Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Geißler

„Führende Menschen haben den ethischen Kompass verloren"

09.02.2007: Dr. Heiner Geißler kritisiert beim Neujahrsempfang der Hochschulseelsorge die weltweite Verletzung der Menschenrechte

GeisslerEr bewies, dass er immer noch ein „Querdenker“ ist und sein will. Dr. Heiner Geißler, ehemaliger Generalsekretär der CDU und Bundesminister a.D., sprach beim Neujahrsempfang der evangelischen und katholischen Hochschulseelsorge über den „Universalitätsanspruch der Menschenrechte in einer multikulturellen globalen Welt“. Dabei hielt sich der 76jährige nicht mit Kritik an der derzeitigen politischen Elite zurück. Er spannte einen weiten Bogen von Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan, Irak oder im US-Gefängnis Guantanamo auf Kuba. Doch auch in Deutschland sieht er die Menschenrechte gefährdet. Ein Beispiel: der Fall Kurnaz, der die Ungleichbehandlung der Menschen offensichtlich macht. „Die Menschenrechte sind unteilbar und gelten für die Angehörigen aller Völker“, hielt Geißler dagegen.

Lebensleistung aberkannt
Auch die Hartz IV-Gesetze sind für Geißler ein Beleg dafür, dass „in den westlichen Demokratien führende Menschen den ethischen Kompass verloren haben“. Wer nach 30 Jahren Berufstätigkeit unverschuldet seine Arbeit verliert, der stehe nach einem Jahr Arbeitslosengeld vor dem Abgrund. „Damit werden die Menschen nicht nur arm gemacht, sondern in ihrer Würde zerstört, weil ihre Lebensleistung nicht mehr anerkannt wird.“ Auch in anderen gesellschaftspolitischen Bereichen der Bundesrepublik sieht Geißler noch viel soziale Ungerechtigkeit. Die Frauen seien weltweit die größte diskriminierte Gruppe. In Deutschland erhielten Frauen für den gleichen Job immer noch weniger Lohn als Männer. In anderen Ländern erreicht die Diskriminierung völlig andere Dimensionen: Geißler nannte Beispiele aus Bangladesh, dem Sudan und anderen arabischen Ländern, in denen Frauen Gewalt und Unterdrückung erleiden.

Politische Konsequenzen
Geißler ging auch auf den Ort ein, an dem er seine Rede hielt – die Universität der Bundeswehr. Einsätze der Bundeswehr bedürften eines klaren ethischen Fundaments. Im Falle des Kosovo- oder Afghanistaneinsatzes sieht er dies gegeben. „Die Bundeswehr ist die Armee einer Wertegemeinschaft zur Verteidigung der Menschenrechte und der Demokratie.“ Um die Menschenrechte weltweit durchzusetzen, sieht er Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in der Pflicht: Vertreter der fünf großen Weltreligionen sollten einen gemeinsamen Ethos erarbeiten und realisieren. Die Einhaltung des internationalen Völkerrechts und einer internationalen sozialen Marktwirtschaft erkennt Geißler außerdem als Voraussetzung für eine bessere Welt. „Friede kann es erst geben, wenn die Grundwerte Gerechtigkeit und Freiheit realisiert sind“, so Geißler.

Ausschnitte aus der Rede Geißlers im Audimax (Videodatei)

Zur Seite von Dr. Heiner Geißler


 

Termine
Gastvortrag: "Dimensionen des interkulturellen Managements" 18.12.2014 14:30 - 16:00 — Geb. 33, Raum 0231
Kolloquium: Konstruktiver Ingenieurbau 13.01.2015 18:00 - 19:00 — Universität der Bundeswehr München, Geb. 61 (Casino)
Kolloquium: Konstruktiver Ingenieurbau 03.02.2015 18:00 - 19:00 — Universität der Bundeswehr München, Geb. 61 (Casino)
Kolloquium: Konstruktiver Ingenieurbau 07.04.2015 18:00 - 19:00 — Universität der Bundeswehr München, Geb. 61 (Casino)
Kommende Termine…