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Isar Box Lacrosse 2010

Isar Box Bericht 2011

 

 

München, 10.05.2011, Quelle:Y-Magazin 05/2011.


Lacrosse kennen die meisten vielleicht aus dem Film „American Pie“. In Deutschland wird die Mischung aus Eishockey und Football immer populärer. Y besuchte ein Turnier an der UniBw München.

Das Lacrosse-Team UniBw-Crusaders bei der Teambesprechung auf dem Spielfeld
Teambesprechung beim Lacrosse (Quelle: Thorsten Jochim)
 

Die Ersatzspieler hämmern ohrenbetäubend laut ihre Schläger anfeuernd gegen die Bande. Leutnant Benjamin Diez bleibt ruhig. Geschickt weicht er dem auf ihn zukommenden Spieler der Vienna Cherokees aus. Ein schneller Blick, Diez holt Schwung und schleudert den 140 Gramm schweren, tennisballgroßen Hartgummiball zwischen den Beinen des österreichischen Torwarts hindurch ins Tor. Kurzer Jubel, ein rascher Schluck aus der Trinkflasche, weiter geht’s.

Lacrosse wirkt wie eine Mischung aus Eishockey und Football, nur viel schneller. Es gibt Feld- und Hallenvarianten, aber das Ziel ist immer das gleiche: Den Ball – der bis zu 160 Stundenkilometer schnell wird – im gegnerischen Tor zu versenken. Um das zu verhindern, ist fast alles erlaubt: Schläge oder Stöße mit dem Schläger (Stick) ebenso wie beherzte Rempler. Nur bei besonders harten Angriffen oder Schlägen auf den Kopf gibt es eine Zeitstrafe. Außer mit den Händen darf der Ball jedoch mit jedem Körperteil gespielt werden.

Durch die fliegenden Wechsel ist das Spiel sehr dynamisch, bei jedem Ballverlust geht es rund im Wechselbereich. „Offense 1,2,3“, rufen die vom Spielfeld laufenden Spieler, ein schnelles Durchzählen im Gewühl, damit nicht zu viele Spieler auf dem Platz stehen. 5:0 gewinnt am Ende der zwei mal zwölf Minuten Spielzeit das Lacrosse-Team der UniBw Crusaders gegen die Vienna Cherokees. Die in schwarzen Trikots spielende Bundeswehrmannschaft sichert sich damit den Spitzenplatz in ihrer Turniergruppe beim Hallenturnier Isar Box.

Lacrosse wird an der Bundeswehruniversität München seit 2002 gespielt, zum neunten Mal richtet die Mannschaft das Isar Box Lacrosse Turnier mittlerweile aus. Amateur-Mannschaften aus sechs europäischen Ländern kommen für ein Wochenende nach München, um sich beim Turnier zu messen – und Freunde und Bekannte zu treffen. Die Lacrosse-Szene in Europa ist überschaubar, man kennt sich. Übernachtet wird mit Isomatte und Schlafsack direkt in der Sporthalle – Lacrossespieler sind hart im Nehmen, nicht nur auf dem Spielfeld.

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Spieler beim Face-Off (Anstoß)
Spieler beim Face-Off (Anstoß) (Quelle: Thorsten Jochim)

 

Blut geleckt

Benjamin Diez spielt seit acht Jahren mit. „Bei einem Sportkurs in der Schule habe ich Blut geleckt“, erzählt er. Der Student der Wirtschafts- und Organisationswissenschaften mit der Trikotnummer 44 ist seit 2005 bei den Crusaders, mittlerweile zusammen mit einem Kameraden auch als Trainer. Nebenbei spielt er beim deutschen Meister HLC Rot-Weiß München, insgesamt trainiert er fünf Mal die Woche. Dass beinahe seine gesamte Freizeit für den Sport draufgeht, stört Diez nicht: „Lacrosse ist leicht zu lernen, aber schwer zu meistern.“

Trotz der sichtbaren Härte sei der Sport weniger gefährlich als Fußball, „aber ich habe mir auch schon mal die Rippen gebrochen.“ Wohin er nach seinem Masterabschluss im Oktober dieses Jahres versetzt wird, weiß er noch nicht. „Ich werde versuchen, in eine größere Stadt zu kommen, in der es hoffentlich eine Lacrosse-Mannschaft gibt.“ Lacrosse ist in Deutschland eine Randsportart – im Ursprungsland Kanada und in den USA ist das anders, dort gibt es sogar eine Profiliga und Spiele mit tausenden von Zuschauern. In Deutschland wird es erst seit 1992 gespielt, als amerikanische Austauschschüler die Sportart in München und Berlin bekannt machten.

