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Dachkontruktionen des 19. Jahrhunderts

Konstruktion und Tragverhalten hölzerner Dachkonstruktionen des 19. Jahrhunderts

Konstruktion und Tragverhalten hölzerner Dachkonstruktionen des 19. Jahrhunderts

(DFG-Projekt)

Das 19. Jahrhundert ist ein sehr facettenreiches Jahrhundert, sowohl im äußeren Erscheinungsbild, als auch in der Konstruktion seiner hölzernen Tragwerke, welche jedoch oftmals unterschätzt werden. Gegenüber den eisernen Konstruktionen rücken die erhaltenen hölzernen Tragwerke des 19. Jahrhunderts erst jetzt allmählich in den Fokus der Forschung.
Im ersten Jahrhundertdrittel lässt sich eine besondere Experimentierfreude beobachten (Bohlendächer, Adaption italienischer bzw. palladianischer flachgeneigter Pfettendach-Konstruktionen, bogenförmige Träger, zunehmende Verwendung eiserner Verbindungselemente und Zugglieder), daneben aber auch ein zähes Festhalten an tradierten Konstruktionen (liegender Stuhl), auch bei anspruchsvollen und weitgespannten Tragwerken. Begleitet wird diese Zeit durch eine reiche Produktion an Fachliteratur, die bisher bautechnikgeschichtlich kaum ausgewertet worden ist.
Um die Mitte des Jahrhunderts liegt eine weniger befriedigende Informationssituation vor: Wenige erhaltene Denkmäler, kaum zeitgenössische Fachpublikationen zum Holzbau. Dies ist problematisch insbesondere deswegen, weil sich in dieser Zeit der entscheidende allgemeine Umbruch vom Sparren- zum Pfettendach vollzogen hat und typische Bauweisen des letzten Jahrhundertdrittels wie Kniestockdachwerke, Zangenkonstruktionen und modernisierte Hänge- und Sprengwerke sich damals durchgesetzt haben.
Gegen Ende des Jahrhunderts nimmt der Bestand erhaltener Denkmäler und verfügbarer Fachliteratur wieder zu, allerdings vor dem Hintergrund einer gegenüber dem Eisenbau drastisch zurückgegangenen Bedeutung des Holzbaus.
Konstruktionen des 19. Jahrhunderts weisen konstruktive Elemente auf, die in anderen Zeiten unbekannt waren oder kaum eine Rolle gespielt haben. Diese Elemente können einen maßgeblichen Einfluss auf das Tragverhalten haben und daher bei der Standsicherheitsbeurteilung und/oder Ertüchtigung eine maßgebliche Rolle spielen. Ziel des Projektes ist es, auch für solche Situationen Hilfestellung für den Tragwerksplaner zu bieten.



Methodik:


-    Klassifizierung der Dachwerke nach Nutzungsart der Gebäude
-    Aufmaß und Dokumentation vorhandener Dachwerke in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen
-    Datierung, Befund- und Zustandskartierung
-    Recherche zeitgenössischer Literatur und Archivalienforschung


Ziele:


-    Darstellung und Erfassung der Dachwerke in ihrem Kontext (Bauaufgabe, Region)
-    Katalogisierung der Verbindungsarten
-    Entwicklungsgeschichte der jeweiligen Dachkonstruktion
-    Einordnung hinsichtlich ihrer Konstruktion und ihres Tragverhaltens
-    Erstellung von Beurteilungskriterien für hölzerne Dachkonstruktionen des 19. Jh.
 

Publikationen aus dem Projekt:


-    Holzer, S.M.; Voigts, C.; Wünnemann, A.: Münchner Dächer des 19. Jahrhunderts.
In: Hassler, U. (Hrsg.): Bautechnik im Historismus. München: Hirmer (erscheint im Frühjahr 2012)
-    Holzer, S.M.: König-Ludwig-Brücke Kempten (=Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst, 11). Hrsg. v. d. Bundesingenieurekammer, Berlin (erscheint im Frühjahr 2012)
-    Wünnemann, A.; Holzer, S.M.; Voigts, C.: Wooden "Italian" wide-span roofs of German 19th century theatre buildings. Angenommener Beitrag zur 4. International Conference on Construction History, Paris, July 2012.

Bearbeiter: Dipl. Ing. (FH) Anja Wünnemann M.A., Prof. Holzer