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UB Eröffnung

Gedächtnistraining und Bitströme

16.11.2007: Bibliothek eröffnet Jahresausstellung mit interaktivem Rahmenprogramm

Borghoff, MayerAls Kaiser Karl V. am 3. Mai 1521 die Privilegien der Stadt Regensburg bestätigte, schrieb er auf Pergament und setzte sein kaiserliches Siegel unter das Schriftstück. Die Urkunde ist bis heute erhalten. Ob dagegen digital gespeicherte Daten von heute in mehreren Hundert Jahren noch so problemlos zugänglich sind, ist fraglich. Wie sich „das ABC der Menschheit bewahren“ lässt, ist Thema der Jahresausstellung der Universitätsbibliothek, die am 15. November eröffnet wurde und noch bis Mitte Januar zu sehen ist.

In Bildern denken
Die rund 150 Gäste, die zur Ausstellungseröffnung kamen, beschäftigten sich nicht nur mit historischen und aktuellen Archivierungsmedien, sondern auch mit ihrem eigenen Gedächtnis. Denn die Bibliothek hatte Clemens Mayer (im Bild rechts), Gedächtnisweltmeister und Trainer, eingeladen. „Wer hat noch nie etwas vergessen?“, fragte er in die Runde. Das konnte niemand von sich behaupten. Und so übte der Gedächtnisweltmeister mit dem Publikum Methoden und Techniken ein, wie sich Zahlen, Vokabeln und Namen besser einprägen lassen. Der Tipp: Abstraktes nicht als Zahlen oder Buchstaben speichern, sondern in Bildern und Geschichten denken. Das menschliche Gehirn merkt es sich so viel besser.

Digitale Erblast
Doch nicht alles Wissen kann im eigenen Gedächtnis abgespeichert werden. Schon immer waren die Menschen auf Medien angewiesen, um ihr Wissen zu bewahren und weiterzugeben. Zahlreiche Beispiele dafür, wie sich Schriftkultur und Archivierung von Information weiterentwickelt haben, finden sich in der Ausstellung: Von eingekerbten Tontafeln über geprägte Kupferplatten und beschriebene Palmblätter bis hin zum gedruckten Buch. Doch der größte Umbruch liegt erst einige Jahrzehnte zurück, als die digitalen Medien ihren Siegeszug antraten. Information im Überfluss, in Bitströmen gespeichert. Wie lässt sich dieses digitale Erbe bewahren? Darauf ging Prof. Uwe Borghoff, Vizepräsident der Universität und Professor für Informationsmanagement, in seinem Fachvortrag ein. Die Herausforderung ist immens und umfasst sowohl technische als auch gesellschaftlichspolitische Fragestellungen. Digitale Datenträger haben nur eine Lebensdauer von wenigen Jahren, ebenso kommen ständig neue Systeme und Formate auf den Markt. Die Folge: Digitale Daten gehen verloren. Dass dies bereits Wirklichkeit ist, illustrierte Prof. Borghoff anhand einiger Beispiele: So sind Daten einer US-Volkszählung von 1960 ebenso verloren wie etwa Satellitenbilder des brasilianischen Regenwaldes aus den 70er Jahren oder die meisten Daten der Apollo-Mission.

Ein Problem, das jeden betrifft
Lange habe die Politik das Problem nicht erkannt, doch „mittlerweile ist Bewegung in der Szene“, so Prof. Borghoff. Das Thema der „digitalen Langzeitarchivierung“ findet national und international Beachtung und Förderung. Mit unterschiedlichen Ansätzen forschen Wissenschaftler daran, wie digitale Daten langfristig gesichert werden können. Eine der Möglichkeiten, um das digitale Erbe authentisch zu bewahren, ist der Ansatz eines „Hardware-Museums“: Sowohl die Originaldokumente als auch die Originalumgebung – sprich Originalrechner und -software – werden erhalten. Solch ein Hardware-Museum soll als aktives Lehr- und Forschungslabor auch an der Universität der Bundeswehr München entstehen. Vom Problem der Langzeitarchivierung sei jeder betroffen, der beispielsweise mit digitalen Dokumenten arbeitet oder digitale Fotos macht, so Prof. Borghoff abschließend. Und wer ganz sicher gehen möchte, dass sich an seinen Fotos auch noch die Kinder und Enkel erfreuen können, für den hatte er einen praktischen – und ernüchternden – Tipp parat: auf Papier ausdrucken.
 

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