Mittlerweile spielen rund 2.000 Deutsche regelmäßig, es gibt vier regional geteilte Bundesligen mit zwei Klassen. Die Mannschaften kommen vor allem aus Universitätsstädten, die älteste ist der HLC Rot-Weiß München. Ein Grund für die geringe Verbreitung der Sportart ist sicher die mit rund 350 Euro relativ teure, umfangreiche Ausstattung, die mangels deutscher Hersteller aus den USA oder Kanada importiert werden muss. Einsteiger an der UniBw München sind hier im Vorteil – die Mannschaft hat über die Jahre einen Fundus an Ausrüstungen zusammengesammelt, der an Einsteiger verliehen wird.

Die Universität unterstützt die Crusaders wo sie kann – beispielsweise durch die Bereitstellung von Fahrzeugen oder mit der kostenfreien Nutzung der Sporthalle. Die Erlöse aus dem jährlichen Isar Box Turnier werden nach Abzug der Kosten gespendet – 2010 gingen immerhin 1.000 Euro an das Soldatenhilfswerk, so Mannschaftssprecher Oberfähnrich Thomas Schulze.

 

Die UniBw Crusaders spielen gegen die Vienna Cherokees
Die UniBw Crusaders spielen gegen die Vienna Cherokees (Quelle: Thorsten Jochim)
 

Großer Teamgeist

Einer der Neulinge bei den Crusaders ist Fahnenjunker Matthias Lehna. Seit Oktober vergangenen Jahres Bildungswissenschaftsstudent, hat der ehemalige Fußballer mit Lacrosse erst an der Uni angefangen. Montags und donnerstags trainiert Lehna mit der Mannschaft, anfänglich vor allem die Grundlagen wie Werfen und Fangen, nach kurzer Zeit auch das Stellungsspiel. Schwer zu lernen findet der angehende Panzergrenadieroffizier den Sport nicht, „man muss ein gewisses taktisches Grundverständnis mitbringen, körperlich fit sein und vor allem Teamgeist haben.“

Lehna spielt bei der zweiten Turniermannschaft der Crusaders, die fast ausschließlich aus Einsteigern besteht. Insgesamt gehören zur Gruppe der Lacrosse-Begeisterten an der UniBw München etwa 40 Soldaten. In der Uni-Sporthalle riecht es mittlerweile durchdringend nach Männerschweiß. Die Spiele folgen rasch hintereinander, zwischendurch erholen sich die Spieler bei Toast und Würstchen im Aufenthaltsraum. Die Crusaders haben kaum Zeit zum Ausruhen – sie müssen neben den Spielen für Nachschub an Getränken und Essen sorgen und die Organisation des Turniers bewältigen.

Wie im Spiel zeigt sich hier wieder der große Teamgeist der Mannschaft – wie selbstverständlich lösen sie einander ab. Am zweiten Turniertag scheint der Mannschaft die lange Nacht noch in den Knochen zu stecken: Im Halbfinale unterliegen sie den Mitfavoriten HLC Rot-Weiß München mit 3:1. Den Traum vom Turniersieg müssen die Crusaders dieses Mal aufgeben – auch in den neun Jahren, in denen die Mannschaft das Turnier jetzt schon ausrichtet, hat es bisher nie für den Sieg gereicht. Ein zweiter Platz im vergangenen Jahr war der bisher größte Erfolg.

Aber Benjamin Diez und sein Team macht das nicht fertig. In erster Linie geht es allen um den Spaß am Spiel, das Abschneiden ist letztendlich Nebensache. Nach einem spannenden, mit 6:1 aber eindeutigen Spiel um Platz drei, stehen die Crusaders am Turnierende ganz ordentlich da. Trotz sportlicher Härte gab es keine schweren Verletzungen auf dem Platz. Am schlimmsten hat es eine Zuschauerin getroffen, der ein fehlgegangener Ball die Nase brach. Nach der Siegerehrung geht es ab nach Hause – bis zum nächsten Jahr, wenn die Crusaders dann zum zehnten Mal zum Isar Box Turnier einladen.