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Buddhismus

Buddhismus

Der Buddhismus hat seinen Ursprung um 500 v. Chr. in Indien. Der Sohn eines hinduistischen Raja (Wahlfürst) aus dem Geschlecht der Shakya verließ sein wohlbehütetes zuhause um zunächst als Asket zu leben und um sich selbst zu finden. Einige Jahre später fand er den Weg der Mitte und gab sein Leben als Asket auf. Nach Wochen der Meditation unter einem Bodhibaum (Affenbrotbaum) erlangte er die Erleuchtung, daher rührt auch der Name Buddha. Durch Gelehrte und Mönche wurde der Buddhismus weit über die Grenzen Indiens getragen. Schließlich kam der Buddhismus im 5. Jahrhundert aus Indien nach China. Im 13. Jahrhundert erreichte Japan eine weitere Form des Buddhismus, der Zen-Buddhismus. Dieser entwickelte sich zuerst in China und erreichte mit dem buddhistischen Mönch Dogen Zenji Japan, erlebte dort viele Einflüsse aus dem Shintoismus und hat heute noch die stärkste Präsenz in der japanischen Kultur.

Zen

„Was ist Zen?“ gehört zu jenen seltenen Fragen, die aus prinzipiellen Gründen nicht sinnvoll beantwortet werden können. Die Antwort kann nur individuell-intuitiv erfasst werden. Sie wird bloß von jenen vollständig verstanden, die sie bereits erkannt haben.

Allgemein kann man sagen, dass Zen eine besondere Erkenntnis oder Einsicht bezeichnet, die mit einer bestimmten grundsätzlichen Lebensweise und -haltung verbunden ist. Die Wurzeln des Zen liegen zwar im Buddhismus, doch ist es nach Meinung vieler Zen-Meister nicht an eine bestimmte Religion oder Weltanschauung gebunden. Der Kern des Zen übersteigt – wie es mystischen Bewegungen eigen ist – alle religiösen und philosophischen Systeme.

Zen könnte man auch als „Unkonditioniertheit des Augenblicks“ bezeichnen. Zen schenkt dem Augenblick das höchste Maß an Lebenssinn. Nur dort findet das Leben statt, und verlieren Zukunft und Vergangenheit ihren gedanklichen Einfluss. Sie existieren beide einfach nicht mehr. Im erlebten Augenblick gibt es kein „Ich“ und somit ist der Augenblick nicht gestört von aufkommenden Gedanken oder Gefühlen. Zen ist „nicht (ich) sein“. Zen ist eine Kunst der Lebensführung, eine Lebenssuche in jedem Atemzug. Je mehr ein Mensch im Augenblick der Gegenwart lebt, desto eher findet er seinen seelischen Frieden.

Lehre

Oft wird gesagt, dass Zen überhaupt „nichts“ bietet: keine Lehre, kein Geheimnis, keine Antworten, keine Lösung. Zwar ist eine solche Behauptung (wenigstens für den einzelnen Übenden) völlig richtig, andererseits stellt sie eine Verkürzung der Tatsachen dar, die besonders in einem speziellen Kontext gegenüber Praktizierenden verwendet wird. In anderen Zusammenhängen wird häufig genau das Gegenteil behauptet: Zen biete alles, das „ganze Universum“.

Zen hat auch philosophisch-religiöse Aspekte und historisch gewachsene Lehren, wie etwa in der Sōtō- bzw. Rinzai-Richtung.

Auch wenn Intellektuelle und Wissenschaftler sich von Zen angezogen fühlen, ist es seinem Wesen nach doch transrational bzw. arational, so dass es von diesen oft als Logik-feindlich und „irrational“ empfunden wird. Es widersetzt sich grundsätzlich jeder begrifflichen Bestimmung. Das scheinbar Mysteriöse des Zen rührt allein aus den Paradoxa, die der Versuch des Sprechens über Zen hervorbringt.

Praxis

„Zen ist nicht etwas Aufregendes, sondern Konzentration auf deine alltäglichen Verrichtungen“ – Shunryu Suzuki

Zen ist der weglose Weg, das torlose Tor. Die dem Zen zugrunde liegende große Weisheit (Prajna) braucht nicht gesucht zu werden, sie ist immer schon da. Vermögen die Suchenden einfach nur ihre permanenten Anstrengungen aufzugeben, die Illusion der Existenz eines „Ich“ aufrechtzuerhalten, würde sich Prajna unmittelbar einstellen.

