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Qualitätsgesicherter Aufbau digitaler Netzdokumentation

Qualitätsgesicherter Aufbau digitaler Netzdokumentation - Möglichkeiten, Grenzen und Risiken von PQM

von Simone Stürmer

Bei allen End- und Versorgungsunternehmen (EVU) stellt die Netzdokumentation mit den digitalen Netzinformationen eine bedeutungsvolle Datenbasis für eine Vielzahl an Aufgabenstellungen und Anwendungen im gesamten Unternehmen bereit. Die Qualität der Daten ist dabei von entscheidender Bedeutung. Die Erfassung der raumbezogenen BM-Geodaten in einem Netzinformationssystem (NIS) ist als Produktionsprozess zu sehen, dessen Ergebnis das Produkt BM-Geodaten ist. An den Produktionsprozess gebunden sind interne und externe Kunden-Lieferantenbeziehungen.

Die Ausführungen dieser Arbeit konzentrieren sich auf die Konzeption geeigneter Qualitätsmodelle, Prüfverfahren und –methoden für die Datenproduktion der digitalen Netzdokumentation sowie die Untersuchung von Managementmethoden und Möglichkeiten zum Controlling der Prozesse. Das Zusammenwirken aller Komponenten bildet die Basis für ein dauerhaftes Prozessorientiertes Qualitätsmanagement (PQM) in der digitalen Netzdokumentation. In die konzeptionellen Betrachtungen wurden sowohl strategische Überlegungen für eine Ablauforganisation eingebunden als auch Aspekte einer QS-unterstützenden Systemumgebung und ebensolcher NIS-Funktionalitäten. Dem Standard der DIN EN ISO 9000 ff. folgend, werden neben diesen Managementmethoden auch andere beschrieben und in die Konzeption eingebunden (z. B. die Balanced Scorecard - BSC).

Das Qualitätsmodell für das Produkt BM-Geodaten ist an die DIN EN ISO 19113 angelehnt und wie das beschriebene Metadatenkonzept jedoch streng an den konkreten Zielsetzungen des PQM orientiert. Als Voraussetzung für sachlich begründete Entscheidungen zwischen Kunden und Lieferanten ist die Festlegung von qualitativen und quantitativen Qualitätskriterien zu sehen. Die quantitative Fehlerbewertung erfolgt mit Hilfe von Qualitätsmaßen, die unter Verwendung der Fehler-Möglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA) ermittelt wurden. Die Qualitätsmaße drücken eine max. zulässige Fehlerrate [in %] aus und sind als Schwellenwerte die Basis für die Entscheidung des Kunden, ob gelieferte Daten angenommen werden oder nicht. Die quantitative Fehlerbewertung wird zusätzlich durch eine qualitative ergänzt, die die Fehler nach ihrem Korrekturaufwand und potentiellen Folgekosten gewichtet.

Für die Prozessqualität wurde ein mehrstufiges Vorgehensmodell konzipiert, das einen Übergang von der Ersterfassungsphase in die permanente Aktualisierung (Fortführung) der BM-Geodaten erlaubt. In einem iterativen Wirkungskreislauf werden Anforderungs- Fehler- und Verbesserungsmanagement verknüpft, wobei Kommunikation und Dokumentation die verbindenden Faktoren sind und als Katalysatoren wirken sollen. Die Funktionen des Wirkungskreislaufes konzentrieren sich zunächst auf die Überwachung und Messung der „gelieferten“ Datenqualität und die zeitnahe Umsetzung von Verbesserungen. Erst durch das regelmäßige Feedback der Nutzer werden Kriterien zur Prozessqualität registrierbar, messbar und analysierbar. Die Überwachung des kontinuierlichen Prozesses Fortführung erlaubt nun die Ermittlung von Qualitätskennzahlen für die Prozesse und entwickelt sich zu einem Controlling. Ziele dieses Controllings sind der Nachweis der Wirksamkeit des PQM, kontinuierliche Verbesserungen und damit die Steigerung der Effizienz.

Für die Wahl der Verfahren und Methoden zur Datenprüfung ist zunächst zu untersuchen, inwieweit sie die Anforderungen der Anwender und die strategischen Zielsetzungen erfüllen. Wichtige Kriterien sind hierbei auch ein entsprechender Handlungsrahmen für den Kunden, um eine präventive und nachhaltige Wirkung von konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität erzielen zu können. Klar formulierte Erwartungen und konkrete QM-Vorgaben des Kunden EVU, die von vornherein das gesamte PQM in ihrer Zielsetzung für alle Beteiligten verbindlich gestalten, fokussieren die Bestrebungen auf eine gemeinsame Aufgabe. Die konkrete QM-Vorgaben, Erfassungsregeln, Vorgaben zur Prüfung und andere Festlegungen sind in entsprechenden QM-Dokumenten jedem Beteiligten in aktueller Form zur Verfügung zu stellen. Für die Methoden der Datenprüfung ist ein hoher Automatisierungsgrad anzustreben. Auf Grund der sehr hohen Anwenderanforderungen wurde die Entscheidung getroffen, dass nur eine vollständige Prüfung (100%) aller BM-Geodaten die Erfüllung der Qualitätsziele des PQM sicherstellt.

An einem Beispiel wird die Einführung und Umsetzung des konzipierten PQM für die digitale Netzdokumentation in der Sparte STROM aufgezeigt, Zusammenhänge in der Ablauforganisation und gewonnene Erkenntnisse abgebildet. Die Wirksamkeit eines PQM zeigt sich in der Umsetzung und Beherrschung der Prozesse sowie in der erfolgreichen Erfüllung von Zielvereinbarungen und qualitätsrelevanten Anforderungen. Im vorliegenden Fall wird die Durchführbarkeit und Wirksamkeit eines PQM in der digitalen Netzdokumentation im Rahmen einer Fallstudie untersucht und abschließend bewertet.

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