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Tunnelbau-Symposium2008

1. Münchener Tunnelbau Symposium 2008

am 29.Mai 2008 an der Universität der Bundeswehr
Neubiberg

 

 

Bericht vom 1. Münchener Tunnelbau Symposium 2008

Veröffentlicht in der Zeitschrift "Geotechnik" 2/2008
 

Mit über 250 Teilnehmern erreichte das Münchener Tunnelbausymposium gleich in seiner ersten Auflage ein breites Publikum der Tunnelbaugemeinde. Die Veranstalter der Universität der Bundeswehr München stellten zur Begrüßung ihren interdisziplinären Ansatz für den Tunnelbau vor: Prof. Jürgen Schwarz für den Baubetrieb und die Vortriebstechnik, Prof. Manfred Keuser für den Massivbau und Prof. Conrad Boley in der Geotechnik wollen auch in der Ausbildung der Ingenieure ein umfassendes Wissen für den Tunnelbau-Nachwuchs vermitteln.

Zusammen mit der STUVA wird das Münchener Tunnelbausymposium alle zwei Jahre veranstaltet und findet im Wechsel mit der STUVA-Tagung statt.

Am 29. Mai boten die Veranstalter ein dicht gedrängtes Programm mit vier Themenblöcken:

  • "Tunnelinnenschale"
  • "Ertüchtigung und Sanierung"
  • "Aktuelle Tunnelbauprojekte" sowie
  • "Rechtsfragen und Vertragsgestaltung"

Im ersten Block wurden grundlegende Unterschiede der Bauweisen für Tunnelinnenschalen dargelegt. Dipl.-Ing. Sänger (Ed. Züblin AG) verglich ein- und zweischaligen Ausbau bei TBM-Vortrieben und verdeutlichte an Hand von ausgeführten Projekten die Entscheidungskriterien für diese Varianten. Dr.-Ing. Städing (Duddeck & Partner) und Dipl.-Ing. Schwaiger (Müller + Hereth) befassten sich mit unbewehrten Innenschalen. Während Dr. Städing mit der Erläuterung der DAUB-Empfehlungen die Sicht aus Deutschland darlegte, berichtete Dipl.-Ing. Schwaiger über österreichische Erfahrungen. Festzuhalten bleibt, dass trotz wirtschaftlicher Vorteile die Anwendung von unbewehrten Innenschalen in Deutschland – im Gegensatz zu Österreich – die Ausnahme ist. Unterschiedliche Geologie ist eine Begründung, aber es bleibt Diskussionsbedarf, den die Teilnehmer in den Pausen der Veranstaltung decken konnten. Den Themenblock „Innenschalen“ schloss Dr.-Ing. Heimbecher von der BASt mit seinem Vortrag über selbstverdichtenden Beton im Tunnelbau. Er stellte eine Pilotanwendung im Schlossbergtunnel Dillenburg vor. Der angekündigte Bericht der BASt wird das Handwerkszeug für die praktische Anwendung, zumindest in Sonderfällen, liefern.

Ertüchtigung und Sanierung sind Themen, die den gesamten Lebenszyklus von Tunneln betreffen, ein Bereich mit dem sich die Bauingenieure immer mehr beschäftigen müssen. Die Vorträge „Sanierung von Eisenbahntunneln unter Betrieb“ von Dipl.-Ing. Breidenstein (DB Projektbau GmbH) und die Nachrüstung des Straßentunnels Flughafen Tegel Berlin von Dipl.-Ing. Adam (Sen Bau Stadt Berlin) deckten den baulichen Teil dieses Themenblocks ab, der Betrieb der Tunnels wurde für die Bahntunnels der „TSI - Safety in Railway Tunnels“ (Dipl.-Ing. Bieger, DB AG) und für die Straßentunnels mit dem Vortrag über das Nachrüstungsprogramm für Tunnel in Bundesfernstraßen (Dipl.-Ing. Friebel, BMVBS, Bonn) behandelt.

Aktuelle Projekte als praktischer Teil leiteten den Nachmittag der Tagung ein. Dipl.-Ing. Eicher vom Baureferat Landeshauptstadt München berichtete über den aktuellen U-Bahnbau der Stadt, wo – nach vielen Projekten in Spritzbetonbauweise – gegenwärtig ein Hydroschildvortrieb läuft. Der City-Tunnel-Leipzig als eines der größten Tunnelbauprojekte war mit dem Vortrag von Dipl.-Ing. Glitsch (DEGES Berlin) vertreten, der über das Los C am Haltepunkt Hauptbahnhof und die Lösung besonderer Aufgaben mit Hilfe der Bodenvereisung berichtete. Dass der Tunnelbau im Ausland neben technischer Expertise auch logistische Höchstleistungen erfordert, berichtete Dipl.-Ing. Reichenspurner (DYWIDAG International GmbH) im Vortrag über die Metro Algier. Die Planung über den Kramertunnel bei Garmisch-Partenkirchen stellte Dipl.-Ing. Grafwallner (Staatl. Bauamt Weilheim) vor. Der Brenner-Basistunnel als großes europäisches Projekt war sicher ein Highlight der Tagung, vorgetragen von Prof Bergmeister (BBT SE). Bei beiden letztgenannten Projekten darf man sich auf die Berichte über die Bauarbeiten in den nächsten Jahren freuen.

Zum ganzheitlichen Ansatz im Tunnelbau gehören Genehmigung und Vertrag, Thema im letzten Block „Rechtsfragen und Vertragsgestaltung“. Über neue bauaufsichtliche Regelungen beim Eisenbahn-Bundesamt informierte Dipl.-Ing. Schollmeier (EBA). Rechtliche Aspekte für die Ausführung stellte RA Dr. Markus (Kapellmann und Partner Rechtsanwälte, München) vor mit dem Vortrag „Bestandsbauwerke im Einflussbereich des Tunnelvortriebs“. Das Fachpublikum der Ingenieure wurde daran erinnert, dass hier nicht nur eine bautechnische Gebäudesicherung, sondern auch eine Gebäudesicherung aus rechtlicher Sicht zu erfolgen hat. Mit dem Vertragsverhältnis der Baupartner und der Risikoverteilung im Bauvertrag befasste sich RA Dr. Fuchs (Rechtsanwälte Kupferschmid et al. & Partner, Schrobenhausen).

Mit vielen positiven Rückmeldungen und der Perspektive auf das 2. Münchener Tunnelbausymposium im Mai 2010 schloss die Tagung um 18:00 Uhr. Weitere Informationen und den Tagungsband gibt es unter www.tbsm.de.

Neubiberg, 11.06.2008

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jürgen Schwarz



Bilder vom Projekt "City Tunnel Leipzig" (CTL)

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Übersicht über den Steckenverlauf des Vortriebs CTL
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Start der TBM an der Station "Bayerischer Bahnhof"

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Zielankunft der TBM in der Station "Markt"

CTL_085_klein.jpg Start der TBM in der Station "Markt", Fortsetzung des Vortriebs in Richtung Station "Hbf Leipzig"


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Stand: 21.06.2008