lehrkonzept
Lehrkonzept
M. Schmid/ M. Weihrich
überarbeitet von M. Wimmer (Sept. 2005) Das Nebenfach Soziologie wird an unserer Fakultät unter drei Vorbedingungen angeboten, die seinen Inhalt und seine Gestalt mitbestimmen.
Zunächst muss man sehen, dass sich der Einbau der Soziologie in die Pädagogik einer mittlerweile inaktuellen Problemsituation verdankt. Als man Mitte der 70er Jahre damit begann, die damals weitgehend geisteswissenschaftlich, ja historisch orientierte Pädagogik als Universitätsfach zu reformieren, verfolgte man die Leitlinie, die überkommenen Curricula durch den Einbau sozialwissenschaftlicher Anteile auf eine „wissenschaftliche“ Grundlage zu stellen.
Eine solche Fundierung ist heute insoweit entbehrlich, als Pädagogen im Gefolge eben dieser Reformen weitgehend „versozialwissenschaftlicht“ sind; mehr noch, in beträchtlichem Umfang verstehen sie sich selbst als Soziologen.
Zudem hat sich die Soziologie mittlerweile verändert. Nach unserer Einschätzung besteht sie nicht länger aus einer Vielzahl von unversöhnlichen Paradigmata und heterogenen „Ansätzen“1; sondern bewegt sich in Richtung auf ein vereinheitlichtes Forschungsprogramm2 mit einem entscheidungstheoretischen Kern und einer offenen Menge von situativ spezifizierten Anwendungen. Damit ist sie Teil einer allgemeinen Entwicklung, die Ökonomie3, Politologie4, Sozialanthropologie5, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte6 usf. gleichermaßen erfasst hat. Die Soziologie verfolgt endlich auch keine Reduktionsstrategien mehr7, d.h. sie wildert nicht im Bereich der Psychologie, sondern arbeitet mit einfachen Handlungsmodellen, deren Inhalt sich nach den Interaktions- bzw. Interdependenzproblemen richtet, die sie behandelt (davon gleich mehr)8.
Zunächst muss man sehen, dass sich der Einbau der Soziologie in die Pädagogik einer mittlerweile inaktuellen Problemsituation verdankt. Als man Mitte der 70er Jahre damit begann, die damals weitgehend geisteswissenschaftlich, ja historisch orientierte Pädagogik als Universitätsfach zu reformieren, verfolgte man die Leitlinie, die überkommenen Curricula durch den Einbau sozialwissenschaftlicher Anteile auf eine „wissenschaftliche“ Grundlage zu stellen.
Eine solche Fundierung ist heute insoweit entbehrlich, als Pädagogen im Gefolge eben dieser Reformen weitgehend „versozialwissenschaftlicht“ sind; mehr noch, in beträchtlichem Umfang verstehen sie sich selbst als Soziologen.
Zudem hat sich die Soziologie mittlerweile verändert. Nach unserer Einschätzung besteht sie nicht länger aus einer Vielzahl von unversöhnlichen Paradigmata und heterogenen „Ansätzen“1; sondern bewegt sich in Richtung auf ein vereinheitlichtes Forschungsprogramm2 mit einem entscheidungstheoretischen Kern und einer offenen Menge von situativ spezifizierten Anwendungen. Damit ist sie Teil einer allgemeinen Entwicklung, die Ökonomie3, Politologie4, Sozialanthropologie5, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte6 usf. gleichermaßen erfasst hat. Die Soziologie verfolgt endlich auch keine Reduktionsstrategien mehr7, d.h. sie wildert nicht im Bereich der Psychologie, sondern arbeitet mit einfachen Handlungsmodellen, deren Inhalt sich nach den Interaktions- bzw. Interdependenzproblemen richtet, die sie behandelt (davon gleich mehr)8.
Welches Angebot kann die Soziologie unter diesen Vorgaben machen?
Die Leitidee
Das Angebot, das die Soziologie vor diesem Hintergrund macht, folgt einer curriculartheoretischen Leitidee9. Wir gehen davon aus, dass Pädagogik von zwei Nebenfächern eingerahmt wird, die sich die Aufgabe teilen, die Studierenden mit spezifischen Restriktionen bekannt zu machen, denen pädagogische Interventionen ausgesetzt sind: Die Psychologie bearbeitet zu diesem Zweck die indivuellen Restriktionen10, die Soziologie hingegen widmet sich den institutionellen (oder strukturellen) Restriktionen. Die Kenntnis dieser restriktiven Bedingungen ist zum einen notwendig, um die Opportunitäten jener Akteure kennenzulernen, denen sich die Pädagogen zuwenden; sie ist zudem unabdingbar, um die Kostenstruktur ihres Handelns zu erheben und endlich um die Probleme zu verstehen, die die untersuchten Akteure durch ihr Handeln lösen wollen. Von der Kenntnis dieser einschränkenden Bedingungen hängt der mögliche Erfolg jeder externen Veränderung ihrer Handlungsbedingungen ab. Die Frage, wie diese Restriktionen gestaltet sind und wie sie sich auf den Erfolg oder Misserfolg von Interventionen auswirken, beantworten wir mit Hilfe eines theoretischen Arguments, das den verschiedenen Veranstaltungen unseres Curriculums von Beginn an sowohl eine einheitliche Richtung als auch eine aufeinander bezogene Form verleiht11.
Das Grundstudium
Wir beginnen im Grundstudium mit der Grundlegung des Arguments. Ausgangspunkt ist die Auffassung, dass Akteure voluntaristische Akteure sind, was damit gleichzusetzen ist, dass sie im Rahmen ihrer (mentalen und physischen) Kompetenzen und Fähigkeiten12 im Prinzip jede gewünschte Handlung ausführen können. Dieser Voluntarismus wird nicht „dezisionistisch“, sondern entscheidungstheoretisch modelliert. Dieses Entscheidungsmodell versteht die Entstehung von Handeln als Lösung eines Auswahlproblems, das es erfordert, zunächst drei Variablen miteinander in Beziehung zu setzen: Interessen oder Handlungsziele, Ressourcen oder Mittel und Erwartungen oder Informationen. Diese Erwartungen richten sich auf die Eigenheiten der Handlungssituationen bzw. der zu gewärtigenden Handlungsfolgen, womit mitberücksichtigt ist, dass es unintendierte ebenso wie unerwünschte Handlungsfolgen gibt. Die primäre Verknüpfung dieser Variablen erfolgt durch ein von uns so genanntes „Handlungsgesetz“, dessen logische Grundzüge einer Nutzenfunktion13 bzw. den Basisannahmen des sog. RREEMM-Modell des Handelns14 entsprechen.15 Wir wissen, dass ein solches Modell Handeln nur partiell erfasst (d.h. handlungsbestimmende Faktoren bleiben ausgeblendet bzw. der Psychologie überlassen), aber das Handlungsgesetz reicht hin, um Handeln als individuell konstruiertes, situativ selegiertes Anpassungshandeln und damit als Problemlösungshandeln zu verstehen.16 Die wichtigste Konsequenz dieses Vorgehens ist die, dass sich mit Hilfe des genannten Entscheidungsmodells eindeutig charakterisieren lässt, welchen Schwierigkeiten sich die Akteure ausgesetzt sehen, wenn sie den Versuch machen (wollen oder müssen), ihr Handeln ertragsinteressiert aneinander zu orientieren. Mit anderen Worten: Das Entscheidungsmodell erlaubt zum einen eine Untersuchung der sogenannten „Logik der Situation“ , d.h. der Verteilung der in Rechnung zu stellenden Handlungsalternativen, und zum anderen eine genaue Beschreibung der Abstimmungsprobleme, vor denen die Akteure stehen. Zu deren näherer Charakterisierung unterscheiden wir in der Folge drei Problemarten oder (wie wir vorzugsweise sagen) drei Dilemmata17:
Zum einen behandeln wir das sogenannte Koordinationsdilemma. Dieses Problem resultiert aus der Tatsache, dass die Akteure bisweilen durchaus eine gemeinsame Zielsetzung verfolgen, aber angesichts einer Vielzahl gleichbewerteter Lösungswege nicht wissen, auf welchem Wege sie diese unproblematische Zielsetzung erreichen können. Es besteht demnach ein Unsicherheitsproblem.
Sodann behandeln wir das sogenannte Gefangenendilemma oder Kooperationsdilemma, das dadurch gekennzeichnet ist, dass sich jeder Akteur insoweit einer Schädigungsgefahr ausgesetzt sieht als seine Mitakteure einen Anreiz haben, ihre eigenen Gewinnchancen durch einseitige Abweichung vom Kooperationsgleichgewicht zu erhöhen. Gefangenendilemmata enthalten somit die Möglichkeit zur Ausbeutung der Vorleistungen anderer.
