Motto „Freundschaft durch Sport“ wird gelebt. Gespräche, Erfahrungsaustausch und Teamgeist bestimmen die internationale Atmosphäre. „Die Europäer kennt man von anderen Wettkämpfen oder von der Europameisterschaft“, erzählt Leutnant Günther. Hier in München knüpfen die Athleten neue Kontakte und Bekanntschaften. „Eine Mischung aus Spannung und Aufregung“, sagt Sigl.
Vielseitigkeit ist aber das, was Fünfkampf ausmacht. So blicken die Teilnehmer dem Hindernisparcours auf dem Campus der Bundeswehr-Universität entgegen. Am Samstag stehen 20 bzw. 16 (Frauen) Hindernisse vor dem Erfolg. Vielleicht geht ja in Neubiberg auf der Heim-WM der Deutschen sogar der Wunsch des Schirmherren Prinz Leopold von Bayern in Erfüllung: Das Einstellen des Weltrekords von 2:11,9 Minuten.
Film: Highlight-News (englisch) von Eröffnungsfeier und Wettkampftag Eins (4:01)
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