Direkt zum Inhalt ↵ | Direkt zur Navigation

GerMUN 2006 (Weimar)

GerMUN 2006 (Weimar)

Gesamtbericht von André Mandel

...und es fing wieder an in München zu schneien. Kein böses Omen, schließlich ist die Delegation mit nur drei Mann weniger, und lediglich eineinhalb Stunden später, als geplant losgefahren. Das ist für einen frühen Sonntagmorgen passabel. Auch die Straßenverhältnisse ließen keine Wünsche offen. Ein kleines gelbes Blicklicht im Wagen signalisierte fortwährend den fehlenden Straßenkontakt, was allerdings niemanden auffiel, schliefen doch alle Reisenden nach spätestens zwei Minuten ein.

Unerklärlich und dennoch pünktlich angekommen, führte der erste Weg nach dem Check-In wieder in das Auto. Die Hungrigen der Delegation begannen eine Odyssee durch die sonntäglich verlassene Weimarer Innenstadt auf der Jagd nach einem bekannten Fast-Food-Franchise-Unternehmen. Auch nach einer halben Stunde war nichts gefunden, als unerwartet zwei Einheimische auf den ziellos irrenden VW-Transporter zukamen und Hilfe anboten. Bis heute bleibt es ein Rätsel, ob diese Menschen Gedanken lesen konnten oder der Hunger sich im Fahrstil widerspiegelte. Letzteres gilt als unmöglich.

Den Magen beruhigt und in die Prachtunterkunft eingezogen, begann auch sofort der eigentliche Simulationstag der drei Gremien in der Europäischen Jugendbildungs- und Begegnungsstätte. Dort genauer gesagt, in einem von Goethe ausgelagerten Pferdeschuppen – heute Reithaus genannt und Tagungssitz der General Assembly (GA). Wie wir allerdings von Einstein wissen ist Zeit relativ. So wartete die Delegation mit vielen anderen Mitstreitern, im Bezug zur Entstehungsgeschichte der Erde, relativ kurz auf noch nicht angekommene "Chairs".
Zeit spielt auch keine Rolle, wenn auf den Sonntag verwiesen wird – schließlich ließ sich Gott am siebenten Tag auch nicht hetzen. Im Security Council (SC) wurde die "speakers time" allerdings bis zum Exzess diskutiert, der Vorgang gipfelte in einem "Caucus" zur gegenseitigen Abstimmung der hoffentlich letzten "Motion to set the speakers time". Was übersetzt heißt, dass die 15 mächtigsten Länder der Welt eher Zeit brauchen, um über Zeit zu diskutieren als über den Friedensprozess im Nahen Osten.
Und Gott sollte auch nicht immer vorgeschoben werden, dann doch eher Mohammed. Der machte den beiden dänischen Delegationen im SC und ECOSOC (Economic and Social Council) Kummer. Im SC regte Robert Meyer-Brenkhof an über "Karikaturen von Lenin oder Stalin nachzudenken", im ECOSOC wurde Anja Schirmer immer wieder schräg angeguckt. "Jetzt wollen die mich wegen der Karikaturen noch nicht mal mehr als Sponsoring State haben!", sagte sie am nächsten Tag mit wenig Hoffnung auf Besserung und etwas resigniert.

Am Montag lief alles anders, alles viel besser, alles auch irgendwie schneller, nur irgendwie in Weimar nicht. In den Gremien wurde diskutiert, den Iren in der GA wurde bereits ein Zweitjob nachgesagt, denn so oft hatte scheinbar niemand einen "caucus" beantragt. Ein sprachlicher Hinweis sei hier erlaubt: Das Wort "ausreden" meint in Weimar nicht das Umstimmen von falschen Ansichten als vielmehr den ursprünglichen Wortlaut. Nämlich das lästige Abschwätzen sämtlichen verbalen Mülls, bis zu dem Punkt, in dem das Sprachzentrum soweit malträtiert wurde das einem schlicht die Wörter ausgehen. Und "ausgehen" meint hier das fluchtartige Verlassen der Wörter aus dem Gedächtnis, um nicht in unsinnigen Sätzen wieder einmal mit dem viskösen Auswurf des Redners irgendwo an Revers oder Fußboden hängen zu bleiben. Wobei hier "unsinnig" kurioserweise genauso viele Buchstaben besitzt wie "ausreden", nur völlig andere!