Und endlich besprechen wir das Problem der Ungleichheit. Dahinter verstecken sich Verteilungsprobleme, die zu regelmäßig nur schwer lösbaren Konflikten führen werden, da nicht davon auszugehen ist, dass sich Akteure mit ihrer Schlechterstellung einverstanden erklären werden.
Die Lösung dieser Probleme besteht in der Bildung von Insitutionen, d.h. in der Festschreibung von Regeln, worunter wir Rechte (also Freiheiten) und Normen (also Sollensanforderungen) verstehen. Die Frage, die uns im weiteren ausschließlich beschäftigt, ist: Auf welchen Wegen können Akteure derartige Regeln finden, stabilisieren und verändern? Die theoretische und curriculare Konsequenz dieser Fragestellung ist die, dass sich alle weiteren Veranstaltungen auf die systematische, analytische Modellierung von Regulierungsmechanismen, deren Reproduktionsbedingungen und evolutionäre Veränderungen konzentrieren18.
Wir unterscheiden zu diesem Zweck drei verschiedene Mechanismen: Moralbildung (oder Solidarität), Tauschprozesse (oder Reziprozität) und Herrschaft (oder Autorität) und untersuchen sukzessive die näheren Bedingungen, unter denen solche Mechanismen funktionieren können. Die wichtigsten Stichworte lauten in diesem Zusammenhang: Absprachen und Vertragsbildung, Eigentumsrechte und Handlungsnormen, soziale Kontrolle und Sanktionen, Abstimmungen oder Wahlen. Der gemeinsame Hintergrund aller Mechanismen ist die Notwendigkeit, Rechte und Normen so zu verteilen, dass der Zugriff auf individuell und kollektiv genutzte Güter schädigungsfrei reguliert werden kann, wobei eine wichtige Einsicht die ist, dass alle diese Abstimmungsmechanismen nicht kostenfrei wirken und nicht beliebig kombinierbar sind.19
Normalerweise gehen wir auf die Geschichte unseres Fachs nicht ein, sondern verfolgen nur unser Problem der Institutionenbildung. Da es sich aber gezeigt hat, dass die Studenten an der Geschichte soziologischer Theoriebildung durchaus ein Interesse zeigen befragen wir ausgewählte „klassische“ und moderne Autoren danach, welche der genannten Mechanismen sie paradigmatisch erforscht haben20, (z.B. Thomas Hobbes´ Herrschaftskonzeption, Herbert Spencers Theorie der Arbeitsteilung und Differenzierung21, Émile Durkheims Theorie moralischer Integration22, Max Webers Herrschafts- und Verbandstheorie23, Parsons´ Theorie der Handlungskontrolle24, Robert Mertons Anomietheorie, die eine Theorie gesellschaftlichen Wettbewerbs ist25, Michael Hechters Theorie der Gruppensolidarität26, Mancur Olsons Theorie der Gruppenbildung27, Gordon Tullocks Theorie der autokratischen Herrschaft28, Margaret Levis Theorie der Besteuerung29, Elinor Ostroms Theorie der Allmende30 u.a.m.).31 Die relativ abstrakte Argumentation der einführenden Präsentation wird durch zwei Übungen begleitet, die den Stoff anhand von detaillierenden Lektüren vertiefen und festigen. Die erste Übung beschäftigt sich vertiefend mit Entscheidungstheorie und Abstimmungsproblemen. Im einzelnen verfolgen wir die Fragen, wie verschiedene Handlungstheorien die Rationalität des Handelns konzipieren (anhand von Weise 1989), was sich hinter dem Problem der nichtintendierten Folgen zweckgerichteten Handelns verbirgt (anhand von Wippler 1981), wie der Übergang von individuellen Handlungen zu kollektiven Effekten modelliert werden kann (anhand von Esser 1993 oder Coleman 1987). Koordinationsdilemma untersuchen wir anhand von Schmidt/Werle 1994, worin es um Industrienormen geht, Kooperationsdilemma anhand von Keck/Wagner 1990 und Weede 1986, die die Dopingproblematik und das Wettrüsten behandeln und Ungleichheitsdilemmata anhand von Hirschs Untersuchung von Positionsgütern (Hirsch 1980). Die zweite Übung widmet sich den Abstimmungsmechanismen: Markt und Wettbewerb thematisieren wir anhand eines Einführungstextes vonMancur Olson (Olson 1968), ebenso Herrschaft im Bezug auf öffentliche Güter (Olson 1968), ergänzt durch Elias 1969 (Kampf) und Moore 1982 (Vertrag) und im Anschluss daran Moral mit Kliemt 1993 und Weise 1995. Wir haben zum selben Zweck überdies eine Literaturliste vorbereitet, die wichtige Texte zu den unterschiedlichen Themenbereichen empfiehlt, die auch Seminararbeiten zugrunde gelegt werden können. Als eine Art Basislektüre hat sich im letzten Jahrzehnt zunehmend das seminale Buch von James S. Coleman über die „Grundlagen der Sozialtheorie“ herauskristallisiert, das mittlerweile in deutscher Übersetzung vorliegt33 und das wir auch zum Gegenstand von Seminaren im Hauptstudium machen. Wir tun dies, weil Coleman Tausch-, Herrschafts- und Vertrauenssysteme auf entscheidungstheoretischer Grundlage systematisch untersucht und dabei - ganz im Sinne unseres basalen theoretischen Arguments - der Idee große Bedeutung einräumt, dass man zur Beseitigung und Kontrolle negativer Externalitäten und unerwünschter bzw. nicht-intendierter Folgen kollektiven Handelns schädigungsmindernde Normen und Rechte etablieren muss34. Darüberhinaus lassen sich in Colemans Werk auch einige derjenigen Mechanismen erkennen, aufgrund derer die Verteilungsprobleme entstehen, die soziale Ungleichheiten nach sich ziehen. Schließlich offeriert Coleman im Rahmen seiner Metatheorie, nach der Ereignisse und Verteilungen auf der Makroebene immer mikrofundiert werden müssen, d.h. nur unter Rückgriff auf die Handlungsentscheidungen von Akteuren erklärt werden können, ein Makro-Mikro-Makro-Modell35 für die Erklärung sozialer Prozesse, das sich auch didaktisch gut nutzen lässt.
Zum einen behandeln wir das sogenannte Koordinationsdilemma. Dieses Problem resultiert aus der Tatsache, dass die Akteure bisweilen durchaus eine gemeinsame Zielsetzung verfolgen, aber angesichts einer Vielzahl gleichbewerteter Lösungswege nicht wissen, auf welchem Wege sie diese unproblematische Zielsetzung erreichen können. Es besteht demnach ein Unsicherheitsproblem.
Sodann behandeln wir das sogenannte Gefangenendilemma oder Kooperationsdilemma, das dadurch gekennzeichnet ist, dass sich jeder Akteur insoweit einer Schädigungsgefahr ausgesetzt sieht als seine Mitakteure einen Anreiz haben, ihre eigenen Gewinnchancen durch einseitige Abweichung vom Kooperationsgleichgewicht zu erhöhen. Gefangenendilemmata enthalten somit die Möglichkeit zur Ausbeutung der Vorleistungen anderer.
Und endlich besprechen wir das Problem der Ungleichheit. Dahinter verstecken sich Verteilungsprobleme, die zu regelmäßig nur schwer lösbaren Konflikten führen werden, da nicht davon auszugehen ist, dass sich Akteure mit ihrer Schlechterstellung einverstanden erklären werden.
Die Lösung dieser Probleme besteht in der Bildung von Insitutionen, d.h. in der Festschreibung von Regeln, worunter wir Rechte (also Freiheiten) und Normen (also Sollensanforderungen) verstehen. Die Frage, die uns im weiteren ausschließlich beschäftigt, ist: Auf welchen Wegen können Akteure derartige Regeln finden, stabilisieren und verändern? Die theoretische und curriculare Konsequenz dieser Fragestellung ist die, dass sich alle weiteren Veranstaltungen auf die systematische, analytische Modellierung von Regulierungsmechanismen, deren Reproduktionsbedingungen und evolutionäre Veränderungen konzentrieren18.
