Shintoismus
Shintō
Shintō (aus dem Japanischen, zu deutsch „Weg der Götter“)
Im Shintoismus sind die Gottheiten (Kami) zahlenmäßig unbegrenzt und können die Form von Menschen, Tieren, Gegenständen oder abstrakten Wesen haben. Shintō kann also auch als „Weg der kami“ übersetzt werden. Der Begriff kami kann sich aber auch auf Gottheiten anderer Religionen, z. B. den christlichen Gott beziehen.
Trotz verschiedener äußerlicher Gemeinsamkeiten der Schreine können die Glaubensformen und Riten des Shintō lokal sehr unterschiedlich sein. An der Spitze der Schreine steht der Ise-Schrein, der Schrein der Göttin Amaterasu (mythische Urahnin der japanischen Kaiser, Tennō). Dem entsprechend gilt der Tennō auch als Oberhaupt des Shintō. Heute besitzt diese Führungsrolle des Tennō nur noch nominelle Bedeutung.
Der Begriff Shintô trat in der japanischen Geschichte schon um 712 in der japanischen Literatur auf, jedoch ist bis heute nicht ganz klar, auf welchen „göttlichen Weg“ sich das Wort im damaligen Sprachgebrauch bezog. Erst im japanischen Mittelalter taucht der Begriff Shinto im Sinne eines eigenständigen religiösen Systems auf.
Ursprung und Entstehung
Die Wurzeln des Shintō liegen wohl in einer agrarischen Naturreligion, die sich vor allem auf die Verehrung von Naturerscheinungen aber auch auf Nahrungsgottheiten bezog. Schon in vor-buddhistischer Zeit wurde in Japan eine Unzahl einheimischer Gottheiten (kami) verehrt, zumeist in Zusammenhang mit ehrfurcht-gebietenden Naturerscheinungen wie Bergen, Felsen oder Bäumen. Wie die ganze altjapanische Kultur war diese Religion wahrscheinlich mit den schamanistischen Kulten des sibirisch-mongolischen Festlandes verwandt, doch sind auch Einflüsse polynesischer Religionen festgestellt worden. Diese Frühformen des Shintō verfügten aber weder über ein einheitliches Glaubenssystem noch über einen allgemeinen Namen.
Shintoismus im Altertum
Im 5. und 6. Jahrhundert entstand mit der Übernahme des chinesischen Staatswesens ein höfischer Kult, der die einheimischen Klan-Traditionen mit der Ahnenverehrung des chinesischen Konfuzianismus und der Kosmologie des Daoismus kombinierte. Sowohl im Mythos als auch im Ritus des frühen japanischen Staatswesens sind daher unverkennbar chinesische Traditionen enthalten.
Der frühe japanische Staat entstand aus einem Bündnis einzelner Klans, deren Anführer ihre Ahnen in Form von Klangottheiten verehrten. Als sich der Tenno-Klan innerhalb dieses Bündnisses als führende Dynastie durchsetzte, entstand eine Mythologie, die die Geschichten der einzelnen Klangottheiten zu einer einheitlichen mythologischen Erzählung verband. Die ersten schriftlichen Quellen dieser Mythologie stammen aus dem achten Jahrhundert und schildern die Weltentstehung und den Ursprung der Dynastie des Tenno: Ein Urgötterpaar (Izanagi und Izanami) kreiert die japanischen Inseln und alle übrigen Gottheiten.
Shintoismus und Buddhismus
Der im 6. und 7. Jh. neu eingeführte Buddhismus stieß zwar anfangs im Rahmen der einheimischen Götterverehrung auf Widerstand, fand aber rasch Wege, die kami in sein Weltbild zu integrieren und beeinflusste unter anderem die Bauwerke und später auch die Ikonografie der kami-Verehrung. Während der meisten Epochen der bekannten japanischen Religionsgeschichte herrschte daher zwischen Buddhismus und Shintō keine klare Trennung. Vor allem innerhalb der einflussreichen buddhistischen Richtungen Tendai und Shingon wurden Shintō-Gottheiten als Inkarnationen oder Manifestationen von Buddhas und Bodhisattvas (nach höchster Erkenntnis strebende Wesen, die auf dem Wege der Tugendvollkommenheit die Buddhaschaft anstreben) aufgefasst.
Die meisten Shintō-Schreine hatten übrigens keine eigenen Shintō-Priester, sondern wurden von buddhistischen Mönchen oder von Laien betreut. Nur die ganz großen shintōistischen Institutionen, allen voran der Ise Schrein waren in den Händen von erblichen Priester-Dynastien, die die ursprünglich dem kaiserlichen Hof, später aber ebenso einem buddhistischen Tempel unterstellt wurden. Nur einzelne Abkömmlinge dieser Priester-Dynastien befassten sich mit der Idee, die kami unabhängig vom Buddhismus zu verehren und schufen damit die Grundlagen des modernen Shintō.
Entstehung des heutigen Shintoismus
Im 18. und 19. Jahrhundert entstand schließlich eine Denkrichtung, die bemüht war, den Shintō von allen „fremden“, d. h. indischen und chinesischen Ideen zu reinigen und zu seiner „Urform“ zurückzufinden. 1868 wurdedie feudale Herrschaft der Tokugawa-Shōgune beendet und an ihrer Stelle wurde ein moderner Nationalstaat mit dem Tennō als oberste Instanz instaliert. Shintō wurde als nationale Religion definiert und als ideologisches Instrument zur Wiederbelebung der Macht des Tennō eingesetzt. Zu diesem Zweck wurde eigens ein Gesetz zur „Trennung von kami und Buddhas“ erlassen. Erst nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg 1945 kam es zu einem offiziellen Verbot des Shintō als Staatsreligion und im Jahre 1946 verzichtete der Tennō auf jeden Anspruch auf Göttlichkeit.



