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WorldMUN 2006 (Peking)

WorldMUN 2006 (Peking)

Artikel aus der Campus (2/2006) von Matthias Seeliger

Wenn Japan mit China knutscht

„Dear Friends, This gathering of young people in support of our Organization is truly heartening“, begrüßt mich Kofi Annan auf Seite Eins des Konferenzhandbuches zu Harvard World Model United Nations (WorldMUN) 2006 in Peking. Ich fühle mich geehrt, der „Godfather“ der Vereinten Nationen sieht uns, mich, als Unterstützer zur Lösung aller Menschheitsprobleme. Unter den 1.500 Studenten von 162 verschiedenen Universitäten aus 37 Ländern sind auch acht stolze Vertreter der UniBw München vertreten…

Halt! Eigentlich wäre es bei soviel Detailliebe angebrachter, sie als die Vertreter Afghanistans, Aserbaidschans und Sloweniens zu bezeichnen. Denn das ist ja der Sinn einer Simulation, dass man sich mit dem zu vertretenden Land auch identifiziert. Grundsätzlich darf aber nie das eigene Land vertreten werden. Also schlüpft der „Honorable Delegate“, wie es im höflichen Diplomatenton heißt, durch intensive Recherche im Vorfeld in seine Rolle mehr oder weniger gut hinein, denn sie oder er muss seine Freunde und Feinde, seine Prioritäten und Verpflichtungen als Vertreter des Staates kennen und auch so handeln. Stellenweise lassen sich aber auch Abweichungen erkennen: Da trinken die USA freudig mit dem Iran einen Kaffee in der Pause und es wurde auch schon Japan mit China knutschend in der Disko gesehen. Der Weltfriede könnte doch so einfach sein. Ziel einer jeden Sitzung ist es, eine mehrheitsfähige Resolution zu dem auf der Agenda stehenden Thema zu finden. Und da beginnt das diplomatische Geschick: Anschuldigungen nicht-befreundeter Staaten werden empört zurückgewiesen, unentschlossene Staaten bezirzt und es werden Allianzen der Willigen gebildet. Politik ist auch immer Schauspiel. Die verabschiedeten Resolutionen werden dann sogar nach New York zu Kofi, wie er von allen liebevoll genannt wird, sozusagen als Denkanstoß für die „Großen“, übersandt. Weltfrieden leicht gemacht. Ob diese dann tatsächlich die Welt verbessern, wäre dann vielleicht schon ein wenig zu optimistisch, aber in jedem MUNler steckt auch immer ein Idealist.

Was hingegen die Welt tatsächlich verbessern könnte, das sind die vielen internationalen Freundschaften, die dort geschlossen werden. Das reichhaltige „social program“ bot dafür auch genügend Möglichkeiten. Dass es mitunter auch recht heiter zugehen kann, wenn 1.500 Studenten aus aller Welt aufeinander treffen, muss der Autor hier nicht noch explizit erwähnen. Die Studenten aus den Regionen der Erde, wo es die meisten Probleme gibt, waren aber leider kaum vertreten. So schafften es die einzigen vier Studenten aus Afrika erst einen Tag verspätet trotz enormer bürokratischer und finanzieller Hemmnisse nach Peking. Doch Besserung ist in Sicht: So gab es schon über 100 Stipendien für finanzschwächere Delegationen und die Zahl soll nächstes Jahr noch steigen. Ich für meinen Teil kann behaupten, dass ich aufgrund von durchweg positiven Begegnungen jetzt ein ganz anderes Bild von manchen Ländern habe und auch gute Freunde dort gefunden habe.

Chinesische Charmeoffensive

Die chinesischen Gastgeber gaben schon einen Vorgeschmack auf die Olympischen Spiele 2008, indem sie für ihre Charmeoffensive keine Kosten und Mühen scheuten. In ganz Peking sind die Vorbereitungen zu diesem Großereignis zu spüren, hunderte von U-Bahnstationen und Hochhäuser werden in einem für deutsche Verhältnisse unvorstellbaren Tempo gebaut. China macht dafür, dass es sich kommunistisch nennt, den kapitalistischsten Eindruck, den man sich vorstellen kann: Gleich neben den Marmorpalästen und 7er BMWs herrscht bittere Armut und Elend. Im Konferenzumfeld hielt sich die Staatsmacht auch meist recht dezent zurück, während man sonst in China den Eindruck haben muss, dass der meist verbreitete Beruf der eines uniformierten Bewachers ist. Stutzig wurde ich nur, als bei der Begrüßungszeremonie eine Tanzgruppe aus Tibet als chinesische Volksgruppe angekündigt wurde.

Ingesamt war WorldMUN eine unvergessliches Erlebnis, aufgrund der Menschen dort und der Erfahrungen, die mir die Konferenz über Diplomatie und politische Entscheidungsprozesse gab. Darüber hinaus zeigte sich wieder einmal mehr, dass heute fließendes Englisch überlebenswichtig ist. „I add the hope, that many more will follow your example.”

- Thank You, Kofi.

Die MUNS-Delegation bei WorldMUN 2006 in Peking.