Ehemaliger Wirtschaftsminister zu Gast
Mit dem Staatsminister a.D. Erwin Huber, dem Präsidenten der Handwerkskammer für München und Oberbayern Heinrich Traublinger sowie dem Leiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung Ulrich Schäfer referierten am 10. Dezember an der Universität der Bundeswehr München drei ausgewiesene Wirtschaftsexperten. Die öffentliche Abendveranstaltung fand im Rahmen der zweitägigen Fachtagung „Soziale Ungleichheit, Sozialpolitik und Soziale Marktwirtschaft“ statt, die von Prof. Nils Goldschmidt, Professor für Sozialpolitik und Organisation Sozialer Dienstleistungen an der Fakultät für Pädagogik, organisiert wurde.
Bildung ist Schlüssel zur Gerechtigkeit
Staatsminister a.D. Huber verteidigte in seiner Rede die Marktwirtschaft – und das Handeln der Politiker in den vergangenen Monaten. „Die von der Politik aufgelegten Konjunkturprogramme haben zur Stabilisierung beigetragen“, so Huber. Er wagte sich auch an den schwierigen Begriff der Gerechtigkeit. Ungleichheit bedeute nicht zwangsläufig Ungerechtigkeit, so Huber. Er sprach sich für eine „Leistungsgerechtigkeit“ aus. Dafür biete die Marktwirtschaft den richtigen Rahmen: „In der sozialen Marktwirtschaft wird Leistung belohnt und führt deshalb auch zu Gerechtigkeit“. Er betonte die Bedeutung der Chancengerechtigkeit. Erst Bildung ermögliche Leistung und sei der entscheidende Schlüssel zur Gerechtigkeit.
Wie viel Einfluss des Staates?
Der leitende Wirtschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung Ulrich Schäfer sah den Ist-Zustand in Deutschland skeptischer als der ehemalige Wirtschaftsminister. Er warnte vor „Parallelgesellschaften“ in Deutschland, da die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Er sprach sich daher für ein Mehr an „Gleichheit“ aus, etwa durch die Einführung von Mindestlöhnen und die Erhöhung des Spitzensteuersatzes. Für Huber ein Tabu: „Mit diesen Maßnahmen schlittert Deutschland in die Staatswirtschaft“. Der Vertreter der Wirtschaft, Handwerkskammerpräsident Heinrich Traublinger, kritisierte den derzeitigen Zustand der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland, sie werde derzeit nicht ausreichend „gelebt“. Er sprach sich vor allem gegen die sich immer mehr ausbreitende „Hire and Fire“-Mentalität aus. Das Handwerk sei ein Beispiel für eine Branche, in der die soziale Marktwirtschaft lebendig und das Verhältnis zwischen Chefs und Beschäftigen noch persönlich sei. Er wünscht sich keinen Vollkasko-Staat, sondern verantwortungsvolle Unternehmer.
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