Realistisch gesehen ist das Beschreiten des Zen-Wegs jedoch eines der schwierigeren Dinge, die in einem menschlichen Leben unternommen werden können. Den Schülern wird die Bereitschaft zur Aufgabe ihres selbstbezogenen Denkens und letztlich des Selbst abverlangt. So dauert der Übungsweg gewöhnlich mehrere Jahre, bevor die ersten Schwierigkeiten überwunden sind. Der Weg ist allerdings stets zugleich auch das Ziel, im Üben ist die Erfüllung stets gegenwärtig.

Primäre Aufgabe des Zen-Schülers ist die fortgesetzte, vollständige und bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments, eine vollständige Achtsamkeit ohne eigene urteilende Beteiligung (Samadhi). Diesen Zustand soll der Zen-Schüler nicht nur während des Zazen, sondern möglichst in jedem Augenblick seines Lebens beibehalten. Auf diese Weise kann sich die Erkenntnis der absoluten Realität einstellen (Satori). Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird aufgehoben; die Kontingenz der eigenen Existenz, das In-die-Welt-geworfen-Sein kann angenommen werden. Vollkommene innere Befreiung ist die Folge: es gibt nichts zu erreichen, nichts zu tun und nichts zu besitzen.

Ethik des Zen

Zen besitzt auch eine eigene Ethik. In ihrem Mittelpunkt steht die Einsicht, dass wir anderen nur helfen können, wenn wir uns selbst befreit haben (analog zu den Konsequenzen aus dem christlichen „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“). Die Zuwendung zu anderen Lebewesen in sorgender Liebe (Agape) und Solidarität ist dabei allerdings niemandem – keinem Gott, keinem Buddha, keiner Offenbarung oder Lehre- geschuldet, sondern erwächst von selbst aus der inneren Einsicht, die durch die Fortschritte in der Zen-Praxis reift.

Wenn der Zen-Praktizierende zu begreifen beginnt, dass alles im Kosmos miteinander in Verbindung steht, wird offensichtlich, dass keine real existierenden Grenzen zwischen dem einzelnen Übenden und allen anderen Menschen bestehen. Hieraus folgt die Einsicht, dass jede schädigende, aber auch jede helfende Handlung letztlich auf den Verursachenden zurückfällt.

Da im Zen Dualismen wie gut/böse oder falsch/richtig abgelehnt werden, kann es auch keine allgemein verbindlichen Vorschriften oder Gebote geben, auch wenn sich die Mönche in der Regel freiwillig zu solchen verpflichten (Kai). Die einzige gültige Maxime ist die allgemeine Förderung des Lebens, oder umgekehrt: die Vermeidung des Tötens. Eine große Rolle spielt dabei Mitgefühl und Mitleid mit den Mitgeschöpfen. Die Zen-Praxis hat das Wohl aller fühlenden Wesen im Blick, in einem Gelübde heißt es: „Wie zahlreich auch immer die fühlenden Wesen sein mögen, ich gelobe, sie alle zu retten.“

Kurzer Rückblick

Die japanische Kultur wurde durch Zen stark beeinflusst. Aus dem Bemühen von Gelehrten, Künstlern und der Samurai um ein tieferes Verständnis von Zen, entstanden (vorwiegend in der Rinzai-Schule) eine Reihe verschiedener Disziplinen, die als Wege (Dō) des Zen bekannt wurden:

  • Chado – der Weg der Teezeremonie (Teeweg)
  • Shodo – der Weg der Schreibkunst
  • Iaido – der Weg der Schwertkunst
  • Kyudo – der Weg des Bogenschießens
  • Budo – der Weg des Kriegers (Der Sportliche Weg sich selbst zuformen)
  • Kado – der Weg des Blumenarrangements (auch: Ikebana)
  • Suizen – das kunstvolle Spiel der Shakuhachi-Bambusflöte
  • Zengarten – die Kunst der Gartengestaltung

Zen wurde zur Geisteshaltung wichtiger Familien der Kriegerkaste (Samurai) und gewann so Einfluss auf die Kriegskünste (bu-jutsu). Dadurch entstanden jedoch auch Verbindungen zum japanischen Nationalismus, die nach dem Zweiten Weltkrieg auch aus Reihen des Zen selbst kritisiert wurden.