Wir unterscheiden zu diesem Zweck drei verschiedene Mechanismen: Moralbildung (oder Solidarität), Tauschprozesse (oder Reziprozität) und Herrschaft (oder Autorität) und untersuchen sukzessive die näheren Bedingungen, unter denen solche Mechanismen funktionieren können. Die wichtigsten Stichworte lauten in diesem Zusammenhang: Absprachen und Vertragsbildung, Eigentumsrechte und Handlungsnormen, soziale Kontrolle und Sanktionen, Abstimmungen oder Wahlen. Der gemeinsame Hintergrund aller Mechanismen ist die Notwendigkeit, Rechte und Normen so zu verteilen, dass der Zugriff auf individuell und kollektiv genutzte Güter schädigungsfrei reguliert werden kann, wobei eine wichtige Einsicht die ist, dass alle diese Abstimmungsmechanismen nicht kostenfrei wirken und nicht beliebig kombinierbar sind.19
Normalerweise gehen wir auf die Geschichte unseres Fachs nicht ein, sondern verfolgen nur unser Problem der Institutionenbildung. Da es sich aber gezeigt hat, dass die Studenten an der Geschichte soziologischer Theoriebildung durchaus ein Interesse zeigen befragen wir ausgewählte „klassische“ und moderne Autoren danach, welche der genannten Mechanismen sie paradigmatisch erforscht haben20, (z.B. Thomas Hobbes´ Herrschaftskonzeption, Herbert Spencers Theorie der Arbeitsteilung und Differenzierung21, Émile Durkheims Theorie moralischer Integration22, Max Webers Herrschafts- und Verbandstheorie23, Parsons´ Theorie der Handlungskontrolle24, Robert Mertons Anomietheorie, die eine Theorie gesellschaftlichen Wettbewerbs ist25, Michael Hechters Theorie der Gruppensolidarität26, Mancur Olsons Theorie der Gruppenbildung27, Gordon Tullocks Theorie der autokratischen Herrschaft28, Margaret Levis Theorie der Besteuerung29, Elinor Ostroms Theorie der Allmende30 u.a.m.).31 Die relativ abstrakte Argumentation der einführenden Präsentation wird durch zwei Übungen begleitet, die den Stoff anhand von detaillierenden Lektüren vertiefen und festigen. Die erste Übung beschäftigt sich vertiefend mit Entscheidungstheorie und Abstimmungsproblemen. Im einzelnen verfolgen wir die Fragen, wie verschiedene Handlungstheorien die Rationalität des Handelns konzipieren (anhand von Weise 1989), was sich hinter dem Problem der nichtintendierten Folgen zweckgerichteten Handelns verbirgt (anhand von Wippler 1981), wie der Übergang von individuellen Handlungen zu kollektiven Effekten modelliert werden kann (anhand von Esser 1993 oder Coleman 1987). Koordinationsdilemma untersuchen wir anhand von Schmidt/Werle 1994, worin es um Industrienormen geht, Kooperationsdilemma anhand von Keck/Wagner 1990 und Weede 1986, die die Dopingproblematik und das Wettrüsten behandeln und Ungleichheitsdilemmata anhand von Hirschs Untersuchung von Positionsgütern (Hirsch 1980). Die zweite Übung widmet sich den Abstimmungsmechanismen: Markt und Wettbewerb thematisieren wir anhand eines Einführungstextes vonMancur Olson (Olson 1968), ebenso Herrschaft im Bezug auf öffentliche Güter (Olson 1968), ergänzt durch Elias 1969 (Kampf) und Moore 1982 (Vertrag) und im Anschluss daran Moral mit Kliemt 1993 und Weise 1995. Wir haben zum selben Zweck überdies eine Literaturliste vorbereitet, die wichtige Texte zu den unterschiedlichen Themenbereichen empfiehlt, die auch Seminararbeiten zugrunde gelegt werden können. Als eine Art Basislektüre hat sich im letzten Jahrzehnt zunehmend das seminale Buch von James S. Coleman über die „Grundlagen der Sozialtheorie“ herauskristallisiert, das mittlerweile in deutscher Übersetzung vorliegt33 und das wir auch zum Gegenstand von Seminaren im Hauptstudium machen. Wir tun dies, weil Coleman Tausch-, Herrschafts- und Vertrauenssysteme auf entscheidungstheoretischer Grundlage systematisch untersucht und dabei - ganz im Sinne unseres basalen theoretischen Arguments - der Idee große Bedeutung einräumt, dass man zur Beseitigung und Kontrolle negativer Externalitäten und unerwünschter bzw. nicht-intendierter Folgen kollektiven Handelns schädigungsmindernde Normen und Rechte etablieren muss34. Darüberhinaus lassen sich in Colemans Werk auch einige derjenigen Mechanismen erkennen, aufgrund derer die Verteilungsprobleme entstehen, die soziale Ungleichheiten nach sich ziehen. Schließlich offeriert Coleman im Rahmen seiner Metatheorie, nach der Ereignisse und Verteilungen auf der Makroebene immer mikrofundiert werden müssen, d.h. nur unter Rückgriff auf die Handlungsentscheidungen von Akteuren erklärt werden können, ein Makro-Mikro-Makro-Modell35 für die Erklärung sozialer Prozesse, das sich auch didaktisch gut nutzen lässt.
Das Hauptstudium
Nachdem im Grundstudium die Dilemmata, die sich regelmäßig ergeben, wenn Akteure versuchen, ihre Interessen in sozialen Handlungssituationen zu realisieren, theoretisch entwickelt und Möglichkeiten skizziert wurden, diese Dilemmata durch Tausch, Herrschaft oder Moral zu entschärfen, widmet sich das Hauptstudium vornehmlich der Untersuchung, wie diese Regulierungsmechanismen in verschiedenartigen empirischen Situationen wirken. Dabei wollen wir nachdrücklich herausarbeiten, dass der Erfolg solcher Mechanismen an höchst voraussetzungsreiche Bedingungen geknüpft ist und auch dort, wo diese erfüllt sind, bisweilen destabilisierende Folgeprobleme nur schwer vermieden werden können. Wir halten uns dabei an die Struktur, die in der Vorlesung angelegt ist, und suchen nach Problemaufrissen, für die sich die diskutierten Lösungen Moral, Herrschaft und Tausch bzw. Markt gut herausarbeiten lassen.
Zu diesem Zweck behandeln wir neben Problemfeldern aus uns naheliegenden Gesellschaften, (zumal unserer eigenen) regelmäßig auch historische und ethnographische Fallbeispiele36, die den Horizont der üblichen Erfahrungen übersteigen. Unseres Erachtens eignet sich eine solche Mischung gut für den Nachweis, dass Abstimmungsprobleme überall vorkommen, dass man sie auch ganz anders lösen kann, als wir es kennen, und überdies dazu, wie voraussetzungsreich die gefundenen Lösungen sein können. Wir denken, dass es für Pädagogikstudenten wichtig sein muss, zu erkennen, dass es von den Eigenheiten der Situation abhängt, welche Regelungsmechanismen man durchsetzen kann und mit welchen Tücken und Gegenläufigkeiten man rechnen muss, wenn man dies versucht. Das kann, wie wir in einem Seminar über den Zusammenbruch komplexer Gesellschaften erarbeitet haben, bisweilen auch mit dem Untergang einer ganzen Kultur enden37, obgleich die dort praktizierten Lösungen über lange Zeiträume gut funktioniert haben mögen. Um die Zielrichtung unseres Vorgehens zu dokumentieren und einen Eindruck zu vermitteln, wie unser Lehrbetrieb angelegt ist, wollen wir einige Veranstaltungen aus einer Seminarreihe vorstellen, in denen wir den Einsatz und die Stabilisierung von Herrschaftslösungen, Macht und Gewalt untersucht haben. Im Anschluss an die theoretische Beschäftigung mit Herrschaft, die einmal infolge der freiwilligen Übertragung von Kontrollrechten an einen Herrscher, zum anderen aber auch infolge der zwangsweisen Aneignung solcher Rechte durch einen Gewalthaber zustande kommt, haben wir ein Seminar mit dem Titel: „Liegestühle, Goldrausch und Seilschaften“ entworfen und durchgeführt. Diesem Seminar liegen drei ganz
unterschiedliche Untersuchungen zugrunde. Die „Liegestühle“ beziehen sich auf eines von drei Beispielen, die Heinrich Popitz konstruiert hat, um zu erklären, wie Machtverhältnisse entstehen und sich stabilisieren können38. Zu diesem Zweck untersucht er, wie sich eine Minderheit auf Kosten der Mehrheit durchsetzen kann. Als Schauplatz wählt er ein Schiff (das man nicht schnell mal verlassen kann); das Gut, auf deren Kontrolle die Herrschaft beruht, sind Liegestühle, von denen es etwa ein Drittel soviel wie Passagiere gibt. Sobald jemand aufsteht, gilt der jeweilige Liegestuhl als frei, so dass im Großen und Ganzen immer dann, wenn jemand das Bedürfnis hat, sich hinzulegen, ein Liegestuhl zur Verfügung steht. Dieser paradiesische Zustand aber änderte sich, als eine Gruppe an Bord kam, die für sich das Recht in Anspruch nahm, Liegestühle dauerhaft zu besetzen. Popitz zeigt nun im Detail, wie es dieser Gruppe gelingt, sich in den dauerhaften Besitz dieser Liegestühle zu setzen, und wie sich im Gefolge und als Voraussetzung der dauerhaften Herrschaft über die Liegestühle schließlich eine Dreiklassengesellschaft aus Besitzern, Wächtern und Nichtbesitzern entwickelt, und, was das vielleicht interessanteste ist, warum es infolgedessen der nicht besitzenden Mehrheit nicht mehr möglich ist, den Ausgangszustand wiederherzustellen. Man kann sich natürlich auch fragen, unter welchen Bedingungen ein Herrschaftsentzug gelingt; wir gehen dieser Frage an anderer Stelle am Beispiel der Leipziger Montagsdemonstrationen nach, wobei die nur schwer steuerbaren Dynamiken kollektiven Verhaltens einen wichtigen Stellenwert bekommen39.
