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UB Widerstand

Wie frei sind die Gedanken?

31.01.2008: Zeitzeugen, Wissenschaftler und Studierende eröffnen die Ausstellung in der Bibliothek zum Thema Studentischer Widerstand

GumpelDie Universitätsbibliothek und die Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften eröffneten am 30. Januar ihre gemeinsame Ausstellung „Die Gedanken sind frei? Studentischer Widerstand in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert“. Von Vormärz bis 68er-Bewegung zeigen die Schautafeln, dass es in der deutschen Geschichte immer wieder die Studenten waren, die sich gegen Autoritäten auflehnten und für Freiheit einsetzten. Unter den Gästen und Rednern der Eröffnung waren auch Zeitzeugen, die selbst im studentischen Widerstand aktiv gewesen sind.

Fünf Jahre Zwangsarbeit für ein paar Flugblätter

Prof. Werner Gumpel (im Bild) weiß, was es bedeutet, in einem totalitären Staat „freie Gedanken“ auszusprechen. Er verteilte vor den Volkskammerwahlen im Herbst 1950 Flugblätter in Leipzig, mit denen er gegen die von der SED durchgesetzte Einheitsliste protestierte. Zusammen mit seinen Kommilitonen aus der so genannten „Belter-Gruppe“ wurde er von der deutschen Polizei verhaftet und an den sowjetischen Geheimdienst ausgeliefert. Herbert Belter, der „Anführer“ der Gruppe, wurde zum Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet. Gumpels Verurteilung lautete: 25 Jahre Zwangsarbeit in der Sowjetunion. Insgesamt fünf Jahre verbrachte er im Lager Workuta in Sibirien. Die ersten drei Jahre hatte er keine Möglichkeit, seinen Angehörigen ein Lebenszeichen zukommen zu lassen, bevor sich das politische Klima nach Stalins Tod 1953 etwas entspannte.

Gegen geistige Bevormundung
 

In seiner Ansprache zur Ausstellungseröffnung in der Universitätsbibliothek machte Gumpel deutlich, dass sein Schicksal kein Einzelfall war. Zwischen 1945 und 1955 seien allein an den fünf mitteldeutschen Universitäten 377 Studenten verhaftet worden. Acht Studenten der Universität Leipzig wurden hingerichtet. „Es waren Menschen, die sich der Gleichschaltung widersetzten, die die geistige Bevormundung nicht hinnehmen wollten“, charakterisiert Gumpel den Studentischen Widerstand in der DDR. Er mahnte die jüngere Generation, das Leben in einem freiheitlich demokratischen Rechtstaat nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten und „allen Versuchen, die freiheitlich-demokratische Grundordnung wegzunehmen, mit Mut und Kraft entgegen zu treten“.

Singen war politisch

Welche unterschiedlichen Ausdrucksformen Studentischer Widerstand haben konnte, darauf gehen die Schautafeln ein, die Studierende der Staats- und Sozialwissenschaften unter der Leitung von Prof. Sylvia Schraut erarbeitet haben. Darüber hinaus wurden Teile einer 1996 an der Universität Leipzig entstandenen Ausstellung über die Studentenopposition in der DDR einbezogen. Die Präsidentin der Universität, Prof. Merith Niehuss, erinnerte in ihrem Grußwort daran, dass auch Singen im 19. Jahrhundert eine äußerst politische Angelegenheit war. „Oft war das Singen von politischen Liedern das einzige Instrumentarium in Zeiten der Unterdrückung.“ Insofern passte es hervorragend, dass der Chor der Universität die Ausstellungseröffnung musikalisch umrahmte. Er schloss mit einem deutschen Volkslied aus dem 19. Jahrhundert: „... Denn meine Gedanken zerreißen die Schranken und Mauern entzwei: Die Gedanken sind frei“.

Die Ausstellung ist bis 19. März im Hauptlesesaal der Universitätsbibliothek zu sehen. Es findet ein umfangreiches Begleitprogramm zur Ausstellung statt, jeweils mittwochs um 18:00, Hauptlesesaal der Universitätsbibliothek (Geb. 35, EG):

13.02.2008: Christian Bär, Michael Kermas, Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften:
„Münchner Studenten wider die Obrigkeit – die Ereignisse der Jahre 1830 und 1848 im Spiegel zeitgenössischer Karikaturen“
27.02.2008: Prof. Thomas Bohrmann, Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften:
„Studentischer Widerstand im deutschen Unterhaltungsfilm: Das Beispiel Sophie Scholl“
12.03.2008: Prof. Rupert Stettner, Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften, im Gespräch mit Prof. Werner Gumpel:
„Studentischer Widerstand in der SBZ/DDR – Erinnerungen an die Verfolgung und das sowjetische Straflager Workuta“
19.03.2008: Gerhard Fürmetz, Bayerisches Hauptstaatsarchiv:
„Studentischer Widerstand um 1968 und die archivische Überlieferung in Bayern“

Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek

Zur Seite der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften

 

 


 

Termine
Ausstellung "Zukunft braucht Erinnerung" 13.10.2014 16:00 - 18:00 — Universitätsbibliothek
Symposium "40 Jahre Erstflug TORNADO" 22.10.2014 10:30 - 19:00 — UniCasino der Universität der Bundeswehr München
Dies Academicus 24.10.2014 10:00 - 13:00 — Universität der Bundeswehr München, Geb. 33, Audimax
5. Unternehmensforum 25.10.2014 10:00 - 16:00 — Gebäude 33, Foyer
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