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Koreaner dominieren das Werfen - Deutsche ohne Glück

08.09.2009: Das deutsche Team war am vierten Wettkampftag vom Pech verfolgt. In der Schlüsseldisziplin – dem Werfen – blieben die Männer hinter den Erwartungen zurück. Es dominierten die Nordkoreaner.

Vierter Wettkampftag der WM in München. Die Militärischen Fünfkämpfer treten an zur Schlüsseldisziplin, dem Werfen. Hier konnte die Rangliste noch mal richtig durcheinander gewirbelt werden. Im Ziel- und Weitwurf hieß es: Nerven behalten! In Fachkreisen gilt das Werfen nicht umsonst als vorentscheidende Disziplin. Der deutsche Teamcaptain Hauptfeldwebel Max Küblböck erklärt warum: „Hier kommt es vor allem auf Konzentration, mentale Stärke, aber auch auf Kraft und Technik an. Zusätzlich kann das Punktesystem dieser Disziplin die Rangliste erheblich beeinflussen.“

Ein Blick ins Regelwerk

Die Athleten werfen zunächst jeweils vier Wurfkörper innerhalb von drei Minuten in vier verschiedene Zielkreise in unterschiedlicher Entfernung. Ausgehend von 136 Punkten, wird ihnen für einen Treffer im Mittelkreis des einzelnen Zieles kein Punkt abgezogen. Schlägt das 575 Gramm schwere Wurfgeschoss im äußeren Kreis auf, so gehen vier Punkte auf das Minuskonto. Trifft der Sportler den Zielkreis gar nicht, so kostet ihn das vom ersten bis zum letzten Kreis zwischen sieben und zehn Minuspunkte. Die Gesamtsumme wird von seinen 136 Punkten abgezogen. Mit diesem Resultat tritt er eine Minute später zum Weitwurf an. Der weiteste von drei Würfen wird gezählt und positiv seinem Punktestand hinzu addiert. Daraus ergibt sich nun das Endergebnis. Die Rangliste nach der vierten Disziplin ist zugleich die Startaufstellung für den abschließenden Geländelauf. „Bedenkt man, dass einen jeder Minuspunkt im Werfen morgen um weitere vier Sekunden später starten lässt, als den Erstplatzierten, so kann man den Druck in der Werferstellung erahnen“, erläutert Küblböck.

Ein durchwachsener Wettkampftag

Der beste deutsche Mann, Stabsunteroffizier Thomas Sigl konnte zu seinen 112 Punkten aus dem Präzisionsdurchgang noch 63,0 Meter im Weitwurf addieren. Ergebnis in der Tageswertung: Platz 47. Damit konnte auch er die Gesamtleistung des deutschen Teams nicht aufwerten. Oberfeldwebel Martin Reichart hatte am Morgen den Wettbewerb zusammen mit dem Russen Oberstleutnant Sergey Koshelev, dem lettischen Gefreiten Dainis Stepe und dem Inder Rajaiah Sangglikalai eröffnet. Mit 160,4 Punkten blieb er weit hinter seinen Möglichkeiten zurück und erhöhte damit den Druck auf seine Team-Kameraden. Stabsfeldwebel a.D. Hartmut Nienaber analysiert: „Schade! Bisher lief die WM für uns perfekt. Das Ergebnis im Werfen spiegelt nicht das Können der Jungs wider. In der Vorbereitung haben alle sechs super geworfen.“ Der ehemalige Sportsoldat besucht die Fünfkämpfer regelmäßig. Er selber hält noch immer den Fabelrekord mit 80,30 Metern im Weitwurf, aufgestellt 1983 bei der WM im dänischen Farum. Damals brachte er es zugleich auf die höchste Gesamtpunktzahl, die je ein Militärischer Fünfkämpfer in einem Wettbewerb erreichte. „Das Nordkorea starke Werfer hat, wusste das deutsche Team. Man hatte aber die Chance, dies im Laufen locker auszugleichen“, erklärt der Experte weiter. Aber angesichts der heutigen unerwarteten Ergebnisse, könnte das schwer werden. Oberfeldwebel Robert Krawczyk, mit 174,3 Punkten abgeschlagen auf Tagesrang 52, geht als bester Deutscher nun als Fünfter auf die Geländestrecke. Damit startet er 1:26,3 Minuten später als Stabshauptmann Kwang Nam Choe aus Nordkorea, der heute 203,0 Punkte und damit den zweiten Platz erwarf. Die weiteren Startplätze vor Krawczyk besetzen morgen ebenfalls Nordkoreaner. Dem Deutschen dicht auf den Fersen sind drei Chinesen, angeführt von Kadett Miaofei Chen.

Alles geben

Hauptfeldwebel Norbert Stracke zeigte sich als Trainer und Mitkämfer enttäuscht über das Resultat im Werfen. Er bezog dies auch auf sich: „Ich hatte mir mehr erhofft als 156,3 Punkte. Es hat einfach nicht gepasst heute!“ Die Sympathie des Publikums war der Heimmannschaft dennoch gewiss und so blickt der Unteroffizier optimistisch auf den Abschlusstag der Weltmeisterschaft: „Wir sind alle starke Läufer! Auf dem Rundkurs geben wir morgen noch mal alles!“ Seinen Optimismus teilen auch Küblböck und Nienaber: „Auf’s Treppchen sollten wir es schaffen!“

Die Damen

Recht zufrieden mit ihrem Ergebnis war Leutnant Melanie Günther bei den Damen, obwohl sie nur 37. wurde: „Werfen ist nicht meine stärkste Disziplin“, gibt sie zu. Mit 116,6 Punkten in ihrem WM-Debüt blieb sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten. So startet die Studentin der Bundeswehr-Universität München als 32. mit einem Rückstand von über zwölf Minuten auf die Gesamtführende Chinesin Linna Tian ins morgige Jagdrennen. Nordkorea und China schicken die ersten sechs Läuferinnen auf den Parcours. Die Tageswertung im Werfen machte das nordkoreanische Trio Hyang Sil Pak, Un Jong Ya und Un Ok Ki unter sich aus.

Gestartet wird am Dienstag um 10:00 Uhr in Neubiberg auf dem Unigelände mit der Damenklasse. Die Herren laufen eine Stunde später. Lassen Sie sich die spannenden Jagdrennen nicht entgehen. Machen Sie ihre Kaffeepause in Neubiberg und feuern Sie die Athleten an. Der Eintritt ist frei!

Film: Highlight-News (englisch) von Wettkampftag Vier (3:56) 

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