Das empirische Beispiel, das hinter dem Stichwort „Goldrausch“ steckt, behandelt eine Untersuchung über die Entstehung von Eigentumsrechten ohne eine Monopolisierung von Zwangsmitteln: Die Entstehung von individuellen Goldschürfrechten im Gefolge des kalifornischen Goldrausches40. Die je nach Ausbeute unterschiedlich großen (aber infolgedessen gleichwertigen) Claims kamen dadurch zustande, daß die gleich starken und gleich (schlecht) ausgerüsteten Männer41, die 1848 nach Californien kamen, um dort nach Gold zu graben, sich ihre Grabungsbereiche zunächst mit Gewalt streitig machten - allerdings nur insoweit, daß ihnen noch genug Zeit fürs Buddeln blieb. Solange der Übergriff auf fremde Felder gelang, zog man dies der Goldsuche vor, war dann aber darauf angewiesen, den erworbenen Claim eigenhändig auszubeuten.
Wenn der Angriff sich infolge der gleichen Waffenstärke als ungewiss erwies und
zudem die Ausbeutung der eigenen Goldvorräte behinderte, wandte man sich andererseits dem Buddeln zu. Im Ergebnis dieser gegenläufigen Dynamiken entstand eine gewaltbasierte Gleichverteilung der Schürfrechte, deren Verteilung und Erhaltung auf den Einsatz einer übergeordneten Instanz nicht angewiesen war. Die Zentralregierung residierte 4000 Meilen entfernt, und die Entsendung der Armee war insoweit ein Mißerfolg als die schlecht bezahlten Soldaten weniger Anreize hatten, die Herrschaftssicherung zu übernehmen, als zu desertieren
und sich selbst auf die Suche nach den begehrten „ nuggets“ zu begeben.
Das dritte Beispiel schließlich - die „ Seilschaften“ - konzentriert sich auf einen empirischen Fall im nachwendlichen Ostdeutschland42. In einer brandenburgischen Gemeinde konnte der neugewählte Stadtrat, der vorwiegend aus Bürgerrechtlern bestand, die ihm von den Wählern übertragenden Kontrollrechte nicht durchsetzen, weil er nicht in der Lage war, eine Koalition mit den immer noch mächtigen Betriebsleitern einzugehen, auf deren Unterstützung er angewiesen war. Angesichts der Tatsache, dass die Protagonisten auf ganz unterschiedliche Ressourcen zurückgreifen konnten und ihre widerstreitenden Interessen einen wie auch immer gearteten Austausch verhinderten, mußten sie sich wechselseitig blockieren: Die gewählten Volksvertreter hatten keine finanzielle Rückendeckung, die alten Kader keine Legitimation; immerhin war deren Verweigerungspotential stark genug, um die Politik der gewählten Volksvertreter erheblich zu behindern. In allen drei Fällen zeigt sich, dass Macht aus der Verfügung über eine Ressource resultiert, die man zur Verfolgung der eigenen Interessen einsetzen kann, wenn sich andere für diese Ressource interessieren; unter bestimmten Bedingungen (Art und Verteilung der Ressource, Organisationsfähigkeit der Nichtbesitzenden, Legitimation der Verhältnisse) können sich infolgedessen äußerst stabile, wenn auch ganz heterogene Machtbeziehungen ergeben. Je nach den vorherrschenden Umständen laufen derartige „ Prozesse der Machtbildung“43 auf eine undemokratische Blockade von Handlungen hinaus wie in Fall der Gemeinde, oder sie wirken sich zum Nachteil eines großen Teils der Akteure aus wie auf dem Schiff, oder sie fördern eine Gleichverteilung von Rechten, wie wir sie im Fall der Goldsucher beobachten können.
In einem weiteren Seminar dieser Reihe haben wir ein aktuelles Geschehen, dessen Verlauf auf dem erfolgreichen Einsatz von Gewaltmitteln beruht, näher untersucht: die Aktionen der sizilianischen Mafia44. Hierfür wurde „Mafia“ ganz prosaisch als ein Markenzeichen für Unternehmen betrachtet, die das Gut „ Sicherheit“ in einem Umfeld anbieten, in dem es - aufgrund der Tatsache, daß der italienische Staat nicht in der Lage ist, Schutz in eigener Regie anzubieten und aufgrund der eigenen Aktivitäten in der Verbreitung von Mißtrauen - kein Vertrauen gibt. Solche Unternehmen setzen Gewalt in rationaler Weise ein, um ihr
Schutzangebot einlösen zu können. Obschon sich aus dieser Tätigkeit ein langfristiger Schaden für alle ergibt, Schutz also kein öffentliches Gut darstellt (wie es Staaten bereitstellen), sondern immer nur für den einen und damit gegen den anderen gewährt wird, werden die Dienste solcher Unternehmen nachgefragt. Ein Marktteilnehmer, der den Schutz zurückweisen wollte, geriete nämlich insoweit in eine benachteiligte Situation, als Dritte ihn ungestraft hintergehen könnten. Unter Kenntnis der Anreizstruktur der Nachfrager in der gegebenen Situation kann man die mystifizierte Unbesiegbarkeit der Mafia entzaubern und halbwegs realistische Strategien zur Bekämpfung mafiosen Verhaltens entwerfen.
In Erweiterung dieser Fragestellung haben wir auch Unternehmen untersucht, die Gewalt in Form militärischer Dienstleistungen auf einem sich zunehmend internationalisierenden Markt anbieten45; solche modernen Söldnertruppen sind ein weiterer Akteur, der Gewalt rational einsetzt46 und zunehmend auf Nachfrage stößt. Aufgrund der aktuellen Ereignisse haben wir uns auch an die Analyse des Terrorismus gewagt, indem wir damit begonnen haben, die Bedingungen zu erkunden, unter denen sich terroristisches Handeln als eine rationale Strategie anbietet.47 In ähnlicher Form untersuchen wir soziale Tauschsysteme und Markttauschsysteme (so etwa die Grundzüge privater Gütermärkte, den Kula-Tausch in Melanesien oder die Eigenwilligkeiten der Bazarökonomie48) und die Bedingungen und Grenzen moralischer Integration (so zum Beispiel, unter welchen Umständen es gelingen kann, „ soziale Fallen“ wie die Tragödie der Allmende zu vermeiden49, Gruppensolidaritäten zu entwickeln50, einen „Markt
der Tugend“ 51 zu etablieren oder - im Zusammenhang mit oben und in anderer Konnotation - wie es mafiosen Unternehmen gelingt, ihre „ Firma“ zusammenzuhalten, obwohl der gesetzlich geschützte Arbeitsvertrag sich in solchen Fällen kaum anbietet).