Folglich kam nach einer sinnigen Nacht und dem vorangegangenem Debriefing im gegenüber zur Unterkunft liegenden "Loft – Bar und Tapas", der Dienstag in Weimar an. Heute müsse man zu einem Ergebnis kommen, und überall wurde fleißig "geworking papered" und "draft resolutioniert". Lieblingswort in der General Assembly war eindeutig "merge". Platz eins für ein Wort das nun Völkerverständigung im Duden ablösen wird, betrachtet man den Erfolg eines einzigen Resolutionsvorschlags für die Latein Amerikaner, die Afrikaner, die Araber und die Asiaten gemeinsam. Höhepunkt des Abends war allerdings der "Delegates' Dance", wo wir auch einmal privat mit unseren Nachbarn von der Münchener Ludwig-Maximilian-Universität plaudern und tanzen konnten. Einige von uns blieben dem Motto der Veranstaltung durchgehend treu und taten viel für die Völkerverständigung und „mergten“ nicht nur Cola and Beer. Sicherlich der schönste Tagesabschnitt, wenn man von geistreichen Kommentaren alla "Matt Damon" (aus dem Puppenspielfilm "Team America" bekannt) absieht.

Nachdem am Mittwoch auch mal wieder alle von Beginn anwesend waren, wurden die Resolutionen, im SC gar drei, schnell verabschiedet, genauso wie die Delegierten der Universitäten in der anschließenden „Closing Ceremony“. Hier wurde wieder allen viel Erfolg für New York (www.nmun.org) gewünscht, nur uns nicht für Peking (www.worldmun.org). War auch egal, schließlich fährt die Mädchenschule nirgends hin, ist ja auch keine Universität, wie die Magdeburger, Bonner, Trier, Regensburger oder Münchener, die da waren.

Wer auf dem Rückweg nicht wieder sofort einschlief, der wusste, dass die Delegierten der Model United Nations Society auf dem simulierten internationalen diplomatischen Parkett sehr gute Arbeit abgeliefert haben, konstruktiv an den Resolutionen arbeiteten und viel Englisch übten. Obwohl wohl nicht jeder so akkurat sein musste wie die Delegation Bangladeschs, deren Namenschild noch am letzten Tag exakt ausgerichtet und im 37,25 Grad Winkel auf dem Tisch stand, hatten alle bei jeglichen Mühen auch noch Spaß. Immerhin wurde bei einem grandiosen und Michelin-Sterne-würdigem Abschlussessen in der Autobahnraststätte Frankenwald, der Head Delegate und 1. Vorsitzende Robert Meyer-Brenkhof zum König gekürt und verließ mit Sanifair-50Cent-Gutschein überglücklich die Lokalität und alle fanden es schön, mindestens genauso schön wie GA’s Weißrussland, was übrigens auch Indien meinte.

In diesem Sinne gilt der Dank für eine erfolgreiche Simulation:

Sven Camenzind (Netherlands), Andreas Klix (Denmark), Nils „Matt Damon“ Kluger (Namibia), Daniel Lohmaier (Ireland), André Mandel (Egypt), Gregor Matz (Vietnam), Anardeep Singh (United Kingdom) aus der GA; weiterhin aus dem ECOSOC Robert Doege (South Africa), David Hackbarth (Italy), Philipp Kuhn (Namibia), Anja Schirmer (Denmark), Katharina Tibbets (UK) und den beiden Delegierten aus dem SC, Robert Meyer Brenkhof (Denmark) und Marcel Schmidt (UK), sowie allen unseren Freunden aus den anderen Universitäten und Vereinen, den Organisatoren, dem Bw-Fuhrpark-Service-Team, Peter von der Araltankstelle, und den beiden unbekannten Wegbeschreibern aus Weimar… meeting adjourned!

Die MUNS-Delegation bei GerMUN 2006 in Weimar.