Orient und Okzident
26.06.2009: Die Universitätsbibliothek und der Deutsch-Arabische Arbeitskreis beleuchten in der Monatsausstellung „Der west-östliche Divan“ arabische Kultur, Politik und Literatur.
Am 17. Juni eröffnete die Universitätsbibliothek die Ausstellung „Der west-östliche Divan. Europas unbekannte Freunde“. Anhand der vom Deutsch-Arabischen Arbeitskreis gestalteten Schautafeln sowie des Fachvortrags von Prof. Stephan Stetter, Professor für Internationale Politik an der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften, erhielten die Besucher einen Einblick in Geschichte und Gegenwart der arabischen Staaten.
Vorurteile abbauen – Freundschaften schließen
„Neugierde am Unbekannten“ sei es gewesen, was Studierende der Universität vor rund einem Jahr dazu bewog, den „Deutsch-Arabischen Arbeitskreis“ zu gründen, berichtete Stefan Hermanns, Vorsitzender des Studentischen Konvents der Universität und Gründungsmitglied des Arbeitskreises. Schließlich verbinde „Abendland und Morgenland“ eine gemeinsame Geschichte, aber man wisse teilweise viel zu wenig übereinander. „Wir wollen in den Dialog treten, Vorurteile abbauen, Wissen vermitteln und Freundschaften schließen“, nannte Hermanns die Ziele des Arbeitskreises. Der Arbeitskreis hat beispielsweise Mitglieder aus Jordanien und Mauretanien, die über ihre Heimatländer erzählen. Und auch die von den Mitgliedern des Arbeitskreises erarbeitete Ausstellung in der Bibliothek trägt dazu bei, Wissen über die arabische Welt, ihre Religion, ihre Kultur, ihre Wirtschaft, ihr politisches System zu vermitteln.
Arabische Welten
Ob man überhaupt von „der arabischen Welt“ sprechen kann, analysierte Prof. Stephan Stetter, der an der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften internationale Politik mit dem Schwerpunkt „Konfliktforschung“ lehrt, im anschließenden Fachvortrag. Anhand der Ergebnisse des „Arab Human Development Reports“ der Vereinten Nationen stellte er vor, wie arabische Staaten in den Kategorien „Wissen und Bildung“, „politische Freiheit“ und „Gleichberechtigung der Frau“ bewertet wurden. In vielen Bereichen, etwa bei der Lesefähigkeit der Bevölkerung oder der Gewaltenteilung im Staat, weisen die arabischen Staaten im Vergleich zu westlichen Staaten Defizite auf. Doch dabei gibt es eklatante Unterschiede beim Entwicklungsstand der einzelnen arabischen Länder, etwa aufgrund von Reformen. „Die Region ist nicht einheitlich, es gibt nicht ‚die arabische Welt’“, so Prof. Stetter. An den UN-Berichten kritisiert er, dass durch die „homogene Sichtweise“ die Diversität der Staaten teilweise verloren geht.
Küche und Kultur
Eindrücke von den arabischen Welten erhielten die Besucher nicht nur durch die Ausstellung und Eröffnungsvorträge, sondern auch durch Live-Darbietungen und kulinarische Kostproben. Der Musik-Auftritt der Band „Amasy“ bestätigte die Worte des Korans, nach denen „nur Allah perfekt“ sei, denn die Verstärkeranlage fiel leider aus. Dafür kamen die Besucher schneller in den Genuss der zum Empfang gereichten arabischen Spezialitäten, und auch der abschließende Auftritt der Bauchtänzerin wurde mit viel Applaus quittiert.
Die Ausstellung ist noch bis 31. Juli im Hauptlesesaal (Geb. 35) der Universitätsbibliothek zu sehen.