Dieser curriculare Aufbau - die Untersuchung der Lösungsmöglichkeiten von Abstimmungsproblemen anhand unterschiedlicher Szenarios - ermöglicht uns einige Flexibilität: Wir können zum einen variable inhaltliche Schwerpunkte setzen und so einmal den Interessen der Studenten entgegenkommen und andererseits auch unsere eigenen aktuellen und spezifischen Forschungsinteressen einfließen lassen. Zum zweiten haben wir die Möglichkeit, ganz unterschiedliche Arten von Problembeschreibungen und empirischen Aufbereitungen als Lehrgrundlage heranziehen zu können: Konstruierte Lehrbeispiele, empirische Untersuchungen verschiedener Ausprägungen und theoriegeleitete Modelle, aber auch aktuelle gesellschaftliche Phänomene, deren Problembeschreibung wir erst erarbeiten
müssen52. Aus dieser Systematik fällt ein Seminar über „Schwerpunkte aktueller soziologischer Theoriediskussion“ augenscheinlich heraus. In diesem Seminar diskutieren wir neuere Theorieentwicklungen, die den Studenten und uns interessant erscheinen, aber nicht ohne weiteres mit unserem handlungstheoretischen Zugang kompatibel zu sein scheinen. Wir haben uns dort mit Becks Individualisierungstheorie53, mit Luhmanns Systemtheorie54, mit der Rekonstruktion einer aktuellen Diskussion in der ZEIT über das Selbstverständnis der Soziologie55 und wiederholt mit George Ritzers These der McDonaldisierung der Gesellschaft56 auseinandergesetzt. Obgleich solche Themen aus der Perspektive unseres allgemeinen Arguments etwas randständig erscheinen, versuchen wir gleichwohl, es nicht aus den Augen zu verlieren; vielmehr interessieren wir uns dafür, wie diese Ansätze oder Theorien, die ein differentes Paradigma vertreten, mit Abstimmungsproblemen verfahren. Dabei stellt sich
regelmäßig heraus, dass die dort behandelten Prozesse sich mit mehr oder weniger Anstrengung mit unseren Überlegungen zur Deckung bringen lassen57.
Am Ende dürfen wir noch auf eine Veranstaltung hinweisen, die wir schon sehr lange (und seit einigen Jahren zusammen mit dem Institut für Staatswissenschaften der Fakultät für Sozialwissenschaften) durchführen: das „Soziologische Forschungskolloquium“ . Im Rahmen dieser Veranstaltung stellen sowohl KollegInnen aus unserer Fakultät und Universität als auch GastwissenschaftlerInnen ihre aktuellen Forschungen vor und fördern auf diesem Wege die wissenschaftliche Kommunikation innerhalb und außerhalb der Fakultät.
Zu diesem Zweck behandeln wir neben Problemfeldern aus uns naheliegenden Gesellschaften, (zumal unserer eigenen) regelmäßig auch historische und ethnographische Fallbeispiele36, die den Horizont der üblichen Erfahrungen übersteigen. Unseres Erachtens eignet sich eine solche Mischung gut für den Nachweis, dass Abstimmungsprobleme überall vorkommen, dass man sie auch ganz anders lösen kann, als wir es kennen, und überdies dazu, wie voraussetzungsreich die gefundenen Lösungen sein können. Wir denken, dass es für Pädagogikstudenten wichtig sein muss, zu erkennen, dass es von den Eigenheiten der Situation abhängt, welche Regelungsmechanismen man durchsetzen kann und mit welchen Tücken und Gegenläufigkeiten man rechnen muss, wenn man dies versucht. Das kann, wie wir in einem Seminar über den Zusammenbruch komplexer Gesellschaften erarbeitet haben, bisweilen auch mit dem Untergang einer ganzen Kultur enden37, obgleich die dort praktizierten Lösungen über lange Zeiträume gut funktioniert haben mögen. Um die Zielrichtung unseres Vorgehens zu dokumentieren und einen Eindruck zu vermitteln, wie unser Lehrbetrieb angelegt ist, wollen wir einige Veranstaltungen aus einer Seminarreihe vorstellen, in denen wir den Einsatz und die Stabilisierung von Herrschaftslösungen, Macht und Gewalt untersucht haben. Im Anschluss an die theoretische Beschäftigung mit Herrschaft, die einmal infolge der freiwilligen Übertragung von Kontrollrechten an einen Herrscher, zum anderen aber auch infolge der zwangsweisen Aneignung solcher Rechte durch einen Gewalthaber zustande kommt, haben wir ein Seminar mit dem Titel: „Liegestühle, Goldrausch und Seilschaften“ entworfen und durchgeführt. Diesem Seminar liegen drei ganz
unterschiedliche Untersuchungen zugrunde. Die „Liegestühle“ beziehen sich auf eines von drei Beispielen, die Heinrich Popitz konstruiert hat, um zu erklären, wie Machtverhältnisse entstehen und sich stabilisieren können38. Zu diesem Zweck untersucht er, wie sich eine Minderheit auf Kosten der Mehrheit durchsetzen kann. Als Schauplatz wählt er ein Schiff (das man nicht schnell mal verlassen kann); das Gut, auf deren Kontrolle die Herrschaft beruht, sind Liegestühle, von denen es etwa ein Drittel soviel wie Passagiere gibt. Sobald jemand aufsteht, gilt der jeweilige Liegestuhl als frei, so dass im Großen und Ganzen immer dann, wenn jemand das Bedürfnis hat, sich hinzulegen, ein Liegestuhl zur Verfügung steht. Dieser paradiesische Zustand aber änderte sich, als eine Gruppe an Bord kam, die für sich das Recht in Anspruch nahm, Liegestühle dauerhaft zu besetzen. Popitz zeigt nun im Detail, wie es dieser Gruppe gelingt, sich in den dauerhaften Besitz dieser Liegestühle zu setzen, und wie sich im Gefolge und als Voraussetzung der dauerhaften Herrschaft über die Liegestühle schließlich eine Dreiklassengesellschaft aus Besitzern, Wächtern und Nichtbesitzern entwickelt, und, was das vielleicht interessanteste ist, warum es infolgedessen der nicht besitzenden Mehrheit nicht mehr möglich ist, den Ausgangszustand wiederherzustellen. Man kann sich natürlich auch fragen, unter welchen Bedingungen ein Herrschaftsentzug gelingt; wir gehen dieser Frage an anderer Stelle am Beispiel der Leipziger Montagsdemonstrationen nach, wobei die nur schwer steuerbaren Dynamiken kollektiven Verhaltens einen wichtigen Stellenwert bekommen39.
Das empirische Beispiel, das hinter dem Stichwort „Goldrausch“ steckt, behandelt eine Untersuchung über die Entstehung von Eigentumsrechten ohne eine Monopolisierung von Zwangsmitteln: Die Entstehung von individuellen Goldschürfrechten im Gefolge des kalifornischen Goldrausches40. Die je nach Ausbeute unterschiedlich großen (aber infolgedessen gleichwertigen) Claims kamen dadurch zustande, daß die gleich starken und gleich (schlecht) ausgerüsteten Männer41, die 1848 nach Californien kamen, um dort nach Gold zu graben, sich ihre Grabungsbereiche zunächst mit Gewalt streitig machten - allerdings nur insoweit, daß ihnen noch genug Zeit fürs Buddeln blieb. Solange der Übergriff auf fremde Felder gelang, zog man dies der Goldsuche vor, war dann aber darauf angewiesen, den erworbenen Claim eigenhändig auszubeuten.
Wenn der Angriff sich infolge der gleichen Waffenstärke als ungewiss erwies und
zudem die Ausbeutung der eigenen Goldvorräte behinderte, wandte man sich andererseits dem Buddeln zu. Im Ergebnis dieser gegenläufigen Dynamiken entstand eine gewaltbasierte Gleichverteilung der Schürfrechte, deren Verteilung und Erhaltung auf den Einsatz einer übergeordneten Instanz nicht angewiesen war. Die Zentralregierung residierte 4000 Meilen entfernt, und die Entsendung der Armee war insoweit ein Mißerfolg als die schlecht bezahlten Soldaten weniger Anreize hatten, die Herrschaftssicherung zu übernehmen, als zu desertieren
und sich selbst auf die Suche nach den begehrten „ nuggets“ zu begeben.
Das dritte Beispiel schließlich - die „ Seilschaften“ - konzentriert sich auf einen empirischen Fall im nachwendlichen Ostdeutschland42. In einer brandenburgischen Gemeinde konnte der neugewählte Stadtrat, der vorwiegend aus Bürgerrechtlern bestand, die ihm von den Wählern übertragenden Kontrollrechte nicht durchsetzen, weil er nicht in der Lage war, eine Koalition mit den immer noch mächtigen Betriebsleitern einzugehen, auf deren Unterstützung er angewiesen war. Angesichts der Tatsache, dass die Protagonisten auf ganz unterschiedliche Ressourcen zurückgreifen konnten und ihre widerstreitenden Interessen einen wie auch immer gearteten Austausch verhinderten, mußten sie sich wechselseitig blockieren: Die gewählten Volksvertreter hatten keine finanzielle Rückendeckung, die alten Kader keine Legitimation; immerhin war deren Verweigerungspotential stark genug, um die Politik der gewählten Volksvertreter erheblich zu behindern. In allen drei Fällen zeigt sich, dass Macht aus der Verfügung über eine Ressource resultiert, die man zur Verfolgung der eigenen Interessen einsetzen kann, wenn sich andere für diese Ressource interessieren; unter bestimmten Bedingungen (Art und Verteilung der Ressource, Organisationsfähigkeit der Nichtbesitzenden, Legitimation der Verhältnisse) können sich infolgedessen äußerst stabile, wenn auch ganz heterogene Machtbeziehungen ergeben. Je nach den vorherrschenden Umständen laufen derartige „ Prozesse der Machtbildung“43 auf eine undemokratische Blockade von Handlungen hinaus wie in Fall der Gemeinde, oder sie wirken sich zum Nachteil eines großen Teils der Akteure aus wie auf dem Schiff, oder sie fördern eine Gleichverteilung von Rechten, wie wir sie im Fall der Goldsucher beobachten können.
