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Frühwald

Frau und Mann in der Literatur

23.10.2007: Jahresversammlung der Gleichstellungsbeauftragten mit Prof. Frühwald

FrühwaldEine Woche zuvor sprach er eine viel gelobte Laudatio für Saul Friedländer, den diesjährigen Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, am 23. Oktober gab er der Universität der Bundeswehr München die Ehre: Prof. Wolfgang Frühwald. Frühwald gehört zu den renommiertesten Germanisten Deutschlands und erlangte u.a. durch seine Arbeiten über Adalbert Stifter und Clemens Brentano internationale Bekanntheit. Er war sechs Jahre Präsident der DFG und übernahm 1999 als erster Geisteswissenschaftler das Amt des Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung. An die Universität der Bundeswehr München kam er auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Dr. Irmingard Böhm. „Blickwechsel: Was die Literatur über den Unterschied von Frau und Mann erzählt“, lautete das Thema, über das er anlässlich der Jahresversammlung der Gleichstellungsbeauftragten vor rund 200 interessierten Zuhörern sprach.

Chancengleichheit – noch nicht am Ziel
In ihren Grußworten betonten die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Irmingard Böhm und die Präsidentin der Universität, Prof. Merith Niehuss, welch große „Auszeichnung und Ehre“ es für die Universität sei, Prof. Frühwald als Redner gewonnen zu haben. Prof. Niehuss gab eine kurze historische Einführung zum Thema Chancengleichheit von Männern und Frauen in der Wissenschaft. Erst seit 1918 dürfen Frauen in Deutschland studieren. Seitdem haben sich die Bedingungen für Frauen und ihre Chancen auf Bildung und Karriere deutlich verbessert: „Es ist ein langer Weg, den Frauen hinter sich haben.“ Doch auch wenn mittlerweile mehr als 50 Prozent der Studierenden Frauen sind, von Chancengleichheit ist die deutsche Universitätslandschaft immer noch weit entfernt. So ist etwa der Frauenanteil in der Professorenschaft nach wie vor gering. Und während 90 Prozent der männlichen Professoren Kinder haben, sind es bei den Professorinnen nur 40 Prozent, die wissenschaftliche Karriere und Familie unter einen Hut bekommen. „Wir sind ein gutes Stück weiter, aber lange noch nicht am Ziel“, so Prof. Niehuss.

Literarische Selbstversuche
Die Beziehung zwischen Mann und Frau sei ein Indikator für den zivilisatorischen Standard eines Volkes – diese These stellte Prof. Frühwald seinem Vortrag voran. Im Zuge einer Reise durch mehrere Jahrhunderte Literaturgeschichte zeigte er auf, wie sich die Beziehung zwischen Männern und Frauen in der jeweiligen zeitgenössischen Literatur widerspiegelte. Dabei ging es um das Frauenbild Goethes ebenso wie um die – literarische – Entdeckung des weiblichen Selbstbewusstseins durch Bettina von Arnim oder das Auftreten eines neuen weiblichen Mythos – der Figur der Schwiegermutter – in Literatur, Film und Fernsehen von heute. Näher beleuchtete er drei bedeutende DDR-Autorinnen, Sarah Kirsch, Irmtraud Morgner und Christa Wolf, die in den 70er und 80er Jahren den „Geschlechtertausch“ thematisierten: Sie schrieben Erzählungen über Frauen, die sich in Männer verwandelten. Wie Christa Wolf es in ihrer Erzählung „Selbstversuch“ ausdrückt, war die Frau so „Spion im Hinterland des Gegners“. „Menschen glauben große Wahrheiten eher im unwahrscheinlichen Gewande“, erklärte Prof. Frühwald den Ansatz dieser drei Autorinnen. Für den Germanisten Frühwald ist die Literatur ein Instrument der Weltdeutung, das viel besser geeignet ist als Umfragen oder Quoten. In Bezug auf den Stand der Geschlechterbeziehungen im Deutschland der Gegenwart ist Prof. Frühwald optimistisch. Er stelle sowohl in seinem privaten Umfeld als auch in der neuen deutschen Literatur eine „Sehnsucht nach Geschlechtersolidarität in einer zivilisierten Gesellschaft“ fest. „Das solidarische Handeln zwischen den Geschlechtern ist schon in stärkerem Maße ausgeprägt als öffentlich wahrgenommen wird. Die Politik täte gut daran, diese Bewegung aufzuholen.“

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Termine
Kolloquium: Konstruktiver Ingenieurbau 13.01.2015 18:00 - 19:00 — Universität der Bundeswehr München, Geb. 61 (Casino)
Kolloquium: Konstruktiver Ingenieurbau 03.02.2015 18:00 - 19:00 — Universität der Bundeswehr München, Geb. 61 (Casino)
Kolloquium: Konstruktiver Ingenieurbau 07.04.2015 18:00 - 19:00 — Universität der Bundeswehr München, Geb. 61 (Casino)
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