In einem weiteren Seminar dieser Reihe haben wir ein aktuelles Geschehen, dessen Verlauf auf dem erfolgreichen Einsatz von Gewaltmitteln beruht, näher untersucht: die Aktionen der sizilianischen Mafia44. Hierfür wurde „Mafia“ ganz prosaisch als ein Markenzeichen für Unternehmen betrachtet, die das Gut „ Sicherheit“ in einem Umfeld anbieten, in dem es - aufgrund der Tatsache, daß der italienische Staat nicht in der Lage ist, Schutz in eigener Regie anzubieten und aufgrund der eigenen Aktivitäten in der Verbreitung von Mißtrauen - kein Vertrauen gibt. Solche Unternehmen setzen Gewalt in rationaler Weise ein, um ihr
Schutzangebot einlösen zu können. Obschon sich aus dieser Tätigkeit ein langfristiger Schaden für alle ergibt, Schutz also kein öffentliches Gut darstellt (wie es Staaten bereitstellen), sondern immer nur für den einen und damit gegen den anderen gewährt wird, werden die Dienste solcher Unternehmen nachgefragt. Ein Marktteilnehmer, der den Schutz zurückweisen wollte, geriete nämlich insoweit in eine benachteiligte Situation, als Dritte ihn ungestraft hintergehen könnten. Unter Kenntnis der Anreizstruktur der Nachfrager in der gegebenen Situation kann man die mystifizierte Unbesiegbarkeit der Mafia entzaubern und halbwegs realistische Strategien zur Bekämpfung mafiosen Verhaltens entwerfen.
In Erweiterung dieser Fragestellung haben wir auch Unternehmen untersucht, die Gewalt in Form militärischer Dienstleistungen auf einem sich zunehmend internationalisierenden Markt anbieten45; solche modernen Söldnertruppen sind ein weiterer Akteur, der Gewalt rational einsetzt46 und zunehmend auf Nachfrage stößt. Aufgrund der aktuellen Ereignisse haben wir uns auch an die Analyse des Terrorismus gewagt, indem wir damit begonnen haben, die Bedingungen zu erkunden, unter denen sich terroristisches Handeln als eine rationale Strategie anbietet.47 In ähnlicher Form untersuchen wir soziale Tauschsysteme und Markttauschsysteme (so etwa die Grundzüge privater Gütermärkte, den Kula-Tausch in Melanesien oder die Eigenwilligkeiten der Bazarökonomie48) und die Bedingungen und Grenzen moralischer Integration (so zum Beispiel, unter welchen Umständen es gelingen kann, „ soziale Fallen“ wie die Tragödie der Allmende zu vermeiden49, Gruppensolidaritäten zu entwickeln50, einen „Markt
der Tugend“ 51 zu etablieren oder - im Zusammenhang mit oben und in anderer Konnotation - wie es mafiosen Unternehmen gelingt, ihre „ Firma“ zusammenzuhalten, obwohl der gesetzlich geschützte Arbeitsvertrag sich in solchen Fällen kaum anbietet).
Dieser curriculare Aufbau - die Untersuchung der Lösungsmöglichkeiten von Abstimmungsproblemen anhand unterschiedlicher Szenarios - ermöglicht uns einige Flexibilität: Wir können zum einen variable inhaltliche Schwerpunkte setzen und so einmal den Interessen der Studenten entgegenkommen und andererseits auch unsere eigenen aktuellen und spezifischen Forschungsinteressen einfließen lassen. Zum zweiten haben wir die Möglichkeit, ganz unterschiedliche Arten von Problembeschreibungen und empirischen Aufbereitungen als Lehrgrundlage heranziehen zu können: Konstruierte Lehrbeispiele, empirische Untersuchungen verschiedener Ausprägungen und theoriegeleitete Modelle, aber auch aktuelle gesellschaftliche Phänomene, deren Problembeschreibung wir erst erarbeiten
müssen52. Aus dieser Systematik fällt ein Seminar über „Schwerpunkte aktueller soziologischer Theoriediskussion“ augenscheinlich heraus. In diesem Seminar diskutieren wir neuere Theorieentwicklungen, die den Studenten und uns interessant erscheinen, aber nicht ohne weiteres mit unserem handlungstheoretischen Zugang kompatibel zu sein scheinen. Wir haben uns dort mit Becks Individualisierungstheorie53, mit Luhmanns Systemtheorie54, mit der Rekonstruktion einer aktuellen Diskussion in der ZEIT über das Selbstverständnis der Soziologie55 und wiederholt mit George Ritzers These der McDonaldisierung der Gesellschaft56 auseinandergesetzt. Obgleich solche Themen aus der Perspektive unseres allgemeinen Arguments etwas randständig erscheinen, versuchen wir gleichwohl, es nicht aus den Augen zu verlieren; vielmehr interessieren wir uns dafür, wie diese Ansätze oder Theorien, die ein differentes Paradigma vertreten, mit Abstimmungsproblemen verfahren. Dabei stellt sich
regelmäßig heraus, dass die dort behandelten Prozesse sich mit mehr oder weniger Anstrengung mit unseren Überlegungen zur Deckung bringen lassen57.
Am Ende dürfen wir noch auf eine Veranstaltung hinweisen, die wir schon sehr lange (und seit einigen Jahren zusammen mit dem Institut für Staatswissenschaften der Fakultät für Sozialwissenschaften) durchführen: das „Soziologische Forschungskolloquium“ . Im Rahmen dieser Veranstaltung stellen sowohl KollegInnen aus unserer Fakultät und Universität als auch GastwissenschaftlerInnen ihre aktuellen Forschungen vor und fördern auf diesem Wege die wissenschaftliche Kommunikation innerhalb und außerhalb der Fakultät.
Was erhoffen wir uns von diesem Angebot?
Zunächst einmal halten wir nichts davon, die Studenten mit unverbundenen „Ansätzen“ und der These zu befrachten, die Soziologie leide an einer unüberwindlichen „multiplen Paradigmatase“ 58; vielmehr ist unsere Ausbildung, wie wir denken, zielkonstant darauf angelegt, situationsspezifische, struktur- und ressourcenorientierte Modellanalysen von Abstimmungsproblemen zu verfertigen, deren theoretische Merkmale eindeutig festliegen.
Dabei legen wir großen Wert darauf, dass die Studierenden sich angewöhnen, die Annahmen explizit zu machen, aus denen sie ihre Folgerungen zu ziehen wünschen, weil man nur auf diesem Weg bemerken kann, ob man fehlerhafte Unterstellungen gemacht und wie man sie zu verbessern hat. Das theorieferne Spekulieren über soziale Verhältnisse soll ebenso unterbunden werden wie das Ersetzen von theoriegeleiteten Analysen durch vorschnelle moralische Beurteilungen.
Wir halten dies für einen Beitrag zum Erlernen vertieften analytischen Denkens.
Sodann soll die nachdrückliche Betonung des institutionellen Charakters von kollektiven Handlungssituationen bewusst machen, dass die Möglichkeiten pädagogischer Umgestaltung in Rechtsverhältnisse eingebettet und entsprechend eingeschränkt sind. Wir möchten damit der immer wieder beobachtbaren Verwirrung und Enttäuschung entgegenwirken, die daraus resultiert, dass Studenten mit wohlwollenden Absichten ein Handlungsfeld betreten und sich über deren Realisierungschancen zum Teil heftige Illusionen machen, unter anderem, weil sie nur sehr schwer verstehen können, unter welchen Handlungszwängen andere Akteure stehen, welche Rechte sie in Anspruch nehmen und welche Interessen sie verfolgen usf.
Wir halten dies für einen Beitrag zum Erlernen eines anti-utopischen, zumindest aber eines illusionsfreien Denkens.
Dass wir unsere Institutionensoziologie durch den Hinweis auf die Wirkungsmächtigkeit von makroskopischen Strukturen, Verteilungen, Organisationen und kollektiven Regulierungsmechanismen als Restriktionsanalyse anlegen, sollte letztlich auch dem Verständnis dafür dienen, dass Verhältnisse auch dann stabil sein können, wenn sie verbreiteten normativen Kriterien folgend nicht effizient oder erwünscht sind. In vielen Fällen treffen wir auf suboptimale Lösungen, weil die betroffenen Akteure keine Möglichkeit sehen bzw. keinen motivierenden Anreiz haben, sich aus ihrer Lage zu befreien59. Die Studenten müssen unbedingt lernen, auch die Existenz der Teufels in Rechnung zu stellen, zumal wenn man sich die Aufgabe stellen möchte, ihn auszutreiben. Vor allem müssen sie sich in unseren Augen darauf vorbereiten, daß derartige Exorzismen nicht immer gelingen, daß es aber gleichwohl möglich ist, ein solches Scheitern auch dann zu erklären, wenn die Einsicht, dass es unvermeidlich war, schmerzt.
Wir halten die Vermittlung dieser Einsicht für einen Beitrag zum Erlernen eines realistischen Denkens.
Hinter all diesen Bemühungen steht die Überzeugung, dass eine realistische Erforschung der Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Zusammenlebens aufklärerische Funktionen gewinnen und nur insofern als Grundlage einer rationalen Praxis gelten kann, als sozialwissenschaftliche Forschung über die Grenzen informiert, die unseren Steuerungsbemühungen gezogen sind60.
Dabei legen wir großen Wert darauf, dass die Studierenden sich angewöhnen, die Annahmen explizit zu machen, aus denen sie ihre Folgerungen zu ziehen wünschen, weil man nur auf diesem Weg bemerken kann, ob man fehlerhafte Unterstellungen gemacht und wie man sie zu verbessern hat. Das theorieferne Spekulieren über soziale Verhältnisse soll ebenso unterbunden werden wie das Ersetzen von theoriegeleiteten Analysen durch vorschnelle moralische Beurteilungen.
Wir halten dies für einen Beitrag zum Erlernen vertieften analytischen Denkens.
Sodann soll die nachdrückliche Betonung des institutionellen Charakters von kollektiven Handlungssituationen bewusst machen, dass die Möglichkeiten pädagogischer Umgestaltung in Rechtsverhältnisse eingebettet und entsprechend eingeschränkt sind. Wir möchten damit der immer wieder beobachtbaren Verwirrung und Enttäuschung entgegenwirken, die daraus resultiert, dass Studenten mit wohlwollenden Absichten ein Handlungsfeld betreten und sich über deren Realisierungschancen zum Teil heftige Illusionen machen, unter anderem, weil sie nur sehr schwer verstehen können, unter welchen Handlungszwängen andere Akteure stehen, welche Rechte sie in Anspruch nehmen und welche Interessen sie verfolgen usf.
Wir halten dies für einen Beitrag zum Erlernen eines anti-utopischen, zumindest aber eines illusionsfreien Denkens.
Dass wir unsere Institutionensoziologie durch den Hinweis auf die Wirkungsmächtigkeit von makroskopischen Strukturen, Verteilungen, Organisationen und kollektiven Regulierungsmechanismen als Restriktionsanalyse anlegen, sollte letztlich auch dem Verständnis dafür dienen, dass Verhältnisse auch dann stabil sein können, wenn sie verbreiteten normativen Kriterien folgend nicht effizient oder erwünscht sind. In vielen Fällen treffen wir auf suboptimale Lösungen, weil die betroffenen Akteure keine Möglichkeit sehen bzw. keinen motivierenden Anreiz haben, sich aus ihrer Lage zu befreien59. Die Studenten müssen unbedingt lernen, auch die Existenz der Teufels in Rechnung zu stellen, zumal wenn man sich die Aufgabe stellen möchte, ihn auszutreiben. Vor allem müssen sie sich in unseren Augen darauf vorbereiten, daß derartige Exorzismen nicht immer gelingen, daß es aber gleichwohl möglich ist, ein solches Scheitern auch dann zu erklären, wenn die Einsicht, dass es unvermeidlich war, schmerzt.
Wir halten die Vermittlung dieser Einsicht für einen Beitrag zum Erlernen eines realistischen Denkens.
Hinter all diesen Bemühungen steht die Überzeugung, dass eine realistische Erforschung der Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Zusammenlebens aufklärerische Funktionen gewinnen und nur insofern als Grundlage einer rationalen Praxis gelten kann, als sozialwissenschaftliche Forschung über die Grenzen informiert, die unseren Steuerungsbemühungen gezogen sind60.
Anmerkungen
1 Man vgl. etwa die Problemsicht bei Ritzer 1975.
2 Wir verstehen dies durchaus im Sinne Lakatos
3 Vgl. Kirchgässner 1991
4 Vgl. Johnson 1991
5 Vgl. Schweitzer 1999
6 Vgl. North 1981
7 Das war ihr besonders von Homans 1961 empfohlen worden.
8 Vgl. dazu Schmid 1998
9 Dieses Konzept wurde seinerzeit zusammen mit Reinhard Zintl entwickelt, der bis zu seinem Weggang nach Bamberg das Fach Sozialpolitik betreut hatte.
10 Wie etwa Lern-, Wahrnehmungs-, Denkfähigkeit bzw. emotionale und motivationale Voraussetzungen des Handelns.
11 In diesem Sinne ist die kombinierte DVP in Soziologie und Psychologie anreiztechnisch der alten Ordnung vorzuziehen, um ein kontinuierliches Lernen sicher zu stellen.
12 Wir gehen bei unserem Modellierungsvorschlag davon aus, dass diese Kompetenzen als Konstanten bzw. als Parameter der Handlungsentscheidung behandelt werden können.
13 Vgl. dazu Esser 1991, S. 50ff, Büschges u.a. 1995, S. 124ff
14 RREEMM steht für Ressourceful Restricted Expecting Evaluating Maximizing Man, vgl. Meckling 1976, Lindenberg 1985, Lindenberg 1990
15 Vgl. auch Esser 1999, Kap. 7 und 8
16 Für Kritik und einen Erweiterungsvorschlag siehe Weihrich 1998, S. 126ff, 1999b, 2002.
17 Diese Überlegungen verdanken sich vor allem Ullmann-Margalit 1977 und Sugden 1986. Die Literatur zu diesen „Dilemmata“ ist mittlerweile unübersichtlich geworden; als Übersicht siehe Schmid 2003.
18 Wir müssen zugeben, dass wir infolge der zeitlichen Beengungen unseres Curriculums zur Behandlung evolutionärer Prozesse nur selten kommen, obgleich die betreffenden Vorarbeiten vorliegen, vgl. Schmid 1992, Schmid 1998.
19 Vgl. Lichbach 1996
20 Die Geschichte soziologischer Theoriebildung gehörte früher zum Besitzstand der zweiten Soziologieprofessur, deren Abgabe an das Wahlpflichtfach diese Integration notwendig machte.
21 Vgl. Spencer 1996
22 Vgl. Durkheim 19882
23 Vgl. Weber 1964
24 Vgl. Parsons 1951
25 Vgl. Merton 1964
26 Vgl. Hechter 1987
27 Vgl. Olson 1968
28 Vgl. Tullock 1987
29 Vgl. Levi 1988
30 Vgl. Ostrom 1990
31 Während Hobbes, Durkheim und Weber einen festen Platz in der Vorlesungsreihe haben, integrieren wir die anderen Autoren je nach Nachfrage und Bezug in unserer Seminarprogramm.
32 Auch Weede 1992 empfiehlt sich.
33 Vgl. Coleman 1991-1994
34 Er hat zu diesem Zweck selbst eine Theorie der Normentstehung formuliert, die intensiv diskutiert wird, vgl. die Texte in Müller/Schmid (Hrsg.) 1998.
35 Zu dieser von uns so genannten „Colemanschen Badewanne“ siehe z.B. Weihrich 1999a, Schmid/Weihrich 2000, Weihrich 2001, Lüdemann 1998. Inzwischen ist sie zu einem „trademark“ (Norkus 2000, S. 260) von Handlungs-Struktur-Theorien geworden.
36 So erwies sich die Behandlung des montenegrinischen Systems der Blutrache (anhand von Böhm 1987) gerade wieder als ein sehr aufschlussreiches Fallbeispiel, das die Studierenden mit erkennbarem Interesse diskutierten.
37 Vgl. Tainter 1988
38 Vgl. Popitz 19922, S. 187ff. Popitz modelliert in seinem Text noch zwei weitere Prozesse der Machtbildung: Einmal entsteht Macht aufgrund von Solidarität unter einigen wenigen, die sich aufgrund dessen in den Besitz einer wichtigen Ressource bringen, wodurch sie die Erfüllung der Nutzungsinteressen Dritter kontrollieren können, auch hierdurch entsteht eine „Klassengesellschaft“ ; ein andermal handelt es sich um die Bedingungen eines Ausbeutungssystems, das auf der Basis von Gewaltakten und Zwangsbesteuerungen funktioniert.
39 Vgl. Opp 1991, Prosch/Abraham 1991, Hirschman 1992, Weihrich 1998, S. 82ff
40 Vgl. Umbeck 1981
41 Die wichtigste Rahmenbedingung war die, dass alle über einen sechsschüssigen, aber nicht sehr weitreichenden und wenig zielsicheren Colt verfügten - damals die neueste und für die verarmten Desperados gerade noch erstehbare Waffe, die Messern und Prügeln natürlich überlegen war.
42 Berking/Neckel 1992
43 So der Titel von Popitz 19922, S. 185ff
44 Unsere wichtigste Quelle ist Gambetta 1993; siehe aber auch Arlacchi 1989
45 Vgl. Lock 1998
46 Vgl. Elwert 1997
47 siehe hierzu z.B. Münkler, Crenshaw 1990, Nedelmann 1999
48 Vgl. Ziegler 1989, Geertz 1978
49 Vgl. Hardin 1968, Ostrom 1990
50 Eine gute Quelle dafür ist Hechter 1987.
51 Baurmann 1996
52 In einem Fall haben wir anhand von Zeitungsmitteilungen die Steuerungsmöglichkeiten der Besucherströme des Oktoberfestes untersucht, in einem anderen die Selektionsbedingungen amerikanischer Privatuniversitäten.
53 Beck 1986
54 Luhmann 1984
55 Fritz-Vannahme 1996, von Alemann 1996
56 Ritzer 1993, Ritzer 1998
57 Es zeigt sich immer wieder, dass die Studierenden durchaus gewillt und in der Lage sind, uns bei diesen Bemühungen zu helfen.
58 Luhmann 1981, S. 50
59 Wir behandeln diesen bedauerlichen Tatbestand bisweilen anhand von Hernes 1995.
60 Für dieses Programm, das wir an dieser Stelle nicht weiter diskutieren können, vgl. Albert 1968 und Albert 1978.
2 Wir verstehen dies durchaus im Sinne Lakatos
3 Vgl. Kirchgässner 1991
4 Vgl. Johnson 1991
5 Vgl. Schweitzer 1999
6 Vgl. North 1981
7 Das war ihr besonders von Homans 1961 empfohlen worden.
8 Vgl. dazu Schmid 1998
9 Dieses Konzept wurde seinerzeit zusammen mit Reinhard Zintl entwickelt, der bis zu seinem Weggang nach Bamberg das Fach Sozialpolitik betreut hatte.
10 Wie etwa Lern-, Wahrnehmungs-, Denkfähigkeit bzw. emotionale und motivationale Voraussetzungen des Handelns.
11 In diesem Sinne ist die kombinierte DVP in Soziologie und Psychologie anreiztechnisch der alten Ordnung vorzuziehen, um ein kontinuierliches Lernen sicher zu stellen.
12 Wir gehen bei unserem Modellierungsvorschlag davon aus, dass diese Kompetenzen als Konstanten bzw. als Parameter der Handlungsentscheidung behandelt werden können.
13 Vgl. dazu Esser 1991, S. 50ff, Büschges u.a. 1995, S. 124ff
14 RREEMM steht für Ressourceful Restricted Expecting Evaluating Maximizing Man, vgl. Meckling 1976, Lindenberg 1985, Lindenberg 1990
15 Vgl. auch Esser 1999, Kap. 7 und 8
16 Für Kritik und einen Erweiterungsvorschlag siehe Weihrich 1998, S. 126ff, 1999b, 2002.
17 Diese Überlegungen verdanken sich vor allem Ullmann-Margalit 1977 und Sugden 1986. Die Literatur zu diesen „Dilemmata“ ist mittlerweile unübersichtlich geworden; als Übersicht siehe Schmid 2003.
18 Wir müssen zugeben, dass wir infolge der zeitlichen Beengungen unseres Curriculums zur Behandlung evolutionärer Prozesse nur selten kommen, obgleich die betreffenden Vorarbeiten vorliegen, vgl. Schmid 1992, Schmid 1998.
19 Vgl. Lichbach 1996
20 Die Geschichte soziologischer Theoriebildung gehörte früher zum Besitzstand der zweiten Soziologieprofessur, deren Abgabe an das Wahlpflichtfach diese Integration notwendig machte.
21 Vgl. Spencer 1996
22 Vgl. Durkheim 19882
23 Vgl. Weber 1964
24 Vgl. Parsons 1951
25 Vgl. Merton 1964
26 Vgl. Hechter 1987
27 Vgl. Olson 1968
28 Vgl. Tullock 1987
29 Vgl. Levi 1988
30 Vgl. Ostrom 1990
31 Während Hobbes, Durkheim und Weber einen festen Platz in der Vorlesungsreihe haben, integrieren wir die anderen Autoren je nach Nachfrage und Bezug in unserer Seminarprogramm.
32 Auch Weede 1992 empfiehlt sich.
33 Vgl. Coleman 1991-1994
34 Er hat zu diesem Zweck selbst eine Theorie der Normentstehung formuliert, die intensiv diskutiert wird, vgl. die Texte in Müller/Schmid (Hrsg.) 1998.
35 Zu dieser von uns so genannten „Colemanschen Badewanne“ siehe z.B. Weihrich 1999a, Schmid/Weihrich 2000, Weihrich 2001, Lüdemann 1998. Inzwischen ist sie zu einem „trademark“ (Norkus 2000, S. 260) von Handlungs-Struktur-Theorien geworden.
36 So erwies sich die Behandlung des montenegrinischen Systems der Blutrache (anhand von Böhm 1987) gerade wieder als ein sehr aufschlussreiches Fallbeispiel, das die Studierenden mit erkennbarem Interesse diskutierten.
37 Vgl. Tainter 1988
38 Vgl. Popitz 19922, S. 187ff. Popitz modelliert in seinem Text noch zwei weitere Prozesse der Machtbildung: Einmal entsteht Macht aufgrund von Solidarität unter einigen wenigen, die sich aufgrund dessen in den Besitz einer wichtigen Ressource bringen, wodurch sie die Erfüllung der Nutzungsinteressen Dritter kontrollieren können, auch hierdurch entsteht eine „Klassengesellschaft“ ; ein andermal handelt es sich um die Bedingungen eines Ausbeutungssystems, das auf der Basis von Gewaltakten und Zwangsbesteuerungen funktioniert.
39 Vgl. Opp 1991, Prosch/Abraham 1991, Hirschman 1992, Weihrich 1998, S. 82ff
40 Vgl. Umbeck 1981
41 Die wichtigste Rahmenbedingung war die, dass alle über einen sechsschüssigen, aber nicht sehr weitreichenden und wenig zielsicheren Colt verfügten - damals die neueste und für die verarmten Desperados gerade noch erstehbare Waffe, die Messern und Prügeln natürlich überlegen war.
42 Berking/Neckel 1992
43 So der Titel von Popitz 19922, S. 185ff
44 Unsere wichtigste Quelle ist Gambetta 1993; siehe aber auch Arlacchi 1989
45 Vgl. Lock 1998
46 Vgl. Elwert 1997
47 siehe hierzu z.B. Münkler, Crenshaw 1990, Nedelmann 1999
48 Vgl. Ziegler 1989, Geertz 1978
49 Vgl. Hardin 1968, Ostrom 1990
50 Eine gute Quelle dafür ist Hechter 1987.
51 Baurmann 1996
52 In einem Fall haben wir anhand von Zeitungsmitteilungen die Steuerungsmöglichkeiten der Besucherströme des Oktoberfestes untersucht, in einem anderen die Selektionsbedingungen amerikanischer Privatuniversitäten.
53 Beck 1986
54 Luhmann 1984
55 Fritz-Vannahme 1996, von Alemann 1996
56 Ritzer 1993, Ritzer 1998
57 Es zeigt sich immer wieder, dass die Studierenden durchaus gewillt und in der Lage sind, uns bei diesen Bemühungen zu helfen.
58 Luhmann 1981, S. 50
59 Wir behandeln diesen bedauerlichen Tatbestand bisweilen anhand von Hernes 1995.
60 Für dieses Programm, das wir an dieser Stelle nicht weiter diskutieren können, vgl. Albert 1968 und Albert 1978.
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